if death is the last appointment

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Kyrie am Do 27 Dez 2018 - 13:29

Er hob eine Augenbraue leicht an, legte den Kopf minimal schief, wobei das ohnehin eine Geste war, die er nur sehr selten ausführte. Dennoch; gerade wirkte es eher wie ein provozierender, gar herausfordernder Blick auf ihre Aussage hin, der schließlich von eigenen Worten unterstrichen wurde; "Das musst du wohl herausfinden." Handzahm war er sicher nicht; doch konnte sie das gerne glauben. Und ohnehin hatte er ja nicht vor, sie anzufallen, weshalb es gerade im Moment vielleicht noch zutraf. Seine Worte schienen ihr Interesse an ihrem Orangensaft zu verringern, sie schob das Glas sogar ein wenig von sich weg und warf scheinbar einen Blick auf den Ring, den sie an ihrer Hand trug, ehe sie wieder die Stimme hob und er den Blick tatsächlich auf ihre Lippen konzentrieren musste, um jedes Wort zu verstehen. "Klingt nach einem Plan." Der Ring hielt ihn, wie bereits gesagt, von nichts ab — immerhin musste es ja auch einen Grund geben, weshalb sie alleine hier aufkreuzte, anstatt ihren Verlobten oder Ehemann mitzunehmen. Das ging Kyrie jedoch irgendwie auch nichts an und vielleicht interessierte es ihn auch gar nicht so sehr. "Aber eigentlich schade, das schließt mich selbst ja mit ein." Er war nicht ausgehungert, keinesfalls, doch gegen ein paar Schlucke Blut hatte er nie etwas einzuwenden - auch wenn er sich theoretisch einfach welches bestellen könnte, doch war das einfach nicht das gleiche. Es ging ja immerhin nicht nur um das Blut, sondern eben auch um den Aspekt, einen Biss am Hals einer hübschen Dame zu platzieren. Vielsagend ließ er den Blick zu ihrem Hals huschen, ehe er leicht den Kopf schüttelte und die Hand von seinem Glas hob, als sie danach griff. Ihre spitzen Eckzähne waren ihm in ihrem Grinsen durchaus aufgefallen, doch machte sie das nur interessanter — welches Wesen hatte schon Kräfte wie die ihren und dazu noch spitze Eckzähne? Vielleicht würde er das noch herausfinden. Dagegen, dass sie sich den Cocktail teilen würde, hatte er nichts, ganz im Gegenteil. Seine Antwort beschränkte sich auf ein Nicken und eine Geste mit der Hand, die bedeutete, dass sie sich gerne bedienen dürfte — an dem Cocktail. Und so weiter.
"Hundert... sechsundzwanzig." Er ließ die hundert ein wenig untergehen, den Blick auf Lumières Augen gerichtet, die das Licht der Bar ein wenig reflektierten. "Und, lass mich raten, eine Dame fragt man nicht nach ihrem Alter." Vielleicht interessierte es ihn auch gar nicht so sehr, wie alt sie war — auch wenn ihn die Frage nach seinem Alter etwas überrascht hatte. Viele gaben sich einfach damit zufrieden, dass er ein Vampir war und das nicht erst seit gestern. Nach seinem Alter fragten nur die, die ähnlich unsterblich waren und demnach die Gesprächsthemen ein wenig eingrenzen wollten. Geradezu beiläufig schubste er den Strohhalm nun in seine Richtung, den Lippenstift, der daran klebte, ignorierend, um selbst noch einen Schluck zu nehmen. Lumen hatte wohl Glück, dass lediglich Kyries Blut giftig war — sein Speichel dagegen hatte eine doch recht nette Wirkung.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Lumière am Fr 28 Dez 2018 - 12:27

Auch wenn sie nichts darauf erwiderte, dass sie herausfinden müsste, wie handzahm der Vampir wirklich war, wurde durch ihre Gesten wohl deutlich, dass sie die Herausforderung annahm. Anderenfalls wäre sie wohl weder sitzengeblieben, noch hätte sie kurzerhand nach seinem Drink gegriffen oder das Gespräch zwischen ihnen fortgesetzt. Und obwohl sie nicht mit der Intention ihn näher kennenzulernen hier her gekommen war, konnte sie ein klitzekleines, persönliches Interesse nicht leugnen. Vielleicht lag es nur an der Atmosphäre, die Lumière dazu motivierte aus ihren gewöhnlichen Mustern auszubrechen. Zumindest ein klein wenig. Hätten sie sich in ihrem Anwesen oder in einem Café getroffen, wäre sie jedenfalls strikt beim Geschäft geblieben und hätte sich gar nicht erst auf diese nicht-zielführende Plauderei eingelassen.
Lumière fuhr mit den Fingerspitzen flüchtig über ihren Hals und schob dabei einige Strähnen ihrer langen Mähne nach hinten, um etwas mehr Haut freizulegen, als wollte sie Kyrie mit der Geste provozieren. „Wenn du die Bisswunden nicht wieder verschwinden lassen kannst, muss ich dich leider enttäuschen.“ Dabei wusste sie nicht einmal, ob ihr Mann wirklich etwas dagegen hätte oder es überhaupt bemerken würde. Sie könnte jene Stelle auch mit einem Schal oder einer Perlenkette kaschieren, ohne dass es auffallen würde. Doch wäre es langweilig, würde sie sich Kyrie einfach so anbieten. Zumal es eigentlich nicht auf ihrer To-Do-Liste für den Abend stand, gebissen zu werden, wenn es nicht sein musste.
Unwillkürlich stieg das Gefühl von Neid in ihr auf, als Kyrie sein Alter verriet. Die hundert, die er ihr zwar zu unterschlagen versuchte, schnappte sie natürlich trotzdem auf. Lumière ließ es sich durchscheinen, dass sie sein Alter — nein, eher seine Unsterblichkeit — frustrierte, hob stattdessen bloß leicht die Augenbrauen und ließ den Blick einmal kurz über den Dunkelhaarigen schweifen, als würde sie nach irgendwelchen Anzeichen seines hohen Alters suchen. Aber er sah aus, wie jemand in seinen frühen Zwanzigern. „Fragen darfst du, aber Frauen schummeln sich immer ein paar Jahre jünger“, erwiderte sie schmunzelnd. Es sei denn, sie waren extrem langlebig oder blieben für immer jugendlich. Aber da konnte Lumière nicht mitreden. „So wie Männer immer über ihre Größe lügen“, fügte sie mit flüchtig erhobenem Zeigefinger hinzu. Wenn man schon mal bei Klischees war. Beiläufig beobachtete sie Kyrie dabei, wie er dafür sorgte, dass sich ihr Cocktail allmählich immer mehr leerte, während sie ihr Getränk zunehmend aus den Augen verlor und gar nicht bemerkte, dass der Barkeeper es schon für sie entsorgt hatte.  

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Kyrie am Fr 28 Dez 2018 - 13:51

Fast hätte er bei ihrer Aussage gelacht, beließ es allerdings bei einem breiten Grinsen, bei dem er gleichzeitig die spitzen Zähne zur Schau stellte, und einem amüsierten Kopfschütteln, als wolle er die Dame wieder aus seinen Gedanken ausschließen — auch wenn er sich fast sicher war, dass sie nicht plötzlich Gedanken lesen konnte. Und falls doch; interessant wäre es bei ihm allemal, bei all den expliziten Gedanken, den unterschiedlichsten Erinnerungen und so weiter. (Auch wenn er natürlich nicht wollen würde, dass irgendjemand — egal ob nun eine hübsche Dame oder ein seltsamer Typ — in seinen Gedanken herumwühlte.) "Dann ist heute wohl mein Glückstag, denn das kann ich tatsächlich." Sein Blick war an ihrem Hals hängen geblieben, an der weichen Haut, die sie geradezu provozierend präsentierte, ehe er doch wieder brav zurück in ihre hübschen Augen sah. Sicher wollte sie ihren Ehemann nicht mit einer Bisswunde verärgern — vielleicht hatte sie mit ihrer Aussage jedoch auch einfach gehofft, dass sie eine Voraussetzung schaffen könnte, an die Kyrie sich nicht halten konnte. Bei den anderen Anwesenden hätte das auch gut funktioniert; bei ihm dagegen weniger. Sofern sie ihm nicht unterstellen wollte, dass er log. Das Gegenteil könnte jedoch auch recht schnell bewiesen werden, weshalb er sich darum nur wenige Sorgen machte.
Ihr Blick, kaum dass sie ihr Alter genannt, hatte, entging ihm nicht — er würde optisch, wenn man ihm den Vampirismus nicht direkt ansehen würde (die meisten mussten nicht fragen, ob er denn ein Vampir war. Die roten Augen, die papierblasse Haut und die spitzen Zähne wiesen eigentlich direkt darauf hin, dass er, der die Sonne mied wie seinen schlimmsten Erzfeind, eben ein nachtaktiver Blutsauger war.), wohl als Mitte zwanzig durchgehen. Mitte zwanzig und vielleicht drogenabhängig — das war dann der Teil, den die dunklen Augenringe übernahmen. Tatsächlich ließ er von Dingen, die kein Alkohol und keine Zigaretten waren, jedoch die Finger. "Immer? Nur wenn sie's nötig haben, Butterblümchen." Er setzte eine Unschuldsmiene auf; dass sie die Körpergröße meinte, hatte er schon direkt ausgeschlossen. Ein wenig nachdenklich stützte er nun den Ellenbogen auf die Theke, lehnte das Kinn auf seine Hand und betrachtete Lumière weiter, als wäre sie ein Gemälde. Interessanter war sie jedoch so oder so. "Dann erleuchte mich, Lumen, auch wenn du es sicher nicht nötig hättest, bei deinem hübschen Gesicht ein paar Jahre abzuziehen." Er hatte sich ein wenig näher gelehnt, fast unauffällig, den Kopf wieder von seiner Hand gehoben, doch blieb sein Unterarm auf der hölzernen Oberfläche liegen, fast als wolle er signalisieren, dass er hier nicht so schnell wieder wegwollen würde. Zumindest nicht, solange die Dame ihn nicht begleiten würde.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Lumière am So 30 Dez 2018 - 11:58

Dass heute wahrscheinlich eher Lumières Glückstag war, als Kyries, verschwieg sie ihm vorerst, ließ nicht durchblicken, dass sie seine Antwort bereits erwartet und auch ein wenig provoziert hatte und wirkte stattdessen überrascht über die Eröffnung er könne Wunden verschwinden lassen. Ihr Bekannter hatte ihr nicht viele Details mitgeteilt, aber die Tatsache, dass Kyries Kräfte nicht nur destruktiv waren, hatte sie gewusst. Zumindest zu neunzig Prozent — es hätte ja auch durchaus sein können, dass ihr Informant sich geirrt hatte und dass der Vampir eigentlich nur ein stinknormaler Untoter oder irgendwelche Fähigkeiten war. „Und du schwindelst auch nicht? Behaupten kann das nämlich jeder hier“, entgegnete sie, scheinbar ungläubig und nicht überzeugt von Kyries gewagter Aussage. Doch Lumière war froh das Gespräch so schnell in solch eine günstige Richtung lenken zu können, auch wenn es bedeutete, dass sie dem Dunkelhaarigen indirekt ihr Blut anbot.
Sie hatte ja schon damit gerechnet, dass sie es hier nicht mit einem schüchternen Mauerblümchen zu tun haben würde. Musiker konnte man nicht alle in einen Pott werfen, aber die meisten von ihnen hatten Charakter und zu viel Selbstsicherheit. Jedenfalls hatte Kyrie genug Selbstvertrauen, um auf die Zweideutigkeit ihrer Worte anzuspielen und im selben Atemzug zu implizieren, dass er es nicht nötig hätte zu flunkern. Sie schenkte der Aussage nur ein kleines Schmunzeln und ein leises, amüsiertes Schnauben, das aber so oder so in der lauten Geräuschkulisse unterging. Aber es standen gerade sowieso Themen im Raum, die sie brennender interessierten und von deren Ausmaßen sie sich viel lieber überzeugen wollte. „Ich bin achtundzwanzig“, sagte sie scheinbar beiläufig, als wäre es eine absolute Nebensächlichkeit. War es wohl auch, für Unsterbliche oder sogar für gewöhnliche Menschen, die in ihren späten Zwanzigern im Regelfall nicht an die eigene Vergänglichkeit denken mussten. „Also hab ich noch zwei gute Jahre“, scherzte sie und zog den Cocktail wieder zu sich herüber, um mit dem Strohhalm erst unentschlossen herumzurühren, bevor sie noch einen kleinen Schluck trank. Noch merkte sie nichts vom Alkohol, aber befürchtete Lumière, dass der Effekt plötzlich kommen würde.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Kyrie am So 30 Dez 2018 - 16:54

Ob seine Fähigkeiten irgendeinen Ursprung hatten, wusste er ehrlich gesagt nicht — es gab genügend Vampire, deren Fähigkeiten nicht über die hinausgingen, die man auch im Internet unter 'typische Vampirfähigkeiten' finden würde. Vielleicht hatte er schon vorher irgendeine Krankheit gehabt, über die man ihm nie etwas erzählt hatte (unwahrscheinlich), die ihm nie aufgefallen war (kam nicht so häufig vor) und die schließlich mit ihm mutiert war (er merkte selbst, dass das eigentlich kompletter Schwachsinn war.) — vielleicht war es aber auch nicht so gewesen und er hatte einfach ein unverschämtes Glück, eine eher seltene Sammelkarte zu sein. Eine schillernde. Oder so. "Warum sollte ich dich anschwindeln?" stellte er die Gegenfrage, sah ihr dabei direkt in die Augen, ohne zu blinzeln, ehe er den Blick auf ihre Hände richtete. Dass sie von der Aussage, er könne die Bisswunde einfach wieder verschwinden lassen, überrascht schien, war ihm nicht entgangen; doch mochte er das so oder so. Es war so eben besser, als nur einer unter vielen zu sein. Das hatte er noch nie sonderlich gemocht. "Ah—" als wolle er ihr belehrend ins Wort fallen (doch hatte Lumière da schon längst fertig gesprochen), hob er den Finger an, eine Augenbraue angehoben, um zu zeigen, dass sie eben falsch lag mit dem, was sie sagte. "Dass du mich einfach in eine Schublade mit den anderen wirfst, bricht mir das tote Herz." Vielleicht hatte die Dame mit den langen Haaren so auch ein wenig seinen Ehrgeiz gepackt; denn warum sollte der über 100-Jährige sich eine Chance entgehen lassen, eine hübsche Frau zu beeindrucken? Wäre es hier und jetzt nur so einfach. "Ich würde es dir sofort beweisen, Blume, aber sogar ein kleiner Tropfen Blut würde die anderen wohl anlocken wie tollwütige Hunde auf der Suche nach Beute und eigentlich teile ich nicht gerne." Einen kurzen Blick widmete er dem Cocktail; für Lumière machte er eben eine Ausnahme.
Auf ihren Kommentar bezüglich ihres Alters hin ließ er die Augen wieder ein wenig über sie wandern. "Ich würde eher sagen, du reifst wie guter Wein." Ihm war bewusst, dass viele sterbliche Wesen — Menschen oder ähnliche — im Alter ihre Schönheit ein wenig verloren, doch musste er das wohl niemandem unter die Nase reiben. Vor allem nicht, weil er hier ja nicht auf der Suche nach einer Partnerin fürs Leben war. Ganz und gar nicht. Eine solche Frau hatte er einmal gefunden und vor vielen Jahren schon verloren — und über die Vampirdame schien er noch immer nicht komplett hinweg zu sein, doch half die Melancholie ihm immerhin dabei, gute Songs zu schreiben. Und anderen Vergnügen stand es ebenso nicht im Weg.
Wie viele Schlucke es brauchen würde, bis er Lumière schon anmerken würde, dass sie keinen Alkohol vertrug, konnte er noch nicht sagen; schien jedoch recht amüsiert, als sie wieder einen kleinen Schluck vom Sonnenaufgang trank. Vielleicht sollte er diesen schnell leeren und ein etwas stärkeres Getränk bestellen?

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Lumière am Mi 2 Jan 2019 - 17:35

Sie verstand den Sinn seiner Gegenfrage nicht so ganz. Immerhin könnte er lügen, um an ihr Blut zu kommen und sie schließlich mit irgendeiner Ausrede abspeisen — er könnte angetrunken keine Wunden heilen, bei Halbmenschen würde es nicht funktionieren oder was auch immer. Sie kannte nicht viele Vampire persönlich, aber man bekam immer wieder mit, was sie sich einfallen ließen, um an frisches Blut zu gelangen, als wäre es ein Rauschmittel. Ob Kyrie solche hinterhältigen Aktionen nötig hatte, konnte sie nicht mit Gewissheit verneinen. Aber er aber auch schon weitersprach, ließ Lumière diese Gedankengänge auf sich beruhen. „Hmm—und wie kann ich mich davon überzeugen, dass du nicht in die Schublade zu den anderen gehörst, sondern deinen eigenen, kleinen Ehrenplatz verdienst?“ Er konnte ja schlecht spontan frühzeitig Feierabend machen, oder? Würde ihn hier jemand vermissen; ihn kontaktieren und ermahnen? Langsam wurde es so spät, dass die meisten sicherlich keinen großen Wert mehr auf eine Liveperformance legten. „Ich würde ja vorschlagen wir gehen irgendwohin, wo es ruhiger ist. Aber so ungern wie du teilen willst, so ungern will ich darauf warten, dass du hier fertig bist.“ Sie würde sich definitiv lieber an einem anderen Ort unterhalten, als an dieser klebrigen Theke, wo sie bei jedem dritten Wort vorsorglich die Stimme anhob, um sicherzugehen, dass Kyrie sie akustisch verstand. Außerdem sank an einem privateren Ort das Risiko von bekannten Gesichtern gesehen zu werden, auch wenn die Chance von vornherein nicht besonders hoch war.
Lumière überlegte, ob sie ihm sagen sollte, dass sie ab diesem Punkt optisch kaum noch alterte und gewissermaßen mit guten Genen ausgestattet war, verschob dieses Thema aber lieber erst mal auf einen unbestimmten Punkt in der Zukunft. Wahrscheinlich war diese Tatsache sowieso uninteressant für jemanden, der selbst körperlich nicht mehr alterte. „Danke, ich hoffe du hast recht“, gab sie stattdessen zurück, leicht schmunzelnd, weil sie sein Kompliment als so kitschig empfand, dass es schon beinahe wieder charmant war.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Kyrie am Fr 4 Jan 2019 - 19:19

So oft musste er andere tatsächlich nicht von sich überzeugen; die meisten Gäste hier, die weiblichen Gäste, waren schon von einem gerade gesprochenen Satz nach mehreren Gläsern Planters Punch und Mai Tai überzeugt, gar beeindruckt, dass es nicht mehr nötig war, sich selbst in ein gutes Licht zu rücken — Herausforderungen waren jedoch ohnehin interessanter als geblendete Damen, die bei jedem Wort, das er von sich gab, nickten und innerlich wohl vom Gedanken, dass sie gerade mit dem Musiker sprachen, oho! völlig überwältigt waren. "Das wirst du schon noch bemerken, keine Sorge." Mit einem leichten Lächeln blinzelte er deutlich, wobei das Lächeln noch ein wenig erkennbarer wurde. An Selbstsicherheit fehlte es ihm nicht; wieso auch? Bei ihrem Vorschlag jedoch hob er die Augenbrauen ein wenig an, weniger überrascht, sondern eher positiv erleichtert, als hätte er endlich die etwas langwierige Vorgeschichte eines Romans durchgeblättert und fertig-gelesen und würde nun zum eigentlichen Text, der auf dem Klappentext so hoch angepriesen war, angelangen. Auch wenn der Prolog natürlich auch seine Reize hatte — und davon nicht zu wenige. "Aber aber, so ungeduldig?" neckte er sie ein wenig, ehe er den Arm leicht ausstreckte und ihr den Cocktail wieder entgegen schob, sich dabei bei jedem Zentimeter mit nach vorn lehnend. Es war sicher nicht sein Ziel, sie abzufüllen; doch einen kleinen Einblick in ihre angetrunkene Art wollte er dennoch erhaschen, wenn er denn durfte.
Mit ihrem Alter schien die Dame mit den ewiglangen Haaren ähnlich zufrieden wie mit dem alkoholfreien Cocktail von zuvor zu sein; auch wenn sie längst nicht so fad war wie verdünnter Orangensaft. "Ich irre mich nur selten." gab er zurück und ließ es nicht klingen wie irgendeine Floskel — auch wenn es natürlich maßlos übertrieben war. Wie oft er sich irrte war allerdings irrelevant. Um zurück auf das vorherige Thema zu kommen; "Ruhiger ist es zwar auch im Hinterraum, aber in meiner Wohnung gibt's besseren Alkohol." — wenn auch eine ganz ähnliche Unordnung. Kurz rümpfte er amüsiert die Nase. "Vielleicht habe ich ja aber auch was alkoholfreies im Haus. Aber dafür muss ich noch ein Wörtchen mit dem Chef wechseln." Er wagte es zu bezweifeln, dass er alkoholfreies hatte; zwar hatte er bestimmt noch Limonade im Kühlschrank, doch das meinte er gerade nicht. Eher ging es um alkoholfreien Sekt oder dergleichen — doch wieso sollte er so etwas kaufen, wenn er selbst Alkohol nicht verachtete?
Ob Lumière eher an eine andere Bar gedacht hatte? Kyrie jedenfalls dachte definitv an andere Aktivitäten als an reden und unter-der-Aufsicht-des-Barkeepers-an-seinem-Drink-nippen. Auch wenn er dafür heute früher Schluss machen würde, es war spät genug, um spontan früher zu gehen.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Lumière am Sa 5 Jan 2019 - 12:54

Oh ja, sie konnte es kaum erwarten diesen Club, den sie ohnehin nur widerwillig betreten hatte, verlassen zu können, mit ihrem Hauptgewinn im Schlepptau. An einen anderen, privateren Ort zu gehen, würde den Deal nicht direkt besiegeln, doch hätte Lumière dann das Gefühl schon einmal vorangekommen zu sein. „Macht aber nicht den Eindruck, als hättest du ein Problem damit“, entgegnete sie schmunzelnd. Sein Lächeln war ihr nicht entgangen. Außerdem—wer wollte lieber ewig an der Theke rumdümpeln, statt das Objekt der Begierde mit nach Hause zu nehmen? Hier könnte Lumen es sich immer noch anders überlegen, einen anderen, vielleicht hübscheren, Vampir wählen oder den Club einfach verlassen. Dass das nicht in ihrem Interesse lag, wusste Kyrie ja nicht.
Um Glas, das der Vampir ihr zuschob, legte sie zwar ihre Finger, führte den Strohhalm aber nicht an ihre Lippen. Es schmeckte ihr zwar, keine Frage, aber befürchtete sie fast, dass es in Kyries Wohnung nicht an alkoholischen Getränken mangelte. Da ließ Lumen lieber ein bisschen Raum für ein Gläschen Wein, so wie andere Platz für ein Dessert ließen. Er wollte sie doch nicht ernsthaft in irgendeinen Hinterraum schmuggeln, wo sie dann wahrscheinlich zwischen Musikinstrumenten, Getränkekisten und Spinnenweben sitzen würden, oder? Sie hoffte zumindest, dass er diese Option nur scherzhaft anbrachte, um die andere Auswahlmöglichkeit — seine Wohnung — attraktiver zu machen. „Dann verlegen wir das hier besser zu dir.“ Lumen fragte sich schon, wie er wohnte. Ihm würde sie alles zwischen einem absoluten Schweinestall, der seit Jahren keinen Staubsauger mehr gesehen hat und einem schicken Apartment inklusive Putzfrau, zutrauen. Jedenfalls sah er nicht aus wie jemand, der selbst freiwillig den Wischmopp schwang. „Lass mich nicht zu lange allein. Ich sehe schon aus den Augenwinkeln drei Kerle, die nur darauf warten, dass dein Platz frei wird.“ Vielleicht sollte sie selbst ein Wörtchen mit Kyries Chef wechseln? Wahrscheinlich könnte sie den Musiker für den Abend... freikaufen. Sie behielt diese Möglichkeit im Hinterkopf, falls Kyries Charme beim Boss keinen Effekt haben würde.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Kyrie am So 6 Jan 2019 - 13:01

Er schüttelte nur leicht den Kopf, so minimal, dass es fast wirkte, als würde er einer kleinen Fliege, die drauf und dran war, ihm ins Auge zu fliegen, das Landen erschweren wollen — Lumière war allerdings schon längst gelandet. Trotz der Tatsache, dass sie meinte, er wäre nicht ganz so attraktiv, wie er vielleicht von weitem auf der Bühne gewirkt hatte. Ehrlich gesagt; es war ihm recht gleich. Gutes Aussehen war nicht alles — und da er ohnehin ein Wesen der Nacht war, das die Sonne scheute wie Zahnärzte bissige Kinder, machte es nicht viel, dass er im Vergleich zu anderen Vampiren nicht die Inkarnation Adonis' war. Er hatte dafür andere Qualitäten, die hatte jeder. Die einen mehr, die anderen weniger, Vampire ohnehin ein wenig mehr als nicht-blutsaugende-Wesen. Der Cocktail schien für die Dame ebenso uninteressant wie andere weibliche Wesen gerade für Kyrie; sie schloss lediglich die schmalen Finger um das beschlagene Glas, nahm allerdings keinen Schluck von der inzwischen wässrigen Flüssigkeit im Inneren des Glases.
"Besser wär's, ja." Er verlagerte ein wenig das Gewicht, drehte sich etwas zur Seite, ehe er den Kopf zurück zu Lumière drehte, die gerade erneut die Stimme anhob. Noch während sie sprach, suchte sein Blick jedoch die Menge nach besagten drei Typen ab, eher nebensächlich, ehe er die schöne Frau fast tadelnd wieder anblickte. "Dann hoffen wir, dass sich niemand traut, in meiner Abwesenheit den Versuch zu starten, dich zu erobern." Ihr Ring würde eventuell den ein oder anderen abhalten; ihn nicht. Schmuck hielt ihn lediglich dann ab, wenn er aus silber war, immerhin kribbelte jede Berührung damit dann unangenehm auf seiner blassen Haut und ließ unschöne rote Flecken entstehen. Sein Glück, dass die meisten Eheringe aus Gold waren. Mit einer schnellen Bewegung hatte er sich von dem Barhocker erhoben, um mit einem "Bin gleich wieder da." die Bar zu verlassen, wobei er tatsächlich erst seine Gitarre von der Bühne fischte, um dann in einem Hinterraum — alleine — zu verschwinden, das Instrument einzupacken und sein Handy hervorzuziehen, immerhin war sein Chef tatsächlich nicht jeden Abend im Haus. Die Nummer war schnell gewählt, das regelmäßige Tuten hob seine Zuversicht, ehe auch schon die bekannte Stimme erklang. Die Diskussion war nicht sonderlich lang, lediglich die ein oder andere Konsequenz 'Die Stunden ziehe ich von deinem Lohn ab.' und 'Lass das zu keiner Gewohnheit werden.' et cetera flogen in seine Richtung, ehe Kyrie auch schon seine Gitarrentasche über seine Schulter werfen und zurück zur Bar huschen konnte. "Schreib die Getränke auf." ließ er den Barkeeper wissen, immerhin kannten sie sich und Kyrie konnte sich die Zeit nun sparen und einfach morgen für die Getränke bezahlen, sodass er Lumière nun eine Hand hinhalten konnte als Angebot, ihr von dem Barhocker zu helfen, sodass sie sich danach unterharken konnte, wenn sie wollen würde. Dass das Gespräch mit seinem Boss also reibungslos verlaufen war, war klar — das war wohl unter anderem der Uhrzeit zu verdanken. Wäre es früher gewesen, hätte man ihn sicher nicht einfach gehen lassen.

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Re: if death is the last appointment

Beitrag  Lumière am So 6 Jan 2019 - 17:54

Sie wollte ihn noch korrigieren — „du solltest hoffen, dass niemand den Versuch wagt; nicht wir“ —, verkniff es sich dann aber doch. Sie hatte es sich vorgenommen sich heute Nacht mit schnippischen Bemerkungen zurückzuhalten. Aus der Erfahrung heraus wusste sie, dass ein schlechter Charakter Männer nicht automatisch vergraulte, doch es würde ihr bestimmt nicht dabei helfen Kyrie um den Finger zu wickeln.
Seine (vorübergehenden) Abschiedsworte erwiderte Lumière mit einem Lächeln und einem Nicken, das auf eine Art und Weise ihre Ungeduld zu Tage brachte. Immerhin wollte sie keine halbe Stunde alleine an der Bar sitzen, Däumchen drehen und von durstigen Vampiren begafft werden. Umso weniger schmeckte es ihr, dass Kyrie es für nötig hielt die Gitarre einzupacken, als wäre sie sein wertvollster Besitz, bevor er in vermutlich besagten Hinterraum verschwand. Ob er dort mit seinem Boss persönlich sprach oder ein Telefonat führte, wusste sie nicht, doch konnte es ihr relativ gleichgültig sein, solange er die Erlaubnis bekam, früher Feierabend machen zu dürfen. Gelangweilt drehte Lumière währenddessen das Schirmchen zwischen ihren Fingerspitzen und überlegte für die kurze Zeit ihr Handy heraus zu kramen, um wenigstens für ein wenig Ablenkung zu sorgen. Doch die Vorstellung dutzende Nachrichten ihres Mannes und ihrer Assistentin überfliegen zu müssen, sorgte dafür, dass dieser Zeitvertreib schnell wieder verworfen wurde.
Sie sah Kyrie aus den Augenwinkeln an die Theke laufen, mit der Gitarre im Schlepptau und offenbar guten Neuigkeiten. Das nicht ganz leere Cocktailglas ließ Lumière stehen und erhob sich so geschmeidig, wie man sich eben von einem Barhocker erheben konnte, während sie Kyries Geste annahm und sich hinterher bei ihm einharkte. Womöglich ergaben sie ein merkwürdiges Pärchen, wenn man bedachte, dass Lumière mit ihren Absätzen wenige Zentimeter größer war als der Vampir, doch daran verschwendete sie keine weiteren Gedanken. Sie war es schließlich gewohnt die meisten Männer (und Frauen) zu überragen. „Man könnte meinen die Gitarre wäre dir wichtiger als unsere Verabredung“, sagte sie zu ihm, während sie sich ihren Weg durch den Club nach draußen, an die frische Luft bahnten. Dass sie damit wohl sogar recht hatte, wusste sie nicht.

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