Alles nur eine Frage der Technik!

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Re: Alles nur eine Frage der Technik!

Beitrag  Chizuru am Mo 21 Aug 2017 - 16:53

Da er sich scheinbar nicht gegen ihre Bewegungen wehrte, konnte sie ungehindert, die Hand an seine Stirn legen und die gerunzelten Stellen in einer nach unten führenden Bewegung glätten. Sie war nicht gewöhnlich, wieso sollte sie dann gewöhnlich handeln? Im Prinzip konnte sie nur nicht verstehen warum er bei jeder Gelegenheit seine Stirn in Falten legte, was nicht hieß, dass sie erwartete, dass er wie sie reagieren sollte. Ganz im Gegenteil. Sie war froh, dass ihre Art die Dinge zu händeln sehr selten war. Wie bitte?! Ja, sie wusste durchaus, dass Vampire eine lange Lebensspanne hatten, aber dass man es dem Körper erst so spät ansah... Unvorstellbar für einen Menschen, weshalb auch eine eher private Frage folgte. "Erklärt mir zwar wieso Sie mich für jung halten, obwohl Sie selbst nicht viel älter aussehen... Außerdem sagten Sie vorhin bereits, dass dieser Schaden an ihren Augen bereits hundert Jahre zurück liegt, aber... Wie alt sind Sie jetzt, dass Sie all dem so unbesorgt entgegen sehen? Ich muss mir jetzt schon Gedanken machen, was in den nächsten Jahren passiert." Ohne Absicherung würde sie nämlich ziemlich blöd da stehen.
In diesem speziellen Fall würde das organische Material wohl auch schneller zerfallen, immerhin würde es nicht sein Eigenes sein und somit schneller aufgebraucht werden. Sie hatten damit eine deutlich höhere Chance, als mit dem Implantat, das war auf jeden Fall sicher. "Ich muss Ihnen ehrlich gestehen, dass ich nicht daran glaube. Die Erfolgschance bei dem Implantat würde ich auf vielleicht 35% einschätzen." Dennoch würde sie es versuchen, wo schon viele Aufgaben. Solange sie keine Chance hatten die über fünfzig Prozent lag rentierte sich der Aufwand nicht. Chizuru hatte da eine andere Auffassung. Selbst ein Prozent war eine Chance. Wieso sie nicht ausreizen? Ihre Chance hatte sich bei den Kontaktlinsen natürlich deutlich erhöht, weil sie damit schon ausreichend Erfahrungen sammeln konnte, nur leider hatte sie noch nicht weiter geforscht. Sie hatte ja, was sie wollte, doch nun ging wohl kein Weg drum herum.
Ein kurzer erneuter Blick über die Brille, um erneut festzustellen: sie sah ja so kaum etwas! Also wurde sie mit dem Zeigefinger weiter nach oben geschoben. Scheinbar hatte sie erneut etwas falsch verstanden, womit sie ihm langsam auf die Nerven ging? Damit musste er leben, so war sie eben. "Ich verzichte." Was sie wohl damit unterstrich aus ihren Schuhen zu schlüpfen und die Beine mit Hilfe der Hände erneut in den Schneidersitz zu befördern und sich deutlich entspannter zurück lehnte. "Ich bevorzuge es während der Arbeit keine großen Mahlzeiten einzunehmen. Die Müdigkeit, die danach einsetzt wirkt sich schädlich darauf aus. Die Konzentration nimmt ab und ich möchte hier keine Fehler machen." Dabei hatte sie Hunger, dennoch hielt sie an ihrer Aussage fest. Der Lolli in ihrem Mund musste reichen. "Wenn Ihnen nach etwas zu essen ist, dann nur zu." Wobei man erkennen konnte, dass sie sich selbst zum nachdenken gebracht hatte. Ernährten sich Vampire ausschließlich von Blut oder nahmen sie auch "normale" Dinge zu sich?
Eine interessante Frage, auf die sie ihm eine Antwort geben konnte. Ihre Augen blinzelten zweimal, um die Müdigkeit los zu werden, bevor sie die Stimme erhob. "Natürlich habe ich meine eigenen kleinen Geräte, mit denen das möglich wäre, aber sie würden dennoch niemals still halten. Aber sogar jemand wie ich hat seine Kontakte. Ich habe heute Nachmittag bereits mit einem Chirurgen gesprochen, der mir noch einen Gefallen schuldet. Er wird Ihnen also das Implantat einsetzen, selbstverständlich werde ich meine Augen nicht von seinen Fingern lassen." Ob ihn das beruhigte war allerdings eine andere Sache. Vielleicht wollte er sich auch erst einmal über diesen Chirurgen informieren? Oder ihn kennen lernen? Alles seine Entscheidungen, sie war so oder so damit einverstanden. Sie würde es auch nicht begrüßen von einem völlig Fremden solche Eingriffe durchführen zu lassen.
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Re: Alles nur eine Frage der Technik!

Beitrag  Constantine am Mo 21 Aug 2017 - 17:32

Er hatte Mühe, sich ein belustigtes Schnauben zu verkneifen, als Chizuru tatsächlich vom "Entgegensehen" sprach. Ja, manchmal waren diese kleinen unscheinbaren und unbedarft eingestreuten Wörter auch lustig. Es kam natürlich auf seine Laune an - oder darauf, wie jemand anderes sie an ihn richtete; ob es auf seine Kosten ging oder einfach nur ein Scherz sein sollte. Seine Mundwinkel zuckten, doch er kommentierte es nicht und ließ sie erst fortfahren, weil er sie nicht unterbrechen wollte.
Eine fünfunddreißigprozentige Chance war wirklich nicht dermaßen hoch, dass man darauf setzen sollte, aber besser als nichts. Und wenn es die am Ende effizientere Methode war, zog er sie den Kontaktlinsen auf jeden Fall vor. "Tja... Besser als nichts", sagte er nur leise bei sich.
Dass sie auf eine herkömmliche Pause verzichten wollte, ließ ihn nur die Schultern zucken. Er würde hier ganz bestimmt nicht damit anfangen, ihr herunterzubeten, wozu der Arbeitgeber so alles gesetzlich verpflichtet war, wenn sie ohnehin keinen Wert darauf legte. Aber für den Fall, dass sie darauf bestand, hätte er sich die Mühe gemacht, einen richtigen Vertrag mit ihr aufzusetzen. "Zu großer Hunger ist allerdings auch ein Konzentrationskiller, also melden Sie sich bitte, wenn Sie sehr hungrig sind. Und nein, danke. Ich esse nicht und bin nicht durstig."
Für das Einsetzen des Implantats beabsichtigte sie also, einen tatsächlichen Chirurgen zu konsultieren? Er wusste nicht, ob er das erwartet hatte. Auf der anderen Seite war es sicherlich eine bessere Idee als wenn sie es selbst hätte machen wollen. Sie hatte sich mittlerweile im Schneidersitz auf ihren Stuhl gelümmelt. Scheinbar ihr Konzept von Pause. "Einverstanden", sagte er leise. Wenn es ein richtiger Chirurg war, gab es keinen Grund, abzulehnen. "Ich bin hundertzwanzig Jahre alt", fügte er dann etwas aus dem Zusammenhang gegriffen und etwas verspätet hinzu. "Und ich muss zugeben, dass ich nicht traurig darüber bin, eine weitaus höhere Lebenserwartung zu haben als Sie. Auf der anderen Seite ist ein kürzeres Leben meist erstrebenswerter. Man kommt besser mit Veränderungen zurecht und trifft Entscheidungen leichter. Außerdem schätze ich, dass Menschen in der Regel glücklicher sind."

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Re: Alles nur eine Frage der Technik!

Beitrag  Chizuru am Mo 21 Aug 2017 - 19:40

Tatsächlich sollte ihre Aussage weder ein Scherz sein, noch dazu dienen ihn zu ärgern, sondern nur eine einfache Frage, über die sie nicht recht nachgedacht hatte. Man hätte sie auch anders formulieren können. Glücklicherweise nahm er ihr, erneutes, Missgeschick mit Humor. Sie war schon drauf und dran sich zu entschuldigen, beließ es dann aber doch bei einem nichts sagenden Blick. Er war es sicherlich Leid ständig Entschuldigungen zu hören. Allerdings ging er nicht auf sie ein, stattdessen fuhr er mit dem nächsten Thema fort.
Die Prognose, die sie ihm stellte war wohl nicht die Erfreulichste, sie würde es selbst lieber anders haben, aber so war es nun einmal. Führte bei Constantine eher dazu die Stimme zu senken, was durchaus verständlich war. Nur weil Chizuru ihre Gefühle versteckte, hieß das nicht, dass sie andere nicht nachvollziehen konnte, so konnte sie das seine wohl ziemlich gut verstehen, wollte ihm aber nicht seinen Stolz nehmen, indem sie ihm eine Hand auf die Schulter legte, weshalb sie die halb erhobene Hand wieder in den Schoß senkte. Männer konnten unglaublich Eitel sein und da sie ihn nicht sonderlich kannte, wollte sie das Risiko lieber nicht eingehen.
Es gab einen Grund warum Chizuru ohne Verträge arbeitete. Bisher hatte sie wenig Probleme mit der Bezahlung und tat während eines Jobs ohnehin das, was sie wollte. Immerhin hatte sie kein Gewerbe angemeldet, wie man es eigentlich sollte, dafür machte sie nicht genug Umsatz. Die Steuern würde sie sich nie leisten können. Egal war es dem Herrn jedoch allem Anschein nach nicht, immerhin hielt er ihr eine weitere Konsequenz vor, mit der er nicht unrecht hatte, doch versuchen um diese Uhrzeit noch etwas zu Essen zu finden, das nicht vor Fett strotzte? Na viel Glück! "Ich werde morgen wohl besser daran denken..." Eine Predigt war das Letzte, das sie hören wollte, aus dem Alter war sie raus. "Kann ich das also so auffassen, dass sie allgemein keine feste Nahrung zu sich nehmen?" Was es mit dem durstig sein auf sich hatte, wusste sie ja bereits. Veranlasste sie aber dazu kurz einen Schluck von ihrem Wasser zu nehmen und es erneut auf den Tisch zu stellen.
Nun war es allerdings schon das zweite oder sogar dritte Mal, dass er die Stimme so hinunter fuhr. Musste sie sich nun etwas dabei denken? Vielleicht war er selbst ja auch müde. Am Hunger lag es ja offensichtlich nicht. Oder es missfiel ihm, dass schon wieder jemand an seinen Augen rumfummelte, den er nicht kannte? Wirklich fragen wollte Chizuru aber nicht, sollte er einen Chirurgen haben, dem er vertraute und von dem er es lieber hätte, dass er den Eingriff durchführte, dann sollte er es sagen. Sie waren hier schließlich nicht im Kindergarten.
Dieser Themawechsel. Etwas, das Chizuru den Blick auf Constantine fixieren lies und kurze Zeit später schüttelte sie auch schon den Kopf. Als müsste sie die Information gerade verarbeiten. Da war also die Antwort, auf die sie vorher gewartet hatte. Wie auch immer er darauf zurück kam. Musste er sich erst Gedanken darüber machen? Vielleicht ob er ihr das wirklich erzählen wollte? Er war wirklich 95 Jahre älter, als sie selbst, was sogar sie dazu veranlasste die Kinnlade runter zu klappen, wenn auch nur für einige Sekunden. Ein kurzes Räuspern, ehe sie wirklich bereit war zu antworten. "Ich kann mir jetzt irgendwie kein Bild machen, was für eine Lebenserwartung Sie haben. Klar, ich kann es auch bis zu den hundert Jahren schaffen, wenn ich es wollte, aber der Zerfall eines menschlichen Körpers... Ich möchte nicht irgendwann aufwachen und feststellen, dass ich mich nicht mehr bewegen kann." Das war vermutlich nicht das Einzige, das sie an einer solchen Unterhaltung beschäftigte. "Glücklicher...?" Hier war sie es nämlich, die ihre Stimme senkte und die Hände auf den jeweils anderem Arm legte, ganz als wäre ihr kalt. "Ich glaube nicht, dass man das Glücklich sein an der Rasse messen kann... Wir sind lediglich gezwungen uns früh um die Dinge zu kümmern, die uns wichtig sind, die uns glücklich machen, weil wir wissen, dass wir keine Zeit haben. Aber was, wenn das für einen Menschen allein unmöglich ist?" Außerdem war sie mit dem Rest seiner Aussage auch nicht sonderlich zufrieden, sie sah die Dinge anders. Wie froh wäre sie ein wenig mehr Zeit zu haben. Nur alleine schon um ihre Monotonie zu besiegen. Doch in der Regel aller Fälle hatte sie bereits ein Viertel ihres Lebens hinter sich und Menschen taten sich schwer Fehler oder solche Dinge auszumerzen. Man konnte so schon sagen, dass sie Eifersüchtig auf den Vampir vor ihr war. Er hatte so gesehen alle Zeit der Welt.
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Re: Alles nur eine Frage der Technik!

Beitrag  Constantine am Mo 21 Aug 2017 - 20:09

Und wenn sie am nächsten Tag wieder kein Essen dabei hatte, würde er ihr daraus dennoch keinen Strick drehen. Es war in erster Linie ihre Gesundheit, die darunter litt, nicht seine. Problematisch wurde es höchstens, wenn ihre Konzentration darunter so stark litt, dass sie schlechte Arbeit leistete und diese dann in seine Augen gesetzt wurde. Aber das war ein Szenario, das er für nicht sehr wahrscheinlich hielt, weshalb Constantine auch gar nicht erst zum besorgten Vater, Bruder oder Freund mutierte und sie ermahnte, dass es Konsequenzen gäbe, würde sie nicht auf ihre Nahrungsaufnahme achten. Wäre er aber auch ansonsten kaum. Er war nicht so der sorgenvolle und fürsorgliche Typ. Und ganz der strenge Vater? Nein, wenn er an den dachte, hatte er eher noch größere Lust, Chizuru etwas gegenteiliges ans Herz zu legen.
"In der Regel nicht. Ich benötige sie nicht." Zubeißen okay, das war immerhin noch ein Instinkt (und er konnte ziemlich fest zubeißen, wenn es darauf ankam). Aber Kauen? Fühlte sich nicht richtig an. Und schmecken taten ihm die meisten Nahrungsmittel auch nicht, nicht wirklich. Es war auch nicht unangenehm, schließlich würde er ansonsten auch keinen Alkohol zu sich nehen.
Welche Reaktion er mit der Offenbarung seines Alters hervorrief, ließ ihn fast schon ein wenig milde schmunzeln. Die Kinnlade klappte Chizuru zwar nur kurz herunter, aber sie tat es. Allerdings hatte sie (wie anhand ihrer Reaktion zu vermuten jedenfalls) wohl keine Vorstellung davon, dass 120 noch ein recht junges Alter für die meisten Vampire war. Die Untoten wurden ja in der Regel eh beliebig alt, solange sie nicht irgendwann erledigt wurden, aber auch seine Lebensspanne war beträchtlich, wenn man einmal berücksichtigte, dass beide seiner Eltern rund ein halbes Jahrtausend alt waren und sich äußerlich noch immer unterhalb oder um das 40. Lebensjahr herum bewegten. Sie konnten locker noch doppelt so alt werden, wenn sie dazu Lust hatten (und nicht vorher erledigt wurden, das galt natürlich auch hier).
"Um die tausend Jahre, wenn es gut läuft", ließ er Chizuru wissen, lächelte dabei noch immer, jetzt ein wenig amüsiert. Seine Miene wurde allerdings wieder ein wenig ernster, als sie ihm widersprach. Ein tieferer Ausdruck lag dabei in den blinden Augen. "Menschen leben schneller und intensiver als wir. Sie sind unbeständiger und daher flexibler. Sie können sich Veränderungen schneller anpassen und daher effektiver Nutzen aus Veränderungen ziehen, sich mit diesen arrangieren und sich daher mehr ihrem persönlichen Glück widmen. Natürlich ist dazu nicht jedes Individuum in der Lage, und natürlich spielt auch die Gesellschaft eine große Rolle. Aber ich bin mir sicher, dass Sie prozentual weniger Vampire als Menschen finden werden, die ein glückliches, erfülltes Leben führen, vielleicht mit einem Partner, eher selten mit Familie, wenn Familie das eigene Fleisch und Blut sein soll.
Nicht zuletzt... Denken wir sicherlich auch anders als Menschen."

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Re: Alles nur eine Frage der Technik!

Beitrag  Chizuru am Mo 21 Aug 2017 - 20:58

Auf die Schiene des großen Bruders oder gar Vaters rutschte er auch besser nicht ab. An den einen hatte sie keinerlei Erinnerung und an den Anderen wollte sie sich gar nicht erst erinnern. Zumal das Bild des "fürsorglichen" Bruders bei ihr auf eine andere Art und Weise erweitert wurde. Lieber keine Erinnerungen wecken. Ihr Arbeit würde schon nicht unter dem Mangel an Essen leiden, dafür würde sie sorgen. Bevor es dazu kam unterbrach sie ihre Arbeit lieber.
Er benötigte sie nicht und mochte sie nicht? Dass er nicht auf sie angewiesen war konnte sie durchaus noch nachvollziehen, aber waren die Geschmackssensoren so sensibel, dass sie diese Nahrungsmittel nicht ausstehen konnte? Waren sie nur auf Blut eingestellt? Was für eine traurige Vorstellung. Wobei der Gin in der Bar ja auch etwas Anderes war. Eine kurze Überlegung, bevor sie doch in ihrer Jackentasche herum kramte. Sie zog einen eingepackten Lolli hervor und streckte ihn Constantine entgegen. "Schonmal einen Lollipop probiert?" Kein sonderliches Nahrungsmittel, dafür etwas, das die junge Frau ihre Fassung wahren lies. Ein netter Bonus war natürlich der Geschmack, wobei sie darauf achtete, dass ihre Lollis keinen Zuckergehalt hatten, sonst müsste sie ja schon keine Zähne mehr im Mund haben.
Natürlich fand er ihre Reaktion lustig, es war immerhin etwas, das bei ihre aus der Reihe fiel. Sie zeigte selten Regung in ihrem Gesicht oder ihrer Stimme. Oft sogar sehr wenig in ihrer Körpersprache, da war das schon etwas Anderes. Ob er solche Reaktionen schon öfter bekommen hatte? Eigentlich unwichtig, aber man konnte sich schon vorstellen, dass es amüsant für ihn war. Tatsächlich hatte sie keine Vorstellung, sie wüsste nicht woher, aber sie gönnte ihm seinen Spaß daran. Lies ihn aber auch hier erst einmal wieder das Thema wechseln. Vermutlich hatten die Beiden relativ das selbe Problem, was nichts daran änderte, dass sie nun sogar ihre Beine an ihren Körper zog, was wie eine Schutzhaltung aussah. Ihr Kinn ruhte auf den Knien, während sie die Arme um die Beine schlang. Gut, dass sie so klein war so auf den Stuhl zu passen. Ihr Blick war eher an Constantines Brust gerutscht. "Denken Sie wirklich, dass es so einfach für uns ist? Ich beneide Sie um die Zeit, die sie haben. Ich wäre froh mir solche Veränderungen erst einmal ansehen zu können, mir die Zeit zu nehmen und nichts überstürzen zu müssen. Wissen Sie, dass viele Menschen in ein tiefes Loch fallen, wegen genau dieser schnellen Anpassung?" Ein Seufzen, sie wollte hier keineswegs einen Konkurrenzkampf aufstellen. Jede Rasse hatte mit Sicherheit ihre eigenen Probleme, von der die jeweils Andere nicht viel verstand. "Sicherlich werden Sie, wenn Sie es hoch rechnen auf dieses Ergebnis kommen, aber ist es nicht an jedem selbst das Beste aus seinem Leben zu machen? So, wie sie sich wundern, warum ich in meinem Alter bin, wie ich bin, so frage ich mich: Wenn sie schon 120 Jahre auf dieser Welt sind, warum sorgen Sie sich noch um solche Dinge? Wenn Sie wirklich eine Familie wollen, dann finden Sie jemanden, den Sie lieben können. Wenn Sie Erfolg haben wollen, dann sind Sie doch ganz offensichtlich schon auf dem richtigen Weg. Wenn Sie nach dem Glück und der Erfüllung in ihrem Leben suchen, wieso nehmen Sie sich dann nicht einfach die Zeit?" Ihr Kopf hob sich ein kleines Stück von ihren Knien, um ihren Blick wieder auf seine tiefroten Augen zu fixieren. "Sie haben viel Zeit, wieso Sie nicht nutzen, wie es Ihnen beliebt? Unsere Denkweisen sind eindeutig sehr unterschiedlich, aber ich verstehe nicht, wieso ein Vampir nicht dem nachgehen kann, was er gerne tut. Es funktioniert natürlich nicht immer in unserer Gesellschaft, auch nicht für einen Menschen, aber so schwer ist es nicht aus dem System auszubrechen und..." Womit sie sich selbst unterbrach. Sie war selbst der Meinung, dass sie gerade etwas zu sehr in die Tiefe ging. Also lies sie den Kopf wieder auf ihr Knie herab sinken und wandte den Blick von ihm ab.
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Re: Alles nur eine Frage der Technik!

Beitrag  Constantine am Mo 21 Aug 2017 - 21:34

Seine Aussage, er bedürfte Lebensmittel nicht, schien Chizuru nicht davon abzuhalten, ihm einen Lolli andrehen zu wollen. Zumindest hatte sie einen Moment später schon einen gezückt und hielt ihn ihm unter die Nase. Der süße Duft künstlicher Stoffe kroch ihm in die Nase. Niemand konnte ihm erzählen, dass Lollis besonders viel Naturprodukt enthielten, ob nun mit oder ohne Zucker. "Oh, nein danke. Wenn, dann lieber herb oder salzig." Ein Blutlolli! - Nein, auch den würde er sich eher weniger in den Mund stecken. Vielleicht auch einfach nicht sein Stil.
"Ja, denke ich", sagte er schlicht bei ihrer Frage und hob abermals die Schultern. Vermutlich war er nicht wirklich in der Lage dazu, das Leben eines Menschen beurteilen zu können - aber er hatte schon das Leben mehrerer Menschen beobachtet als Chizuru das Leben mehrerer Vampire. Dementsprechend erlaubte er sich das Urteil vielleicht auch, ob es nun richtig war oder nicht. Das spielte für ihn auch keine große Rolle. Im Endeffekt beneidete er die Menschen nicht wirklich. Das hatte er nie behauptet. "Und ja, natürlich ist jeder am Ende des Tages selbst für sein Glück verantwortlich, aber ich habe nie gesagt, dass ich mit meinem Leben unzufrieden bin." Er fasste Chizuru "ins Auge". "Mir reicht, was ich habe, auch wenn ich nicht weiß, wie lange es der Fall bleiben wird. Ich sorge mich nicht, es ist einfach der Eindruck, den ich dadurch gewonnen habe, dass ich so lange meine Zeit auch unter Menschen verbracht habe."
Er seufzte leicht und lehnte sich etwas bequemer in seinem Stuhl zurück, streckte den Rücken durch und ließ den Kopf in den Nacken sinken. "Ich habe die Zeit, und ich suche kein Glück. Ich lebe vor mich hin und fahre bisher ganz gut damit." Er breitete die Arme ein wenig aus, hob den Kopf dann wieder. "Ich vermisse nichts."
Genaugenommen war das genauso etwas Positives wie Negatives. Es war gut, dass er nichts vermisste, oder etwa nicht? Er hatte alles und sehnte sich nicht nach mehr. Auf der anderen Seite wusste er nicht, wie die Erfüllung sich anfühlte, etwas zu bekommen, das man sich sehr wünschte. Vielleicht auch nur noch nicht, man wusste nie. Die einzige Erfüllung, die er kannte, war, hin und wieder stärkeren Durst zu stillen und das Gefühl zu genießen, das er dabei verspürte. Und vielleicht noch Sex. Aber das war nicht dasselbe, denn für ihn war beides meist nur die Befriedigung eines Bedürfnisses. Mehr nicht. Natürlich konnte es sich besser oder weniger toll anfühlen, aber...

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Re: Alles nur eine Frage der Technik!

Beitrag  Chizuru am Mo 21 Aug 2017 - 21:59

Lollis waren also auch nicht sein Ding - mehr für Chizuru, die ihn, nach einem Schulter zucken, wieder in ihre Tasche rutschen lies. Auch wenn der Gedanke an einen "Blutlolli" durchaus interessant war, würde man diesen wohl kaum herstellen. Er sagte aber auch ganz deutlich, dass er von Süßem nicht sonderlich viel hielt. Da musste man sich schon überlegen, was er dann überhaupt mochte, außer Blut.
Zu Allem, was er gerade so von sich gab, schwieg sie erst einmal. Sie konnte seine Ansicht nicht verstehen. Es war nicht so einfach einen Menschen zu beurteilen, genauso wenig, wie sie einen Vampir beurteilen konnte. Jede Person war immerhin ein Individuum, doch er war scheinbar der Meinung, dass er schon oft genug das Gleiche gesehen hatte. Er schien genauso sorglos zu sein, wie die Bewegung seiner Arme, er schien sich einfach vom Leben treiben zu lassen. Verlor man dann nicht auch den Sinn seines eigenen Lebens? Hatte es überhaupt einen? Wo war das Ziel? Gab es denn nach 120 Jahren nichts mehr, dass er erreichen wollte? Mal abgesehen von seinem Augenlicht. Dennoch hielt sie ihren Blick weiter abgewandt, bei diesem Thema würden sie wohl kaum auf einen Nenner kommen. "Ist das, was Sie als glücklich erachten? Ihnen mangelt es an nichts, unternehmen, was immer das Leben Ihnen gerade hin wirft und akzeptieren es. Haben sie kein größeres Ziel vor Augen? Etwas, das nur ganz allein für Sie da ist? Ich will Ihnen nicht zu nahe treten." Langsam lies sie die Füße wieder Richtung Boden fallen, versenkte die Arme unter den Oberschenkeln und beugte sich etwas nach vorne. "Trotzdem glaube ich, dass auch Ihnen etwas in Ihrem Leben fehlt. Es mag für den Moment in Ordnung sein, wie es ist, doch was ist, wenn Sie eines Tages aufwachen und feststellen, dass dem nicht so ist? Haben Sie nie über die Konsequenzen nach gedacht?" Vielleicht musste das ein Vampir nicht. Ein Mensch hingegen war dazu gezwungen. "Auch wenn es für Sie unlogisch klingt, aufgrund meiner Art, aber sogar ich habe etwas, für das ich alles geben würde. Niemand sagt, dass das eine andere Person sein muss. Wenn Sie schon immer so gelebt haben... Wieso versuchen Sie nicht einmal etwas Anderes? Wird es Ihnen nicht zu langweilig?" Mit etwas Anderes probieren war nicht unbedingt gemeint, dass er sich verlieben oder seinen Job an den Nagel hängen sollte. Im Gegenteil, eigentlich war sie tatsächlich der Meinung, dass es langweilig werden konnte. Wollte er wirklich Ewigkeiten so weiter machen? Nur Bedürfnisse zu befriedigen war wie... Nie richtig gelebt zu haben. Wo war der Spaß? Wo war das Risiko? So konnte sie ihm wirklich nicht folgen.
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Re: Alles nur eine Frage der Technik!

Beitrag  Constantine am Di 22 Aug 2017 - 7:35

Er hob die Augenbrauen bei ihrer Frage, weil Chizuru ihn ein wenig verwirrte. „Nein. Aber ich strebe auch nicht nach Glück“, antwortete er zunächst schlicht und ließ den Kopf etwas zur Seite fallen, was seiner Körperhaltung (er hatte die Arme wieder sinken lassen) und seinem Gesicht einen etwas berechnenden Ausdruck verlieh. Es war schon ein wenig seltsam, hier mit ihr zu sitzen und von geschäftlichen Themen auf diese tiefgründigen Gespräche zu kommen. Nicht unangenehm, auch wenn es Constantine nicht sehr sinnvoll erschien, mit einem komplett anders lebenden und anders denkenden Geschöpf über derartiges zu sprechen, weil sie kaum eine gemeinsame Ansicht vertreten würden.
In gewisser Hinsicht hatte Chizuru aber natürlich recht. Es gab einige Dinge im Leben, die er hätte ändern können und damit am Ende vielleicht noch ein wenig zufriedener gewesen wäre. Zu einem großen Teil war auch Constantines Einstellung und sein Verhältnis zu anderen Personen ausschlaggeben dafür, dass er der Ansicht war, nichts von dem zu benötigen, was sie ansprach. Sie stellte zwar klar, dass sie nicht unbedingt eine andere Person meinte, die in seinem Leben fehlte, aber vermutlich war es doch genau eine solche. Ein enger Freund oder jemand, dem er vertraute und bereit dazu war, alles mit ihm zu teilen. Vielleicht auch jemand, den er wirklich liebte. Denn so jemanden hatte es (zumindest seiner Ansicht nach) nie gegeben. Also fehlte ihm das vielleicht schon irgendwie - aber er vermisste es eben nicht, weil er es nicht anders kannte.
Und nicht, dass er sich über diese Umstände selbst bewusst gewesen wäre.
„Sie scheinen mich ja sehr gut zu kennen“, meinte er stirnrunzelnd, als sie geendet hatte, doch diese Aussage war kaum ernst gemeint. Sie kannte ihn natürlich fast überhaupt nicht, sie konnte nicht beurteilen, ob ihm etwas fehlte (und das war seine subjektive Ansicht). Von dem bisschen, was er über sich erzählt hatte, jedenfalls nicht, und mit ihren Aussagen hängte sie sich ganz schön weit aus dem Fenster. Im Gegensatz zu Chizuru hatte Constantine sich jedenfalls allgemein gefasst und sich nicht auf sie bezogen. Genauso wie er nicht behauptet hatte, von ihr zu erwarten, dass sie wie andere junge Leute in ihrem Alter leben sollte. Er hatte sich lediglich darüber gewundert, dass sie es nicht tat. Offensichtlich.
„Vielleicht sind wir nicht dafür gemacht, Chizuru.“ Sie hatte sich wieder normaler hingesetzt; er lehnte sich etwas zu ihr vor und lächelte leicht. Dann winkte er ab. „Aber mal davon abgesehen ist es ja nicht so, als würde ich jeden Tag und jedes Jahr dasselbe tun, nicht wahr? Ich habe schon viel ausprobiert und hinter mir, also keine Sorge. Ich langweile mich nicht gern. Und ob Sie es glauben oder nicht, aber ich habe schon einige Ziele in meinem Leben erreicht, tatsächlich, ja. Zur Zeit, hmm…“ Er setzte sich wieder auf und ließ den Blick ziellos durch den Raum schweifen. Dann stockte er leicht, und sein Blick richtete sich wieder in Chizurus Gesicht. „Vielleicht haben Sie es noch nicht bemerkt. Aber mir liegt sehr viel daran, mein Augenlicht zurückzuerhalten. Sehen ist eine Fähigkeit, die ich vermisse." Natürlich war es nicht das, was man mit „im Leben fehlt etwas“ meinte, und unter dem Aspekt hatte er es auch nicht ausgesprochen. Aber wenn sie von Zielen sprach, passte das hier natürlich schon.
„Was ist Ihr Ziel?“ Wenn sie der Ansicht war, Ziele im Leben seien wichtig, musste sie ja selbst ebenfalls welche haben, nicht wahr?

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Re: Alles nur eine Frage der Technik!

Beitrag  Chizuru am Di 22 Aug 2017 - 9:55

Das war sicher kein Thema, das geplant gewesen war. Wie sich solche Gespräche immer aus anderen Themen entwickeln, war es auch hier geschehen. Warum sie aber nun wirklich so in die Tiefe gingen war auch Chizuru nicht bewusst. Vielleicht war es auch einfach mal interessant zu hören wie die Ansichten eines völlig anders lebenden Wesens waren. Auf einen Nenner würden diese Beiden jedoch vermutlich nie kommen. Zu sehr unterschieden sich ihre Welten, auch wenn es Chizuru vielleicht nicht bewusst war. Doch ihr erschloss einfach nicht warum er selbst nicht nach seinem eigenen Glück strebte. War es ihm egal? Sie sah ihn nur eine Weile an, was sollte man darauf antworten? Es war seine Ansicht, nicht ihre. Er musste damit leben, nicht sie und das hatte sie zu akzeptieren, nicht dass sie sich generell hatte einmischen wollen. Sie war lediglich neugierig gewesen.
Wenn er keine Ahnung hatte, wie es sich anfühlte einen Freund zu haben, wie wollte er dann wissen, was für ein Gefühl es war? Sich vollkommen auf jemanden verlassen zu können, immer auf den Anderen zählen konnte, alles mit ihm teilte. Wenn so darüber nachdachte, konnte der Vampir einem wirklich leid tun, aber was er nicht kannte, konnte er auch nicht vermissen. Zugegeben, dann war es so mit Sicherheit auch besser. Wieder dieses Stirnrunzeln, was zu einer erneuten Glättung durch Chizuru führte. Er machte sie damit noch wahnsinnig. Sie mochte eine steife Miene haben, hieß aber nicht, dass sie im Inneren nicht ihre Gefühle auslebte und ihr Körper oft instinktiv handelte, obwohl sie stark versuchte diesen Drang zu unterdrücken. "Ich habe keine Ahnung wer Sie sind. Ich habe lediglich versucht Ihre Ansichten zu verstehen. Man kann aber niemanden verstehen, wenn man sich nicht darüber unterhält." Womit sie nicht ganz unrecht hatte, dennoch konnte man das auch auf eine andere Art und Weise unternehmen. Es machte für sie keinen Sinn sich zu verallgemeinern, wie er es tat. Den einzigen Vampir, den sie je getroffen hatte, war der vor ihr. Wie sollte sie einen Vergleich anstellen? Sie war auf seine Informationen angewiesen und konnte also auch nur über ihn spekulieren. Nicht dass sie irgendetwas persönlich meinte oder ihm dabei zu Nahe treten wollte, obwohl dieses Thema wohl doch etwas zu nah war. Sogar ihr war es aufgefallen, doch was sie interessierte, musste sie auch ordentlich ausdiskutieren, sofern man ihr keinen Riegel vor schob.
Langweilig war ihm also laut seiner Aussage nicht, was auch sie dazu veranlasste sich wieder zurück zu lehnen. Sie musterte ihn eine Weile, während er ihr erklärte, dass er so seine ganze eigenen Ziele hatte und auch die Art sein Leben zu leben. Ein kurzes Nicken auf seine Aussage: klang logisch, kein Grund weiter darüber zu diskutieren. Wie sonst hätte er an die Spitze dieser Firma gelangen sollen? Man konnte auch nicht erwarten, dass er 120 Jahre lang nur blöd in der Gegend herum saß und alles nahm, wie es kam, ein Bisschen Eigeninitiative gehörte da schon dazu.
Doch nun schien auch er einige Zeit zu brauchen, um eine Antwort zu finden. Dieses Gesicht kannte Chizuru, auch Menschen taten es, wenn sie nach dachten. Der Blick wanderte, ohne Ziel, durch den Raum, die Augen fixierten hier und da mal ein Objekt. Wie gerne sie gerade gelacht hätte, ihre Psyche hinderte sie daran, aber da hatten die Beiden immerhin eine Gemeinsamkeit. Da kam seine Antwort also. Als Kind konnte man von ihr nun ein warmes ermunterndes Lächeln erwarten, heute blieb ihr Gesicht still, doch die Antwort war die Selbe. "Verständlich. Nichts, was sie alleine erreichen können, also werde ich weiterhin tun was ich kann." Naja... Es war ein Ziel, egal wie man es drehte und wendete. Vielleicht war es auch emotional wichtig geworden, nicht nur weil es praktisch war. Es war eben etwas anderes, ob man von Anfang an blind auf die Welt kam oder erst später sein Augenlicht verlor. So gesehen gab es also etwas, das er, mehr oder minder, vermisste.
Ohje... Die Frage, damit hatte er einen Nerv getroffen, daran war sie aber selbst Schuld. Es war eine logische Folgerung, dass er sie das fragen würde, immerhin hatte sie auch nach seinem gefragt. So sackte sie etwas in ihrem Stuhl nach unten. "Kommt darauf an in welchen Teil meines Lebens man schauen möchte." Den Teil suchte sie sich in diesem Fall lieber selbst aus, denn Chizuru hatte mehrere Ziele. "Das Wichtigste habe ich bereits erreicht, als Nächstes und Nächstliegendstes wäre wohl die Arbeit an mir selbst. Es ist einfach seine Gefühle aufzugeben und sie einzuschließen, aber schwer sie wieder hervor zu holen. So gesehen können sie sagen, dass ich wohl daran arbeiten werde wieder einen Ausdruck in mein Gesicht zu bringen." Womit sie wohl klar stellte, dass sie nicht immer so war. Für sie ein ziemlich wichtiges Ziel, es war schwer geworden Verbündete zu finden oder Leute, die einem vertrauten, was gerade für die Jagd wichtig war. Allerdings wohl auch eine Mammutaufgabe.
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Re: Alles nur eine Frage der Technik!

Beitrag  Constantine am Di 22 Aug 2017 - 11:30

Er zuckte diesmal ganz leicht zusammen, als Chizuru ihn im Gesicht berührte, weil sie diesmal mutiger schien und nicht zögerte, sodass die Geste etwas unerwartet für ihn kam. Er entzog sich ihr aber nicht. Warum genau sie es tat, wusste er allerdings nicht, die Stirn in zumindest leichte Falten zu legen, war für ihn ein alltäglicher Ausdruck von Skepsis, Zweifel, Überraschung oder hin und wieder auch Verärgerung, nicht nur Sorge. Aber da er anhand ihrer stoischen Sprache vermutete, dass ihr Gesicht ähnlich wenig Emotionen zeigte, wusste sie vielleicht auch einfach nicht so viel damit anzufangen oder interpretierte es falsch. Oder sie mochte es einfach nicht, konnte sein. Vielleicht sollte er sich in ihrer Gegenwart trotzdem angewöhnen, nicht die Stirn zu runzeln, wenn er nicht wollte, dass sie sich dazu verpflichtet fühlte, sie ihm wieder zu glätten. Nicht, dass er etwas gegen ihre Berührung hätte, aber es war ein wenig seltsam.
Dass er nach ihrem Handgelenk griff und es kurz locker zwischen den Fingern hielt, hatte jedenfalls nichts mit Ablehnung zu tun, und so wirkte es auch nicht, als er ihre Hand senkte und sie dann wieder fahren ließ. Das verriet auch der etwas nachdenkliche Ausdruck, der auf seine Züge getreten war.
„Das stimmt“, erwiderte er und ließ beide Hände in den Schoß sinken, sodass sie sich  bei seinen Knien zwischen seinen Beinen befanden und er sich hinunter auf die Ellbogen stützen konnte. „Ich erwarte auch nicht von Ihnen, dass Sie mich verstehen. Aber schön, dass Sie es versuchen.“ Nein, wirklich, das war nicht dahingesagt. Er hatte besseres zu tun als den Leuten Honig ums Maul zu schmieren.
Auch das Lächeln war nicht aufgesetzt, das er ihr schenkte, als Chizuru versprach, ihm weiterhin dabei zu helfen, sein Augenlicht zurückzuerlangen. Schon irgendwie niedlich, auch wenn sie nicht gerade die tiefste Inbrunst in ihre Stimme legte, aber das kannte er ja nun. Es war recht deutlich und weder berechnend, noch sonst irgendetwas in der Richtung, sondern ehrlich und freundlich. Nur sagen tat er nichts dazu. Mit ihren Gedanken hatte sie nicht Unrecht. Eine Wahrnehmungssinn zu verlieren, hatte mit Sicherheit in den allermeisten Fällen psychologische Konsequenzen – und dementsprechend auch emotional bedingte. Mit der Blindheit hingen viele weitere Faktoren zusammen. Sie hatte vieles verändert und für einen Bruch mit seinem Leben zuvor gesorgt. Einen Bruch mit der Familie, einen Bruch mit Zielen und Absichten, hatte Abneigungen hervorgeholt und dafür Zuneigungen irgendwo in seinem Bewusstsein in eine Ecke gedrückt, wo sie verkümmerten. Oder vielleicht auch einfach nur vergessen worden waren. Eine Schutzreaktion, die er vielleicht erahnt hätte, wenn man ihn damit konfrontierte. Aber die Personen, die davon hätten wissen können, existierten in seinem aktuellen Leben nicht mehr. Oder zumindest sollten sie es nicht.
Eine von ihnen hatte ja leider erst kürzlich ihren filmreifen Auftritt hingelegt und ihm gründlich die Laune verdorben.
Als Chizuru ihm von ihrem nächsten Ziel berichtete, überraschte ihn das ein wenig. Oder – tat es das? Nun, auf der einen Seite deshalb, weil ihr Verhalten sicherlich ein Schutzverhalten war, das irgendwo in ihrer Vergangenheit bedingt worden war. Normalerweise wurde man nicht freiwillig so. Auf der anderen Seite war es gerade deshalb wohl auch gar nicht so verwunderlich, dass man diese Dinge wieder ablegen und somit abschließen wollte. Constantine schmunzelte (und sie hatte ihm gerade bestätigt, dass ihr Gesicht tatsächlich wenig Emotionen zeigte). „Versuchen Sie mal ein Stirnrunzeln“, schlug er vor und legte abermals die Stirn in Falten. Diesmal mit Absicht. „Oder mit einem Lächeln.“ Auch das zeigte er ihr absichtlich. „Ist nicht schwer. Es spielt wahrscheinlich in den meisten Fällen nicht mal eine Rolle, ob es echt ist. Selbst ein aufgesetztes Lächeln setzt Dopamin frei.“

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