if death is the last appointment

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if death is the last appointment

Beitrag  Kyrie am So 16 Dez 2018 - 20:10

count me in unannounced
lumière & kyrie

Er hatte sich heute tatsächlich mit den Liebesliedern zurückgehalten; immerhin war es Samstagabend. Und auch wenn sein totes Herz ihm dafür recht dankbar war, protestierten seine Stimmbänder doch ein wenig. Ein rauer Hals, als hätte man seine Kehle mit Sandpapier bearbeitet, war der Preis, den man für ein zufriedenes Publikum zahlte, doch machte es mehr Spaß auf der Bühne zu stehen, wenn man gefeiert, nicht bemitleidet wurde. Dabei war Kyrie sich nicht sicher, ob mehr als die Hälfte seines Publikums überhaupt dazu fähig wären, Mitleid zu empfinden. Hier kamen die Wesen her, die sich auch auf offener Straße auf irgendwelche Wildfremden stürzen würden, würde die Situation es zulassen. Die, deren Essen auf zwei Beinen unterwegs war, Familie und Träume hatte und dann doch in einer Gasse elendig als Abendessen oder Frühstück oder Brunch endete. Und das war auch gar nicht so schlimm. Schlimm war nur, dass es tatsächlich Leute gab, die Brunch wirklich ernst nahmen. Dann als einer zu enden wäre dann vielleicht gar nicht so schlimm. Folglich roch das Innere des Neun Lebens nicht nur nach dem Schweiß der tanzenden Masse, nach teilweise billigem Alkohol und noch billigerem Parfüm, sondern auch nach Blut und Angst ― auch wenn sich heute kein menschliches Wesen in den Club hineingetraut hatte. Oder mitgeschleppt worden war. Dass die Gäste ihre Snacks mitbrachten war gar nicht so selten; und gar nicht so blöd. Außerdem hatte Kyrie in solchen Fällen auch etwas davon, er war ja immerhin nicht an die Bühne gefesselt ― was auch besser so war.
Besser und der Grund dafür, warum er nach dem letzten Song ― der von Frauen, Alkohol und Sex handelte ― mit rauer Stimme ein knappes "Pause für den Musiker." ins Mikrofon murrte, seine Gitarre abstellte und die Anlage anschmiss, die für ihn weiter und unermüdlich ein Lied nach dem anderen trällerte und ihn somit nur halb-so-gut, aber eben erträglich ersetzte und es ihm erlaubte, von der Bühne zur Bar zu huschen, wo ihn auch schon ein Tequila Sunrise mit hübschem Cocktailschirmchen erwartete. Die Ellenbogen lehnte er auf der minimal klebrigen Bar ab, stützte das Gesicht auf eine Hand und rühte mit dem farblosen Strohhalm in dem flüssigen Sonnenaufgang herum, während seine dunkel-unterlaufenen Augen sich etwas interessantes und hübsches zum Ansehen suchten.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Lumière am So 16 Dez 2018 - 22:16

Normalerweise hielt sie sich von solchen Clubs fern. Oder Bars, Diskotheken, all das, was irgendwie nach sinnlosem Besäufnis und grabsch-freudigen Kerlen klang. Nicht zu vergessen, die viel zu laute Musik, die überhaupt nicht den Geschmack der Halbharpyie traf. Von dem Geruch — oder viel eher Gestank — wollte sie gar nicht erst anfangen. Hätte sie also kein klares Ziel vor Augen, hätten sie keine zehn Pferde ins Neun Leben treiben können. Aber das hatte sie. Und zu ihrem Unglück war es der Musiker, der seitdem sie den Club betreten hatte, ununterbrochen ins Mikro grölte, und erst zu einer Pause ansetzte, als Lumières Geduldsfaden ähnlich schmal war, wie ihre verengten Pupillen. Nicht, dass er eine schlechte Stimme hätte oder untalentiert wäre, aber die Blondine war eben nicht hergekommen, um sich von der Live-Musik hier berieseln zu lassen.
Sie folgte dem Dunkelhaarigen mit dem Blick, hoffte er setzte sich nicht irgendwo an eine Bar in der entgegengesetzten Richtung, sodass sie einmal durch den Club stiefeln müsste. An sich kein Weltuntergang, aber wenn es sich vermeiden ließ, sich durch die verschwitzte und vermutlich ausgehungerte Menge drängen zu müssen, umso besser. Und sie hatte Glück. Er ließ sich nur einige Barhocker weiter nieder, mit einem Cocktail vor sich, den Lumen bei den Lichtverhältnissen nicht zuordnen konnte. Wenn sie so den Text des vergangenen Lieds abrief, tippte sie schon fast auf einen Sex on the Beach. Bevor sich seine Groupies — sie nahm mal an er hatte eine weiblich dominierte Fanbase — auf ihn stürzen konnten, wie die Geier aufs Aas, ergriff Lumière die Initiative und setzte sich mit übereinandergeschlagenen Beinen neben ihn, richtete ihren Blick jedoch erst mal zur Theke aus, um das Angebot zu überfliegen. Sie wollte nichts Alkoholisches und nichts Blutiges, so viel stand fest. „Entschuldigung—ich will dasselbe wie er, nur ohne Alkohol.“ Sie deutete auf das bunte Schirmchen, das einen minimalen Luftzug abbekam, schaukelte und schließlich über den Rand des Cocktailglases kippte.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Kyrie am Mo 17 Dez 2018 - 17:10

Er hatte sich geirrt, was die menschliche Kundschaft anging. Während er am Rand der tanzenden Masse entlang gehuscht war, hatte ihn lediglich der typische viele-betrunkene-Leute-auf-engem-Raum getroffen, kaum saß er allerdings an der Bar, den Cocktail in einer, den eigenen Kopf auf der anderen Hand, begrüßte ihn schon eine anderer Duft. Nicht präsent genug, um ihn direkt in allem was er tat innehalten zu lassen, und doch aufdringlich genug, dass er den Blick nur noch auf einen Punkt konzentrierte und die Augenlider ein wenig über die (hatte er sich sagen lassen) blutroten Augen senkte. Menschlich. Und dass es nicht der Blutgeruch von hinter der Bar war, war ihm ebenso klar. Dazu hielt er sich viel zu oft hier auf, war den Geruch schon längst gewöhnt, auch weil er an seinen Klamotten hing, sich in den Stoff seiner Gitarrentasche gefressen hatte wie der Geruch nach Nikotin, der die meisten Dinge nicht mehr losließ. Die Trägerin des verführerischen Geruchs setzte sich wenige Herzschläge später schon auf den leeren Hocker neben dem Vampir, hob die Stimme, wenn auch nicht, um ihn anzusprechen, stattdessen schien ihre Aufmerksamkeit dem Barkeeper zu gelten. Einen Moment lang jedenfalls. Denn während sich seine Augenlider langsam wieder erhoben, verabschiedete sich sein Cocktailschirmchen aus dem Glas ― und das mit einer einzigen Bewegung eines schmalen Fingers.
"Ohne Alkohol? Vernünftig." Oder verklemmt ― sowas sagte man ja aber nicht, wenn es ums flirten ging. Recht schnell hatte er sich an den Geruch gewohnt, hob das Kinn nun etwas an und griff nach seinem verloren-gegangenen-Schirmchen, den Blick heftete er nun endlich auf die hübsche Dame, sie ein wenig musternd. "Du kommst so verführerisch duftend hier her und willst dann nicht einmal Alkohol trinken?" Er legte den Kopf schief, schnippte ihr das Schirmchen zu als würde er hoffen, dass sie es zurückschweben lassen würde, wie einen winzigen Fallschirmspringer. Ein Seufzen folgte den eigenen Worten, dann ein Schütteln des Kopfes. "Geht aber trotzdem auf mich. Dein... dein Saft." Eine Geste der Hand ließ deutlich werden, dass ihm nicht ganz klar war, weshalb man einfach einen Tequila Sunrise ohne... Tequila und folglich auch ohne Sunrise bestellte. Da könnte sie gleich ein Glas Orangensaft mit Cocktailschirmchen verlangen.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Lumière am Di 18 Dez 2018 - 12:03

Seine Aufmerksamkeit hatte Lumière schon einmal. Ob nun wegen ihres angeblich verführerischen Geruchs, der Tatsache, dass sie wohl als einzige hier einen alkoholfreien Cocktail bestellte oder der kleinen Schirmchen-Showeinlage. Oder vielleicht einfach nur, weil sie ein ansprechbares, weibliches Wesen war. Den Schirm, den er in ihre Richtung schnippte, als wäre er ein Federball, ließ sie für ein paar Sekunden zwischen ihnen taumeln, bevor sie ihn mit den Fingerspitzen aus der Luft pickte und schmunzelnd zurück an den Rand von Kyries Cocktailglas steckte. „Ich vertrage keinen Alkohol“, gab sie zu, statt sich einer Ausrede zu bedienen oder dem Thema auszuweichen. Ob Lumière einen alkoholischen Cocktail bestellt hätte, würde sie nach einem Glas Wein nicht schon benommen unter der Theke liegen? Wahrscheinlich nicht. Sie war ja nicht zum Spaß hier.
Während hinter der Theke ihr Cocktail zusammengemischt wurde, nahm sie sich die Zeit, um ihren Gegenüber aus der Nähe zu betrachten, stützte ihren Kopf mit einer Hand und musterte ihn etwas eindringlicher. Bisher hatte sie ihn schließlich nur auf der Bühne gesehen, ergo von Weitem und nicht unbedingt bestens beleuchtet. Eine Beschreibung hatte sie zwar auch bekommen, aber die hatte wenig über das Aussehen des Musikers ausgesagt. Nur, dass er in diesem Club auftrat, ein Vampir war und ihr bei ihrer Angelegenheit helfen könnte. „Komisch. Aus der Nähe… bist du gar nicht so attraktiv, wie oben auf der Bühne.“ Schmunzelnd huschte ihr Blick kurz hinter die Bar, um sich über den Stand ihres Safts zu vergewissern. Der Barkeeper schob die Orangenscheibe auf den Glasrand, sichtlich unzufrieden über den fast schon verstümmelten Cocktail, den er daraufhin der Blondine reichte, die ihn dankend annahm. Sie hielt Kyrie ihr Glas hin, um anzustoßen — sie auf eine erfolgreiche Abmachung mit dem Vampir. Er… hatte wahrscheinlich andere, weniger ambitionierte Ziele für die Nacht. Aber von denen wollte sie ihn auch gar nicht aufhalten. „Ich bin Lumière. Mmh—wenn dir das nach ein paar Cocktails zu lang ist, geht auch Lumen.“ Sie war ja heute nicht als Bürgermeisterin hier und musste sich nicht förmlich vorstellen. Wahrscheinlich erkannte man sie hier nicht einmal. Jedenfalls ging sie nicht davon aus, dass irgendjemand in diesem Club die örtliche Politik Oretowns verfolgte.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Kyrie am Di 18 Dez 2018 - 19:03

"Daran gewöhnt man sich doch." Viele wollten ihm versichern, dass man es nicht trainieren konnte, mehr Alkohol wegzustecken als andere, doch seiner Meinung nach war das völliger Irrglaube; man konnte alles trainieren. Wenn man wollte. Außerdem; er hatte auch keine ultra-laute-Umgebung vertragen — und war nun dennoch geradezu täglich in einer vorzufinden. Seine Ohren hatten sich schlicht und einfach angepasst, genau wie jemand mit Nussallergie sich desensibilisieren konnte und Lactose-Intolerante eben... ohnehin nichts auf ihre Intoleranz haben und einen Milchshake nach dem anderen verschlangen. (Auch wenn er seine Theorie selbst widerlegte, immerhin mochte er auch nach dem 100sten Mojito keinen Mojito und war auch noch immer, Vampirdasein hin oder her, gegen Soja allergisch. Doch er war ja schließlich nicht hier, um irgendwelche Theorien zu bestätigen.)
Wie auch immer; die Gedanken, die durch seinen Kopf schossen, wurden durch die Frechheit, die der Dame über die Lippen kam, unterbrochen. Sein Cocktailschirmchen hatte sie zwar äußerst elegant zurück in sein Glas wandern lassen, doch rechtfertigte das die Tatsache, dass sie ihm nun den Stolz anstatt des Schirmchens nahm, keinesfalls. Langsam sog er die Luft durch die Nase ein, atmete durch den Mund wieder aus und rollte dann minimal mit den Augen, den Kopf wieder auf seine Hand stützend, als würde das Gespräch ihn schon jetzt langweilen. "Ist das so?" Er wusste durchaus, dass er mit anderen Vampiren nicht mithalten konnte, was das hübsche Aussehen und die Unwiderstehlichkeit betrafen — dennoch, er sah nicht aus wie ein Wesen, das sich in Höhlen zurückzog und keine Ahnung von Hygiene hatte. So schlecht konnte er also gar nicht aussehen. Und dennoch machte die Aussage die Blondine nicht direkt uninteressanter. "Du bist dafür nach wie vor hübsch wie ein Blümchen." Zugegeben; ein großes Blümchen. Sie wirkte nicht wie eine zarte Blüte, was eventuell an ihrer Körpergröße lag (im Stehen wäre sie sicherlich so groß wie er), vielleicht aber auch am Strengen Blick ihrer Augen. Er grinste sie an wie die Unschuld in Person, ehe ihr Saft schon über die Theke wanderte. Sein Tequila Sunrise wanderte ein wenig in die Höhe, traf auf das Glas seiner jugendfreien Version, während Kyrie sich tatsächlich bemühen musste, jedes Wort der schönen Dame zu verstehen. "Kyrie." nannte er als Gegenleistung den eigenen Namen, zog sein Glas wieder ein wenig näher an sich heran und kniff die Augen etwas zusammen. "Dann hoffe ich doch, dass du mir lange genug Gesellschaft leistest, dass eben ein paar Cocktails daraus werden, Lumière." Nicht dass sie nach einem Cocktail—pardon—Saft schon wieder gehen wollte. "Vielleicht hab' ich dich bis dahin ja auch schon für ein richtiges Getränk begeistert?" Nicht, dass er sie abfüllen wollte; doch vielleicht wollte er das.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Lumière am Do 20 Dez 2018 - 11:52

Wäre die Situation eine andere und Lumière nicht darauf aus, den Vampir um den Finger zu wickeln, hätte sie ihn darüber belehrt, dass sie sich wegen ihrer nichtmenschlichen Hälfte nicht an Alkohol gewöhnte. Zugegeben — Lumen hatte nie ausprobiert eine Toleranz aufzubauen, sondern sich recht früh damit abgefunden, dass nach einem Bier Schicht im Schacht war. Teils, weil sie wirklich keine Faktoren brauchte, die ihre Lebenserwartungen möglicherweise noch weiter runterschraubten. Im Gegensatz zu Kyrie, lebte sie nicht ewig. Aber da sie gerade nicht den Sinn darin sah, ihn darüber aufzuklären, ließ sie seine These unbeantwortet im Raum stehen.
Ob ihre Bemerkungen wirklich an seinem Ego kratzte? Glaubte sie kaum. Sie glaubte eher, dass er normalerweise mit Komplimenten und Worten, die er hören wollte, überhäuft wurde. Immerhin war Kyrie entgegen ihrer Behauptung nicht im Geringsten unattraktiv, Musiker und hatte ein charismatisches Auftreten. Es brauchte sicher mehr, um sein Selbstbewusstsein zu knicken. „Ein Blümchen?“ Die Wortwahl brachte sie dazu, kurz aufzulachen, während sie ihren Cocktail hob, um anzustoßen. Das traf wohl nicht wirklich auf sie zu, doch sie nahm das Kompliment lieber an, als die Bezeichnungen, die sie sonst so und vor allem in der Schule gehört hatte — Oger, Riese, Goliath. Erstaunlich, wie kreativ Kinder sein konnten, wenn es um Beleidigungen ging. Da standen sie Erwachsenen in nichts nach.
Sie sprach also zumindest mit der richtigen Person. Es wäre wohl gar nicht so unwahrscheinlich gewesen, hätte sie hier den falschen Vampir angesprochen. Er war bestimmt auch nicht der einzige Musiker, der auftrat, oder? War aber auch egal, immerhin hatte sie den Richtigen erwischt. „Je nachdem, wie lange man dich auf der Bühne entbehren kann. Ich hab Zeit und hier keine Verabredung.“ Natürlich wäre sie trotzdem froh, das Ganze schnellstmöglich abzuwickeln, aber ums Kennenlernen und den Smalltalk kam sie wohl nicht herum. „Vielleicht. Dann trägst du aber die Verantwortung, wenn ich etwas unseriöses mache. Ich habe dich ja vorgewarnt, dass ich nichts vertrage.“ Wann hatte sie überhaupt zuletzt mehr, als einen Sekt auf irgendeiner Gala, getrunken? Nicht einmal auf ihrer eigenen Hochzeit hatte sie Alkohol angerührt.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Kyrie am Sa 22 Dez 2018 - 12:56

Ein Blümchen. Sie schien dieser Bezeichnung wegen recht überrascht, wenn auch nicht negativ — wenn er ihr Lachen und die Geste, die er mit dem Heben des eigenen Glases erwiderte, denn richtig deutete. Sicher hätte man es auch falsch auffassen können; Blumen waren unauffällig, wuchsen in Rudeln (oder wie nannte man es?) und schienen allgemein nicht sonderlich nützlich, wenn sie nicht gerade zu Gift, Medizin oder diversen Rauschmitteln weiterverarbeitet wurden. Doch war es nie seine Art gewesen, kleine Worte oder Gesten gleich auf die Goldwaage zu legen. In Songs tat er das vielleicht, in bedeutungsvollen Texten, doch in Gesprächen, bei denen ihm der Geruch von Tequila in der Nase hing und bedeutungslose, einfache Musik auf sein Trommelfell einhämmerte? Nein, gerade hatte er nicht vor, der Frau ihm Gegenüber ein Lied zu widmen. Er war immerhin kein Minnesänger — das war viel zu altmodisch und Kyrie definitiv zu jung dafür. "Ach-" Mit der Hand, die er nicht um sein Glas gelegt hatte, beschrieb er eine wegwerfende Geste. "Die Leute sind momentan auch ohne Live-Musik zufrieden, ich hab Zeit." Vielleicht war das ein wenig geflunkert; er wurde immerhin dafür bezahlt, hier aufzutreten, und nicht dafür, einfach anwesend zu sein und Cocktails zu trinken. Doch war es spät genug, dass die meisten schon genug Alkohol oder sonstiges intus hatten, oder schon so gefangen von der Atmosphäre waren, dass eine etwas längere Pause gar nicht auffallen würde. Die Zeit schien hier ohnehin anders zu spielen als außerhalb. Sie verging schneller, wie im Flug. Und bevor man sich versah war schon die Sonne aufgegangen und einem blieb gar keine andere Wahl, als noch bis Sonnenuntergang hier zu bleiben.
"Jetzt machst du mich ganz neugierig." Er würde ihr noch ein wenig Zeit mit ihrem Saft lassen, trank jedoch selbst einen oder zwei weitere Schlucke vom eigenen Sonnenaufgang, eventuell auch, um sich ein wenig von Lumières Geruch abzulenken. Dass er jedoch nicht der einzige war, dem der halbwegs menschliche Geruch aufgefallen war, war fast logisch; die Blicke, die auf der Dame hafteten, schienen irritiert und hungrig, doch ließ er die Abgelenkten mit einem kurzen Blick und einem Fletschen der Zähne wissen, dass sie sich wegscheren sollten. Was auch geschah — weshalb der Vampir sich wieder konzentrieren konnte. "Du hast also weder eine Verabredung, noch willst du dich betrinken, der Musik lauschen oder deinesgleichen austrinken—" Er zählte die nicht-vorhandenen-Motivationen an einer Hand mit, ehe er bei dem Anblick der vier gehobenen Finger ein wenig die Augenbrauen zusammenzog. "Dann muss es also irgendetwas anderes geben, was dich hierher gebracht hat."

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Lumière am Di 25 Dez 2018 - 11:55

Ob die Leute tatsächlich zufrieden waren, ohne von Kyries lieblicher Stimme beschallt zu werden, wusste Lumière nicht, aber bisher hatte sich kein wütender Mob zusammengebraut, um den Musiker von der Bar wegzuzerren. Also war doch alles in Ordnung. Vielleicht nutzten einige die musikalische Pause ja auch, um sich einen Mitternachtssnack — oder wie spät auch immer es war — zu gönnen. Wie Lumen mitbekommen hatte, kamen die meisten Besucher ja nicht nur zum Tanzen und Feiern in diesen Club.
Nachdem sie einen Schluck von ihrem — zugegeben etwas faden — Getränk genommen hatte, drehte sie sich ein wenig mehr in Kyries Richtung, verschränkte die Arme locker vor sich auf dem Tisch und lehnte sich etwas zu ihm hin. Er, als Vampir, der zudem an ein lautes Ambiente gewöhnt war, hatte sicher keine Probleme sie zu verstehen, doch verschluckten die Musik und das Stimmengewirr neben ihnen einzelne Wörter, die Lumière nicht aufschnappen konnte. Als er meinte, sie würde ihn neugierig machen, hob sie erwartungsvoll die Augenbrauen, während sie mit dem Strohhalm das Eis im Uhrzeigersinn im Glas herumschob, aber keine Anstalten machte von dem Orangensaft zu trinken. Sie schaute zu seinen erhobenen Fingern, dann in seine blutroten Augen, die kurz zur Konkurrenz abgeschweift sind, nun aber wieder auf der Harpyie lagen. „Ich brauchte etwas Ablenkung und Abwechslung. Mir fällt zu Hause die Decke auf den Kopf.“ Gelogen war das immerhin nicht. Nicht komplett. Der eigentliche Grund für ihren Besuch war zwar ein anderer, aber die Tatsache, dass ihr das monotone Pendeln zwischen ihrer Arbeit und ihrem ungeliebten Ehemann allmählich zum Hals raushing, stimmte. „Ein Bekannter hat mir diesen Club empfohlen. Mmh—er hat gesagt der Club sei exklusiv und die Live-Musik sei gut.“ Ihr Lächeln wurde für einen Augenblick etwas breiter, als würde sie der Behauptung über die Musik zustimmen wollen. „…er hat mir aber verschwiegen, dass ich hier als laufende Blutkonserve angesehen werde, der Idiot.“ Ihrem eher amüsierten Tonfall nach zu urteilen, war sie weder ernsthaft wütend darüber, dass jener Bekannte sie in einen Club voller Vampire und sonstiger, zwielichtiger Wesen geschickt hatte, noch, dass es sie störte, als begehrenswert(e Mahlzeit) betrachtet zu werden. Sie hatte immerhin nicht vor sich tatsächlich vernaschen zu lassen, außer es brachte ihr Vorhaben entscheidend weiter.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Kyrie am Di 25 Dez 2018 - 13:19

Ablenkung und Abwechslung würde man im Neun Leben tatsächlich finden, auch ohne kannibalistisch veranlagt zu sein — dennoch wunderte es ihn ein wenig, dass ein Bekannter einer mehr oder minder menschlichen Dame einen solchen Club empfohlen hatte. Da gab es doch auch andere Dinge. Weniger gefährliche Dinge. Doch vielleicht stand Lumière ja gerade auf diesen Nervenkitzel oder hatte eben für den Fall der Fälle ein Ass im Ärmel. Ungenießbares Blut beispielsweise. Oder spitze, ausfahrbare Krallen. Irgendetwas. "Dann hast du ja Glück, dass ich im Gegensatz zu manch anderem hier ganz handzahm bin." — sollte heißen; er würde sich nicht einfach auf sie stürzen und ihr Blut trinken. Zumindest nicht jetzt, immerhin hielt sein Durst sich in Grenzen. Andere allerdings konnten sich weitaus weniger beherrschen, waren schon durstig hierher gekommen oder benutzten den Alkohol, um letzte Hemmungen einfach zu übergehen. Oder eben den gesunden Menschenverstand. Auch wenn er natürlich ganz und gar nicht so zahm war, wie er vorgab zu sein. Nur für hübsche Damen machte er gerne einmal eine Ausnahme.
Ihr indirektes Kompliment (er fasste es zumindest als solches auf), was die Musik betraf, brachte ihn dazu, die Augen ein wenig zu verengen. War wohl eine Zwickmühle; solange Kyrie nämlich seinen Cocktail in der Hand hatte und auf dem Barhocker saß, würde Lumière der Live-Musik nicht lauschen können. Doch konnte sie das bestimmt verkraften; ein nettes Gespräch machte das hoffentlich wieder wett. Denn trotz der Tatsache, dass sie ihn, wenn er ihren vorherigen Worten Glauben schenkten durfte, von nahem gar nicht so attraktiv fand, schien sie nicht wirklich abgeneigt; immerhin hatte die Dame sich etwas zu ihm gelehnt, vielleicht auch, um ihn besser zu verstehen. Dass sie nicht sonderlich begeistert von ihrem Drink zu sein schien, war ihm ebenfalls aufgefallen — weshalb er, kaum dass er von der Original-Version noch zwei Schlucke nahm, ihr Glas ein wenig musterte und schließlich, kaum dass seines wieder die etwas klebrige, hölzerne Oberfläche traf, die Augenbrauen nachdenklich zusammenzog. "Wenn du dich für einen richtigen Cocktail begeistern lässt, dann bin ich vielleicht der Idee, weiter Bodyguard zu spielen, gar nicht so abgeneigt. Bevor dich zuhause jemand vermisst." Ein Kompromiss also? Vielleicht. Doch wer wusste, ob sie angeheitert nicht auf einmal tanzen wollen würde — und auf der Tanzfläche mitten in der Menge würde sicher jemand auf die Idee kommen, sie zu beißen. Oder sonstiges. Auch wenn er natürlich nicht zugeben würde, dass er sie irgendwie abfüllen wollte. Mehr hatte ihre Aussage seine Neugierde geweckt. Bei der letzten Aussage allerdings deutete er mit einem Nicken vage in Richtung des Rings, den sie trug. Auch wenn das für ihn kein Grund war, das Flirten einzustellen — doch sollte sie wissen, dass ihm das Detail nicht entgangen war. Vielleicht war es ja aber auch nur ein Schmuckstück.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Lumière am Do 27 Dez 2018 - 12:00

„Ob ich dir das glauben kann?“, gab sie schmunzelnd zurück, als Kyrie sich selbst als handzahm bezeichnete. Wahrscheinlich würde jeder an seiner Stelle dasselbe sagen, um nicht als primitives, blutrünstiges Monster abgestempelt zu werden. Wenn sie den Vampir so anschaute, wirkte er sogar noch ausgehungerter, als sie meisten anderen hier. Aber vielleicht lag diese Einschätzung auch nur daran, dass sie die Chance hatte ihn aus der Nähe zu betrachten. Da fielen einem Dinge, wie dunkle Schatten unter den Augen und Leichenblässe viel eher auf. Doch selbst wenn Kyrie im Sinn hatte, sie erst einzulullen, um sie dann auszutrinken, zweifelte Lumière nicht daran, dass sie sich verteidigen könnte. Sonst wäre sie nicht allein in einen Club voller tödlicher Wesen hineinspaziert.
Ihr Glas, das sie die ganze Zeit mit einer Hand umschlossen gehalten hatte, als würde sie verhindern wollen, dass ihr jemand den inzwischen mit Eiswasser verdünnten Orangensaft klaute, schob sie nun ein Stück von sich und betrachtete flüchtig den Ring, auf den Kyrie aufmerksam geworden war. Oder vielleicht schon von Anfang an wahrgenommen, aber ignoriert hatte? Unauffällig war der Diamant immerhin nicht — und das wahrscheinlich absichtlich so gewählt. „Dann bist du ab jetzt damit beauftragt aufzupassen, dass mich hier niemand anknabbert. Sonst bekomm ich zu Hause ein paar Probleme“, erwiderte sie eher amüsiert, als ernsthaft über irgendwelche Konsequenzen besorgt. Dabei wanderten ihre Mundwinkel so weit nach oben, dass ihre spitzen Eckzähne für einen Moment durchblitzten. Daraufhin griff sie nach Kyries Cocktailglas, keinesfalls zögernd oder unsicher, ob er es ihr eventuell verbieten würde, zog das Glas in ihre Richtung, sodass es mittig zwischen ihnen stand und lehnte sich etwas vor, um einen zurückhaltenden Schluck davon zu trinken. Dass ihr Lippenstift den Strohhalm verfärbte, störte Kyrie doch hoffentlich nicht. „Vielleicht teilen wir uns erst einen und schauen, ob ich auf den Geschmack komme?“ Sie musste zugeben, dass ihr Säftchen nicht mit dem Tequila Sunrise mithalten konnte. Aber solange sie ihr Ziel nicht aus den Augen verlor, konnte sie sich schon den einen oder anderen Schluck Alkohol leisten. „Darf ich fragen wie alt du bist?“ Nicht, dass es irgendeine Rolle spielte, ob er zwanzig oder hundertzwanzig Jahre alt war, aber es interessierte sie persönlich. Vampiren konnte man das Alter schließlich nicht vom Gesicht ablesen. Sie alterten nicht, soweit sie wusste. Bekamen keine Falten und keine grauen Haaren. Ziemlich frustrierend für jemanden, der sein halbes Leben schon hinter sich gelassen hatte.

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Re: if death is the last appointment

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