Ein Tag im Jahre 1990

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Ein Tag im Jahre 1990

Beitrag  Alexis am Do 2 Feb 2017 - 19:43

Das Leben hält immer wieder Überraschungen bereit. Manchmal erfreuliche, manchmal weniger erfreuliche.
Leider musste man sagen, dass es in Alexis' Fall die meiste Zeit und nicht nur manchmal weniger erfreuliche bis unerfreuliche Überraschungen waren.
Dies hier war zu einem Zeitpunkt in seinem Leben geschehen, zu dem er mehr noch als ohnehin schon allein vor sich her existiert hatte. Nachdem ein Großteil des Anwesens in der Coronation Street niedergebrannt war und die Familie Dr. Parsley damit beschäftigt gewesen war, es wieder zu errichten. Bevor Julia Parsley gestorben war. Und lange bevor er Claudius kennen gelernt hatte.
Nun ja, so lange war es vielleicht gar nicht her. Nicht nach seinen Maßstäben jedenfalls, das nicht. Siebenundzwanzig Jahre. Man schrieb das Jahr 1990...

Bereits damals trug Alexis an seinen Fingern insgesamt vier Ringe. Rechts in der Mitte einen Siegelring. Links in der Mitte einen weiteren. Ebenjenes Siegel, das schon vor Jahren zu einer Art Pflicht für ihn geworden war, denn es band seit jeher sein Wesen und machte seine Präsenz und Aura für andere seiner Art als diejenigen eines Dämons unerkennbar. Nun, zumindest dann, wenn sie nicht nah an ihn heran kamen oder er sich ihnen gegenüber zu erkennen gab. Ganz besonders wichtig war es, um zu verhindern, dass Höllendämonen auf ihn und die in ihm ruhende Kraft aufmerksam wurden.
Denn die Kraft eines Inkubuskindes war unter ihnen begehrt. Zumindest, wenn ein Inkubus der Art der Vater war, der Alexis' Vater angehört hatte. Sie konnten das spüren.
Was irdische Dämonen betraf - oder jene, die trotz höllischer Vorfahren nie die Hölle selbst gesehen hatten -, so blieb ihnen die Erkenntnis über Alexis' konkrete Abstammung verborgen. Doch ohne das Siegel sprang seine Aura auch sie geradezu an. Und machte sie aufmerksam und interessiert. Mal davon abgesehen, dass er rein äußerlich betrachtet ohnehin schon viel Aufmerksamkeit bekam. Und ohnehin schon auf andere Personen eine gewisse Anziehungskraft ausübte, egal ob Mann oder Frau.
Und gleichzeitig diese Präsenz verströmte, die sein Auftreten gewichtig und respekteinflößend machte, sodass man nicht gleich anhänglich wurde, sondern lieber nur guckte. Oder die mancheinen, der allzu neidisch war oder sich im Älterenrecht sah, auch einfach gegen ihn aufbrachte.
Damals, so ganz ohne Internet, war es äußerst schwierig, dringende Einkäufe zu erledigen, ohne das Haus zu verlassen, wenn man keinen persönlichen Angestellten hatte, der alles für einen besorgte. Und zu dieser Zeit - im Frühling, bei Sonnenschein und dem Hauch von Wärme - lebte Alexis ganz allein.
Und musste daher sämtliche Besorgungen selbst erledigen. Ein leidliches Thema, wenn es um Kleidung ging. Besonders dann sogar. Und besonders dann, wenn der Ring am linken Mittelfinger schon so dunkel und angelaufen war, dass man meinen könnte, er sei mit Ruß behaftet. Noch funktionierte das Siegel, doch er wusste, dass es dringend erneuert werden musste oder ansonsten nicht mehr lange vorhanden sein würde.
Er hielt sich in einer der zahlreichen kleineren Fußgängerzonen des damaligen Capital Citys auf. In einer der wenig zahlreichen teureren Fußgängerzonen. An einem sonnigen Frühlingsdonnerstagmorgen, um dem nachmittäglichen oder wochenendlichen Gedränge zu entgehen.

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Re: Ein Tag im Jahre 1990

Beitrag  Lilith am Do 2 Feb 2017 - 21:15

(War noch mit Meph posten :D)

Die damalige Zeit, war für eine Person wie Lilith wohl kaum eine andere. Früher trug sie das gleiche Leid in sich, dass sie heute auch nocht trägt. Sie trug die gleichen Klamotten, natürlich nur von einer anderen Marke; vollführte die gleichen Aufträge und verfolgte noch immer das gleiche Ziel. Es hatte sich in Siebenundzwanzig Jahren kaum etwas verändert. Etwas worauf man wohl nicht stolz sein sollte, doch zählte sie die Jahre sowieso nicht.
Wenn man sie sich genauer anschaute, dann konnte man jedoch die kleineren Merkmale erkennen, die die "jüngere" Lilith an sich trug. Ein dickerer Rucksack, ein grimmigeres Gesicht und vor allem: ein Gefühl der Sicherheit. Sie war skrupelloser, einfacher und hatte sich sogar teilweise an das Leben in dieser Stadt gewöhnt. Ihr bester Freund war jemand, der leider nicht mehr lange lebte. Der Vater ihres späteren Geschäftspartners, Leon, lebte zu dieser Zeit noch und dieser hatte das dumpfe Ziel, sich mit einer Bande anzulegen, welche später das Leben von Lilith eindeutig schwieriger machte. Der größte Bauer, wie Lilith ihn gerne bezeichnete, wurde später zu ihrer größten Nervensäge. Wie man sich nun denken konnte: Der Vater hatte es nicht geschafft, sich mit diesen Personen anzulegen. Doch die "jüngere" Lilith interessierte sich nicht dafür. Sie wollte nur das Geld, die Informationen und ein wenig hier und dort etwas kaputt machen.
So war ihr Leben vor guten siebenundzwanzig Jahren. Sie versteckte sich nicht. Sie wollte natürlich auch niemanden beschützen, außer sich selbst. Später hatte sie da doch noch Personen, die beschützt werden mussten. Deswegen war es auch nicht sonderlich verwunderlich, wenn man sie mitten in Capital City antreffen würde.

Der Frühling war über Capital City hereingebrochen, was bedeutet, dass das Mädchen komplett komisch wirkte, wenn sie mit ihrer relativ kurzen Kleidung im tiefsten Winter herumstolzierte. Auffällig war es ja noch immer, denn wirklich vor der Kälte war sie nicht geschützt. Ein paar ältere Damen schauten sie entgeistert an, hielten sie wohl, dank ihres jungen Aussehens, für eine einfältige Jugendliche, die sich erkälten wollte. Irgendwie musste man ja auch der Schule ausweichen. Doch solche Blicke ignorierte das Mädchen. Sie stolzierte lieber durch die Straßen, hielt ihren grimmigen Blick aufrecht und hoffte das ihr entgegenkommende Personen einfach so aus dem Weg gingen. Sie hatte wichtiges zu tun, denn wie hatte ihr viel zu dickes Notizbuch ausgepackt, mit der Seite ihrer derzeitigen Ziele aufgeschlagen. Oberstes Ziel war noch immer ihre Familie, doch war dies Omnipräsent, weshalb sie darauf im Moment nicht achtete. Die unteren Stichpunkte waren die Ziele, welche sie sich gesetzt hatte oder welche man ihr aufgetragen hatte. Da sie gerade von einem wichtigen Treffen mit Leon's Vater wieder kam, war heute erst ein weiterer Punkt dazu gekommen. Es ging nur wieder um eine Lieferung, welche sabotiert werden musste. Ihr Interesse lag nicht in der Beschreibung, sondern nur in dem was sie bekam. Leon selbst, welcher zu diesem Zeitpunkt nur gute 16 Jahre alt war, gab Lilith ein anderes Ziel für heute. Er kommentierte ihren Kleidungsstil, fragte weshalb sie immer in dieser relativ ausgelaugten Kleidung herum lief. Mit ihren Stiefeln, welche sie zu dieser Zeit trug, hätte sie den Jungen gerne für so einen Kommentar getretten, doch unterließ sie es. Vor allem weil sie glaubte, dass dieser jugendliche Liebesgefühle für das Mädchen hegte. Einfältiger Narr.
Doch ließ sich Lilith leider von diesem Kommentar etwas beeinflussen, weshalb sie als weiteren Punkt auf der Liste "Neue NÜTZLICHE Klamotten" aufschrieb. Nützlich war ein wichtiger Punkt. Nur damit sie gut aussah, dafür brauchte sie keine Klamotten. Es musste schon einen Sinn haben. Zum Beispiel durfte die Kleidung sie nicht behindern. Sie durfte aber auch nicht zu sehr auffallen, denn wenn sie mal ihre Ruhe haben wollte, dann mussten die ganzen Typen nicht unbedingt sehen wo sie sich befand. Diese ganzen pinken, gelben und sonstigen Farben für Klamotten waren alle nur nervig. Schwarz war eine vernünftige Farbe. Schwarz fiel nicht auf, sondern man verschwand einfach in der Masse. Natürlich gefiel ihr trotzdem die Farbe grün noch, doch trug sie diese wenn dann eher in der Natur. Machte schon irgendwie Sinn.
Da Lilith lieber in ihr dickes Notizbuch starrte, da es noch keine richtigen Datenspeichergeräte gab musste sie natürlich alle ihre Informationen woanders speichern, und nicht auf den Weg achtete, verirrte sie sich in eine Straße, welche sie sonst mied. Eine Straße, welche wohl eher für Leute war, die auch das Geld für Dinge hatte, die man hier kaufen konnte. Klamotten für Bürger, die sich für etwas besseres hielten. Zumindest solange sie das Geld hatten, denn an einem anderen Tag hätte das Mädchen wohl genau aus dieser Straße, oder eher Nebengasse, jemanden den Geldbeutel geklaut. Ohne Geld waren sie dann plötzlich total aufgeschmissen und riefen die Polizei, die dann jedoch Probleme damit hatte, ein getarntes Mädchen zu finden. Doch nun bog sie einfach nur falsch ab, kam in eine relativ leere Straße, war ja auch unter der Woche, und stolzierte weiter vor sich hin. Die Leute würden ihr natürlich schon ausweichen, denn Lilith selber würde nicht ausweichen und bis jetzt funktionierte das auch immer. Sie stieß eigentlich noch nie mit jemanden zusammen. Sie wusste ja noch nicht einmal, dass sie sich auf dem gleichen Weg befand, wie so ein anderer Kerl, welcher in ihre Richtung lief. Der würde aber bestimmt auch ausweichen. Hoffentlich.

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Re: Ein Tag im Jahre 1990

Beitrag  Alexis am Fr 3 Feb 2017 - 10:43

(xD richtiges Inplay geht ja auch vor x3)

Schwarz war ein gutes Stichwort.
Alexis trug auch schon zur damaligen Zeit – nun, eigentlich schon immer – eher dunkle Farben, und das lag sicherlich nicht daran, dass ihm helle oder bunte Kleidung nicht stand. Nun gut, man konnte sich darüber streiten, ob er mit der hellen Hautfarbe ein kräftiges Rot oder Gelb tragen sollte, aber dunkel war eben gleichzusetzen mit unauffällig. Und genau darauf kam es an.
Im Gegensatz zu Lilith trug er – natürlich – lange Kleidung und sogar noch einen relativ warmen schwarzen Mantel darüber. Einem aktuellen Kleidungsstil war er dabei nicht angepasst. Er trug grundsätzlich zeitlose, feine Kleidung. Und freizügig war er schon gar nicht.
Da er nur ein Portmonee bei sich hatte, das sich gut verstaut in einer Innentasche des Mantels befand, lenkte ihn nichts in seinen Händen von der Umgebung ab. Überhaupt mied er es, kopflos oder beschäftigt durch eine Straße zu laufen, was daran lag, dass er darum bemüht war, Blicke zu ignorieren, Leuten aus dem Weg zu gehen und möglichst jeden überflüssigen Kontakt zu vermeiden. Deshalb wäre er dem Mädchen, das in die entgegengesetzte Richtung unterwegs war, schon auf dreißig Meter ausgewichen – also, er hätte einen etwas anderen Kurs eingeschlagen, um dann die dreißig Meter später nicht dicht an ihr vorbeizugehen -, doch dadurch, dass sie gerade erst aus einer Seitenstraße kam und ohne Rücksicht auf Verluste auf ihn zusteuerte, verzögerten seine Schritte sich für einen kurzen Augenblick, ehe er zur Seite auswich.
Erst jetzt, wo er mit der jungen Frau auf einer Höhe war, fiel ihm auf, dass sie keineswegs so menschlich war, wie sie aussah. Auch, wenn sein Wahrnehmungsvermögen durch das Siegel genauso eingeschränkt wurde wie es seine eigene Präsenz verbarg, erkannte er ein dämonisches Wesen doch, wenn er ihm nahe genug war. Und es lenkte ihn nun doch weit genug ab – was normalerweise nicht passiert wäre -, dass er den Kopf zur Seite drehte und die Bewegungen des Mädchens noch einen Augenblick länger verfolgte, im Grunde ohne ihr nachzusehen. Unbewusst jedoch wich er dabei noch ein Stück weiter zu der anderen Seite aus und wurde prompt von jemandem angerempelt, der ein kleines Stück hinter ihm gegangen und zuvor seinerseits Lilith ausgewichen war.
Dieser Jemand – ein Jugendlicher mit dem Aussehen eines jungen Erwachsenen – hatte ihn seinerseits angerempelt, weil er dem Mädchen in seiner knappen Kleidung nachgesehen hatte.
Aber natürlich war Alexis Schuld.
„Mann, ey, pass doch auf!“, murrte der Jugendliche, so laut, dass es erstens nicht in diese Einkaufsstraße passte und zweitens offensichtlich dazu gedacht war, auch von anderen, in diesem Falle dem eigentlich unbeteiligten Mädchen gehört zu werden. Es sah erst so aus, als sollte es bei der kleinen Pöbelei bleiben, denn der Jugendliche drehte sich nur im Weitergehen zu ihm um und schaute böse drein; sein Blick glitt dabei zu Lilith, als wollte er sicher gehen, dass sie das ganze auch ja mitbekam. Doch als er bemerkte, dass Alexis sich gar nicht damit aufhielt, ihn anzusehen, und sein Augenmerk an seinen Zügen hängen blieb, verlangsamte er seine Schritte und blieb vor ihm stehen. „Was?“, fragte der Jugendliche provokant und dabei ziemlich aufdringlich auf einem Kaugummi herumkauend.
Während sein Auftreten nicht hierher passte, tat es seine Kleidung schon. Vielleicht ein Sohn neureicher Eltern, der es nicht für nötig erachtete, im Schulunterricht zu sitzen. Er trug Markenkleidung, die brandneu aussah.
Da er ihm in den Weg gerückt war, blieb Alexis nichts anderes übrig, als stehenzubleiben.
„Wie wär’s mit ‘ner Entschuldigung? Oder hältste dich für was besseres, huh?“ Die Stimme des Jugendlichen blieb auch weiterhin gehoben, und er musterte Alexis mit gehobener Augenbraue von oben bis unten, dabei geringschätzig tuend, im Endeffekt wohl aber genau wissend, dass er nicht mithalten konnte. Sein Blick blieb letztlich an den rubinroten Augen hängen, die sich noch immer nicht auf ihn gerichtet hatten.

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Re: Ein Tag im Jahre 1990

Beitrag  Lilith am Fr 3 Feb 2017 - 17:39

Wie Lilith es sich schon dachte, wichen ihr alle Personen aus, die geradewegs auf sie zuliefen, weshalb sie sich keine Gedanken darüber machen musste, wo ihre Füße sie hin brachten. Natürlich war dies nicht vollends angebracht, wenn immerhin kam sie dadurch erst in eine Straße, zu welcher sie nicht passte. Abschätzige Blicke waren hier wohl angebracht, doch wie auch bei den alten Damen, die sich für etwas besseres hielten, interessierte sich das Mädchen nicht dafür. Die Dämonin hatte andere Sorgen, denn ihre nervige Aufgabe, nicht das sabotieren sondern die Klamotten, ließen sie zu viel nachdenken. Das der junge Leon wohl auf sie stand, war jedoch nicht der Grund, weshalb sie sich so viele Gedanken darüber machte. Eher war es für sie so nervig, weil sie dann erstmal einen Laden finden musste, der auch wirklich nützliche Kleidung verkaufen würde und keine Trendsachen. War es denn so schwer mal einfache Kleidung zu verkaufen oder musst es immer mit irgendeinem schlechten Schnitt oder einem dämlichen Motiv verkauft werden?
Dies waren jedoch ihre letzen Gedanken, die sie über dieses Thema bringen konnte, denn ein lautes Geräusch, eine Stimme, unterbrach ihre Gedanken. Genervt schaute sie auf und merkte dann erst, wo sie sich überhaupt befand. Ihre Augen weiteten sich für einen kurzen Moment, als sie genau in die Augen eines älteren Hernn blickte, der sie etwas abschätzig anschaute und dann an ihr vorbei einfach weiter lief. Ob es wohl seine Stimme war? Nein, die Stimme die sie hörte war von einer jüngeren Person. Das zuvor zwei Kerle, einer in Markenklamotten der andere in einem langen Mantel, an ihr vorbeilief, hatte sie natürlich nicht gemerkt, weshalb sie sich erst nach einem kurzen Moment mit einem genervten schiefen Blick umdrehte. Erblicken konnte die Dämonin zwei Männer, welche wohl vorher noch irgendwie gegeneinander gestoßen sind. Der eine schien etwas unbeteiligt zu sein, während der andere dieses Vergehen wohl nicht einfach weg stecken konnte. Nein, lautstark beschwerte er sich darüber, wie der andere denn nicht aufpassen konnte, und bla. Lilith hatte kein Interesse daran, immerhin war sie auch schon einige Meter von den beiden fortgelaufen, doch anstatt sich umzudrehen und weiter zu gehen blieb ihr Blick auf die beiden gerichtet. Wie es wohl war, bei etwas Gewalt zuzusehen, an der sie selbst mal nicht Schuld war? Das sie eine Art der Schuld jedoch trug, dass wusste sie natürlich nicht.
Lilith mustere die beiden Typen und schätzte sie beide zumindest in die gleiche Einkommensklasse ein, auch wenn der eine Kerl etwas Jung aussah, vielleicht sogar noch Schüler war. Lilith war etwas voreingenommen, denn ihr erster Gedanke war, dass die beiden sich bestimmt für etwas besseres hielten, auch wenn der Kerl im schwarzen Mantel noch ziemlich ruhig wirkte. Vielleicht wollte er sich aber auch nicht mit dem Jugendlichen abgeben, erst recht weil er sich für etwas besseres in dieser Situation hielt? Lilith konnte ihren begaffenden Blick nicht von den beiden nehmen, wünschte sich Popcorn und einen Stuhl her, damit sie sich den nächsten Gang zum Kino ersparen konnte. Würden die beiden anneinander geraten? Den Blick des Jugendlichen hatte sie nicht bemerkt oder sie ignorierte diesen einfach, weil ihr das im Grunde egal war. Sie schloss ihr Notizbuch, steckte es in ihren Rucksack und ging aus dem Weg, damit sie sich etwas gegen die nächst gelegene Hauswand lehnen konnte. Wenn die beiden sich nun Prügeln würden, dann wäre es immerhin nicht total sinnlos gewesen, dass sie ausversehen falsch abgebogen war. Ob sie den beiden noch einen Schlagstock zu werfen sollte? Und wer war eigentlich im Recht? Die Personen, welche an den beiden Kerlen vorbei liefen, interessieren sich nicht dafür. Sie liefen daran vorbei, als hätten sie wichtigeres zu tun.

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Re: Ein Tag im Jahre 1990

Beitrag  Alexis am Fr 3 Feb 2017 - 18:21

Ja, vielleicht war es tatsächlich Alexis' Absicht, so zu wirken, als hielte er sich für etwas Besseres - vielleicht bemerkte er aber auch einfach gar nicht, wie er dadurch wirken musste, dass er kein Wort sagte und dem Jugendlichen nicht in das Gesicht sah. Nein, eigentlich nicht. Er wusste ganz genau was er tat - Tatsache war jedoch, dass er sich eigentlich nie für besser hielt.
Der Junge öffnete schon den Mund, um ihn erneut anzufahren, als seine Lippen sich merklich weniger voneinander lösten und er nun doch die Stimme hob. "Ich konnte dich nicht sehen, entschuldige", sagte er, ihn dabei allerdings nach wie vor nicht ansehend. Für andere wirkte es vermutlich so, als hätte er die Entschuldigung so lange hinausgezögert, weil der Jugendliche ihn verunsicherte und er lieber einlenken wollte. Es lag aber eher daran, dass er einfach nicht sicher war, wer von ihnen beiden nun im Recht war.
Offensichtlich brachte er sein Gegenüber kurz aus dem Konzept, doch als der Typ bemerkte, dass Lilith stehen geblieben war und sie beobachtete, fühlte er sich offenbar ermutigt. Er konnte ja nicht wissen, dass sie auf eine Auseinandersetzung hoffte, die er wohl nicht so richtig angestrebt hatte. Also gab er sich gönnerhaft, beugte sich zu Alexis vor und patschte ihm unvermittelt die Hand auf die Schulter. "Ach, kein Ding!", meinte er übertrieben und grinste breit.
Alexis war der neuerliche Körperkontakt ausgesprochen unangenehm. Es war aber weder in seiner Körperhaltung, noch in seinem Gesicht zu erkennen.
"Ehrlich, ich dachte schon, du wärst dir zu fein für mich." Der Junge strich ihm übertrieben mit der Hand über die Schulter, als wollte er Staub von dem Kurzmantel klopfen oder Fusseln entfernen. "Aber guck mal", er deutete mit dem Zeigefinger auf Lilith, "selbst die junge Lady wollte sicher gehen, dass wir uns wieder vertragen, hm?" Er lächelte ihr zu - offensichtlich in der Erwartung, dass sie beeindruckt war oder so etwas. Er war wohl in so einem Alter, wo man so etwas dachte.
"Lasse mich bitte los." Alexis' Blick hob sich zum ersten Mal in das Gesicht des Jugendlichen, der daraufhin leicht stockte, weil er den Ausdruck in seinen Augen wahrnahm. Oder vielleicht unterschwellig auf die trotz des Sonnenlichtes leicht geweiteten Pupillen reagierte. Er zog sogar die Hand langsam wieder zurück - fing sich dann aber und grinste breit.
"Pff, was, bist dir doch zu fein, hm? - Hey, Kleine, bei dir alles klar?" Letzteres fragte der Typ an ihm vorbei hinüber zu Lilith und ließ Alexis stehen, wobei er ihn ganz unabsichtlich noch einmal leicht mit der Schulter streifte. Er schlenderte stattdessen zu ihr hinüber und vergrub dabei betont lässig die Hände in den Hosentaschen.
Alexis wandte sich um, allerdings nicht, um ihm nachzusehen oder ihn gar noch einmal anzusprechen, sondern um sich ein Bild davon zu machen, von wem er überhaupt gesprochen hatte. Es war die Dämonin, die so oder so Ursache dieser ganzen Szene war.

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Re: Ein Tag im Jahre 1990

Beitrag  Lilith am Fr 3 Feb 2017 - 22:14

Lilith löste ihren Blick nicht von den beiden, was wie es aussah wohl auch bemerkt wurde. Erst blieb noch immer dieses eisige Schweigen der beiden, bis der Herr, der zumindest Erwachsener aussah, sich entschuldigte. Ein enttäuschter Blick war die Antwort auf diese Situation. Lilith hatte ihre Zeit damit verschwendet, zwei Weicheiern zuzuschauen. Diese Annahme wurde bestätigt, als der jüngere Kerl wohl cool wirken wollte, indem er diese Entschuldigen annahm. Die Dämonin schüttelte den Kopf und wollte weiter gehen, doch blieb sie, nachdem sie merkte das sie nun auch angeschaut wurde. Wollte er das Mädchen mit so einer Einstellung etwa beeindrucken? Soll sie ihm nun um den Hals springen, weil er so 'Erwachsen' war und die Ausseinandersetzung stoppte? Der Jüngere betatschte den anderen Kerl an der Schulter und grinste dämlich breit. Lilith ballte in dieser Zeit die Fäuste.
Als sich der Jüngere dann auch noch dachte, Lilith als eine "Lady" zu bezeichnen, wäre sie gerne zu ihm hinüber gegangen und hätte ihm eine gescheuert, doch unterließ sie das. Sie schaute ihn nur grimmig an, hoffte hier irgendwo einen Schlagstock zu finden und betrachtete weiter. Einen kurzen Blick wendete sie an den Typen, welcher nur betatscht wurde, da dieser noch immer relativ Emotionslos herum stand. Was wohl mit ihm los war? Lilith fühlte sich für einen kurzen Moment, als würde sie zwei Affen beobachten, die sich gerade nach einem Streit wieder vertragen haben. Manche nannten diese Wesen auch Menschen, aber in Liliths Gedanken gerade... Naja.
Langsam wurde es schon peinlich, so lange wie der Kerl seine Hand auf der Schulter des anderen ließ, weshalb Lilith auch damit gerechnet hatte, dass der ruhigere endlich mal etwas dagegen sagen würde. Doch nachdem er es gesagt hatte, wünschte sie sich wieder, er hätte es nicht getan, denn danach meinte dieser Jüngere, dass er wohl unbedingt zu Lilith herüber stolzieren musste. Hielt er sich etwa für was besseres? Vermutlich. Das war ein schlechter Schritt, wie man Lilith ansprechen sollte. Vernünftiger wäre gewesen: Lass sie einfach in Ruhe. Er bekam nun zwar keinen Tritt zwischen die Beine, aber wer weiß was nach passieren würde? "Ich hätte ja gerne gesagt 'Ja', aber dann meinte so ein Jüngling mich mit den Worten 'Hey Kleine' ansprechen zu müssen." Ihr Blick war grimmig. Sehr grimmig. Ein Schritt weiter und etwas schlimmeres könnte wohl passieren. Einen kurzen Blick widmete sie an den anderen Kerl, welcher nun seine Ruhe hatte aber trotzdem nicht weg ging.

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Re: Ein Tag im Jahre 1990

Beitrag  Alexis am Sa 4 Feb 2017 - 12:44

Die Schritte des Jugendlichen stockten etwas und er wirkte plötzlich nicht mehr ganz so cool, als die Dämonin ihm eine Abfuhr erteilte, ohne ihm überhaupt eine richtige Chance gegeben zu haben. Er wurde langsamer und blieb dann ein, zwei Meter von ihr entfernt stehen.
"Jüngling? Guck dich mal an", erwiderte er dann ein wenig pampig und offensichtlich gekränkt. Scheinbar hatte er nicht so viel Feingefühl dafür übrig, zu überlegen, dass in dieser Gesellschaft nicht alle Leute so alt aussahen wie sie waren. "Mann, was auch immer." Er spuckte auf den Boden - eine widerliche Angewohnheit von jungen Leuten heutzutage, wie Alexis fand -, warf Lilith noch einen bösen Blick zu und wandte sich dann wieder von ihr ab.
Alexis, der gerade dabei gewesen war, die Sache auf sich beruhen zu lassen - sowieso - und sich wieder seinem eigentlichen leidlichen Vorhaben zuzuwenden, wollte sich gerade abwenden, doch der clevere Junge war schneller, sein Verhalten zu deuten: "Was, hast du noch irgendwas zu melden?", fragte er gereizt.
Alexis blieb wohlweislich still und wandte sich nun doch ab. Nur seine linke Augenbraue zuckte einmal leicht in die Höhe, was ein schwaches Zeichen dafür war, dass ihm das Verhalten des Jugendlichen nicht recht war. Ansonsten wirkte er genauso indifferent und unbeteiligt, wie man nur wirken konnte.
Genau das schien es allerdings zu sein, was den Jugendlichen neben Liliths Abfuhr noch mehr in Rage zu bringen schien. Es war offensichtlich, dass er sich anderes versprochen hatte und es darauf angelegt hatte, dass Alexis einen Kommentar fallen ließ. Und dass Lilith sich beeindruckt gab. Da beides nicht passiert war, schien er zu der Ansicht zu kommen, dass er eine Reaktion provozieren musste. Also folgte er ihm, packte ihn an der Schulter und zerrte daran, damit er sich wieder zu ihm umwandte.
"Du hast doch noch was zu sagen, oder?", meckerte er und funkelte ihn an. Er war ungefähr genauso groß, also etwas mehr als einen Meter achtzig, weshalb er dabei gar nicht so lächerlich wirkte, wie er es getan hätte, wäre er ein kleiner Knirps gewesen. Sein offensives Verhalten verlangte Alexis' Augen die zweite Reaktion innerhalb einer Minute ab; diesmal zogen die Pupillen sich erst leicht zusammen und weiteten sich dann erneut.
- "Mach doch einfach das Maul auf, oder bist du's so gewohnt, dass alle wissen, was du sagen willst?!" Dass er damit ausdrücken wollte, dass er Alexis in eine reiche Familie mit Angestellten und Dienstpersonal steckte, war offensichtlich. -
Es blieb diesmal aber nicht nur bei einer Reaktion der Augen. Ein leises, kaum wahrnehmbares Klingen kam von seiner Hand und verriet einem guten Gehör, dass der Ring am Mittelfinger seiner linken Hand soeben einen Sprung bekommen hatte wie eine Porzellantasse. Eine Person jedoch, deren Wahrnehmung auch über dies gut genug war, mochte meinen, dass plötzlich eine gänzlich andere Person dort stand. Nicht vom Äußeren her natürlich, und auch in der Haltung und dem Gesicht veränderte sich nichts. Dafür aber die Ausstrahlung.
Für den Jugendlichen war es vielleicht nur so etwas wie eine Vorahnung oder ein instinkives Signal. Lilith hingegen hatte gerade überhaupt keine Schwierigkeiten mehr dabei, Alexis' Herkunft zu erspüren, ihn also als Dämon zu erkennen.
Für ihn war es ungefähr dasselbe, nur dass er es ja zuvor schon geahnt hatte.
"Ich habe dir nichts zu sagen und ich erwarte, dass du mich loslässt", erwiderte er dem Jungen. Seine Stimme war immer noch ganz ruhig. Nur seinen Augen war anzusehen, dass er Mühe hatte, sich zurückzuhalten - nicht davor, ihn anzuschreien oder anzugreifen... Nein, das keinesfalls.

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Re: Ein Tag im Jahre 1990

Beitrag  Lilith am Sa 4 Feb 2017 - 16:39

Wieder etwas, woraufhin sich Lilith wohl mehr erwartet hatte. Der Typ war ziemlich schnell eingeschüchtert, weswegen er einfach mit einer Abwehrhaltung reagierte und sie gar nicht weiter anbaggern wollte. Sie hätte eher damit gerechnet, dass er trotz dieser Abfuhr weiter machte. So einem Jammerlappen würde man sich doch sowieso nicht hingeben, also bitte. Sein Verhalten ließ sie unkommentiert, denn dafür war es ihr nicht wichtig genug. Doch auf seine Geste, das spucken, hätte sie ihm gerne noch einen Konter gegeben. Zum Beispiel mit einem harten Gegenstand gegen den Kopf geschlagen. Immerhin galt dieses spucken ihr und konnte, wenn man übertreiben wollte, es schon als eine Art angriff sehen. Lilith wollte es so sehen, dann könnte sie wenigstens vor sich selbst rechtfertigen, wieso dieser Mord richtig gewesen wäre. Sie wandte sich von der Wand weg und wollte ihren Weg fortsetzen, doch hörte sie erneut die Stimme des Typen, weshalb sie sich noch einmal umdrehte. Es war jedoch nicht ihr gewidmet, sondern wieder dem anderen Typen, der wohl dachte er wäre nun aus dem schneider.
Dummerweise war der Jüngling wohl nun so gereizt, dass er wirklich größeren Stress suchte, als einfach nur mit Wortgewalt. Als dieser den Mann an der Schulter packte, überlegte Lilith schon, ob sie den beiden einfach nur ein 'Wuhu' zurufen sollte. Also nicht im Sinne einer aufblühenden Romanze, sondern um die Schlägerei anzufeuern. Doch blieb sie lieber Still, sonder würde sie nur wieder diese Aufmerksamkeit bekommen. Diesmal bequemte sich Lilith nicht zurück zu der Hauswand, sondern blieb dort stehen wo sie nun war, in etwa in der Mitte des Bürgersteigs, auch etwas näher an den beiden dran, damit sie auch schön alles mit bekam. Viel dazu sagen konnte sie im großen jedoch nicht. Sie hätte die Art des Jüngling kommentieren könne, doch wollte sie das nicht. Es wäre nur beleidigend gewesen und dann hätte sie zu viel vom Fokus auf sich gelegt. Sie wollte kein Teil der Schlägerei sein, sie wollte nur zusehen.
Doch glaubte sie nach einem kurzen Moment nicht mehr daran, dass diese Schlägerei wirklich staffinden würde, denn es machte sich etwas bemerkbar, was ihr vorher nicht aufgefallen ist. Es war ihr jedoch nicht aufgefallen, sondern dem Wesen das sich ihr 'Schatten' schimpft machte eine Bemerkung, die Lilith erst dann bewusst wurde. Etwas veränderte sich plötzlich bei dem Mann im schwarzen Mantel. Er war wohl gar kein Mensch oder zumindest ein so mächtiger Magier das man es ihm ansehen konnte. Deathscythe hatte jedoch eine andere Theorie: Es war wohl ein Dämon. Lilith schaute den vermeintlichen Dämon mit einem schiefen Blick an. Wenn dem so war, dann...
"Das ist aber unfair. Wenn ich du wäre, dann würde ich lieber loslassen, sonst wird das noch ein ziemlich einseitiger Konflikt." Lilith wollte eine Schlägerei, keine einseitige Situation, in der nur einer das Bluten anfängt. Sie wollte den Typen nicht wirklich in Schutz nehmen, doch wollte sie eigentlich nicht dabei stehen, wenn dieser Mord wirklich geschehen würde. Am Ende würde noch ihre Kleidung dreckig werden und dann musste sie erst wieder Heim gehen und sich umziehen. Ihr Schatten fing kurzzeitig an sich anders zu Bewegen, als sie es tat; sie bezeichnete dies immer als Tanzen; da er in dieser Situation die Möglichkeit sah an Energie zu kommen.

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Re: Ein Tag im Jahre 1990

Beitrag  Alexis am Sa 4 Feb 2017 - 18:45

Die Pupillen hatten sich nämlich so deutlich geweitet, dass man den Vergleich zu einer Katze ziehen konnte: Wenn die Augen einer Katze beim Anblick von Beute plötzlich weit wurden, wusste man, dass man ihr lieber nicht die Hand hinhalten sollte.
Die Aggressivität des Jungen war nicht das Problem. Sie perlte im Großen und Ganzen an Alexis ab wie Wasser an einem Regenmantel. Die Problematik bestand eher darin, dass der Junge ihn anfasste. Das Siegel war schon zuvor an seinem Limit gewesen, was das Wesen in ihm spürte und es dazu animierte, sich mehr dagegen zu stemmen als ohnehin schon. Jede Art der Körperberührung reizte es nur noch mehr, weil Alexis auf Berührungen angewiesen war, um sich zu ernähren. Und außerdem war er dadurch, dass er momentan ganz allein lebte, ohnehin noch weiter unterversorgt mit Energie als er das eh dauerhaft war, weil er seiner Gier niemals so weit nachgab, dass es für andere gefährlich wurde.
Aber nein, der Jugendliche musste ihn ja anfassen. Und er ließ ihn nun auch nicht gleich wieder los bei seinen Worten. Dafür hatte er sowohl Liliths Worte vernommen als auch die weiten Pupillen bemerkt. Er deutete sie und sein Unbehagen nur falsch. "Scheiße, Mann, bist du auf Drogen?"
Es kostete Alexis ein sehr großes Maß an Selbstbeherrschung, den Arm des Jugendlichen mit der Außenseite von Unterarm und Hand wegzuschlagen, statt durch die Kleidung hindurch seine Lebenskraft zu konsumieren. Dafür steckte in der Geste so viel Kraft, dass der Junge zusammenzuckte. Er stolperte zur Seite und ließ ihn los, was jedoch auch daran lag, dass Alexis ihn mit Schattenmagie an die Seite beförderte. Mehr tat er nicht. "Verschwinde", unterschrieb er stattdessen Liliths Ratschlag mit einem einzigen Wort.
Es sollte hinzugefügt werden, dass deren Anwesenheit nicht ganz unproblematisch war. Alexis war äußerst friedfertig und hielt sich aus jeglicher Art Schwierigkeit lieber heraus, die ihn selbst ereilen könnte. Das traf besonders auf andere Dämonen zu, weil er immer darum bemüht war, seine Identität verborgen zu halten, und weil dämonische Energie ihn stärker anzog als die eines gewöhnlichen Menschen. Sie war nahrhafter - schmeckte dafür aber nicht so gut wie menschliche Lebenskraft. Trotzdem, gerade jetzt konnte er die Aura der Dämonin stärker spüren als zuvor, sehr deutlich sogar, und das stets unterversorgte Wesen bereitete ihm Mühe, sich zurückzuhalten.
Seine eigene Präsenz im Gegenzug wirkte besonders auf höllische und machtbesessene Geschöpfe sehr anziehend. Und das war die zweite Seite, weshalb Liliths Anwesenheit problematisch werden konnte. Konnte. Er kannte sie ja nicht und konnte sie nicht einschätzen.
Aber die Flucht war wohl die beste und sicherste Methode für alle Beteiligten. Also wich er erst drei Schritte zurück, hielt den Blick dabei gesenkt und bemerkte daher nicht, dass seine mit Schattenmagie gespickte Geste dem Jugendlichen vorerst das Maul gestopft hatte, dann wandte er sich um und hob endlich, nur leider ein wenig zu spät dazu an, sich zu entfernen.
Er musste auch dringend von den übrigen Leuten weg. Blöd nur, dass seine Wohnung sich abseits und daher ein paar Kilometer weit entfernt befand.

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Re: Ein Tag im Jahre 1990

Beitrag  Lilith am So 5 Feb 2017 - 14:26

Anstatt das der Junge auf die Worte der Dämonin hörte, blieb er einfach stehen und unterstellte dem anderen Kerl auch noch auf Drogen zu sein. Sie schüttelte den Kopf und richtete ihren Blick kurzzeitig zu Boden. Wie blöd musste man sein, dass man so etwas nicht merkte? Der Mann im Mantel war nicht normal. Er gehörte, genauso wie Lilith, nicht unbedingt unter die Menschen. Lilith hatte sich unter Kontrolle, sie lebte auch schon einige Jahrhunderte mit ihrem Fluch zusammen, doch wenn sie auf einen neuen Dämonen traf wusste sie nie wie dieser reagieren würde. Da er etwas ausstrahlte, was gefährlich werden könnte, traute sie ihm im Moment nicht so viel Selbstbeherrschung zu, wie er vermutlich wirklich hatte. Doch anstatt selber weg zu gehen, betrachtete sie ihn lieber weiter und sah sich das Geschehen an. Er schlug die Hand des Jungen weg und beließ es leider jedoch dabei. Leider eigentlich. Einerseits wäre es wohl etwas übertrieben wegen einem Jungen dämonisch zu reagieren, andererseits wäre es interessant gewesen zu wissen, dass dieser Typ wohl konnte.
Der Junge wusste wohl nicht mehr was er sagen sollte, wahrscheinlich überraschte ihn die Reaktion so sehr, dass er plötzlich nicht mehr so vorlaut sein konnte. Doch er hatte die Aufmerksamkeit der Dämonin sowieso verloren, denn sie hatte im MOment nur noch Augen für den Typen, der dämonische Kräfte besaß. Ihr Schatten tanzte wild herum, was für die Leute die es sehen konnten, wohl sehr verstörend wirkte. Lilith machte sich auch auf alles gefasst was hätte kommen können, doch der Mann im Mantel gab keine großartige Reaktion ab. Er stand einfach nur da, sagte nichts weiter und wendete sich dann ab. Wollte er unbedingt weg? Wenn er selber ein Dämon war, dann hatte er wohl schon gemerkt, dass Lilith zur gleichen Spezies gehörte. Vielleicht hatte er aber auch einfach kein Interesse daran. Sie selber kümmerte sich immerhin auch nicht darum, wenn jemand anderes ein Dämon war. Sie war in dieser Hinsicht und in vielen anderen, sehr egozentrisch, bzw desinteressiert.
Doch einfach davon kommen durfte der Mann nicht. Sie wollte mindestens ein paar Worte mit ihm wechseln, weshalb sie, sobald er los lief, ihm folgte. Natürlich kam das etwas komisch, doch das war ihr nun schon irgendwie wichtig. "Hey, warte mal!" Rief sie ihm hinterher. Sie wollte schon gerne wissen wer er war, weshalb er nicht gleich so energisch reagiert und vor allem, warum ein Dämon seiner Art zu dieser Zeit hier herum lief. Er wirkte nicht wie jemand, der es wirklich nötig hatte sich mit solchen Gesindel abzugeben. Aber jeder Dämon war natürlich auch irgendwie anders.

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