Das Mädchen, das vom Himmel fiel

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Re: Das Mädchen, das vom Himmel fiel

Beitrag  Esther am Fr 14 Dez 2018 - 22:54

Da sie mit Stereotypen nicht viel anfangen konnte, lauschte sie seiner Erläuterung zwar aufmerksam und interessiert, konnte den Inhalt aber nicht so richtig verarbeiten. Teils, weil ihr gerade noch sooo viele andere Dinge im Köpfchen herumschwirrten. Zum Beispiel die Tatsache, dass die Regentropfen einfach an seinem Haar herunterkullerten und schließlich im Stoff seiner Jacke versiegten. Eigentlich brauchte er gar keine Kapuze, wenn seine Frisur wasserabweisend war. Das machte den Engel ein bisschen neidisch. Sie hatte weder das eine, noch das andere. „Ach so“, erwiderte Esther etwas abwesend, bemerkte, wie ihr Blick den Schopf ihres Gegenübers fixierte und senkte ihren Blick rasch wieder, um dem Mann in die Augen zu sehen.
Nur, um kurz darauf auf ihre Handfläche zu schauen, die sich langsam mit Münzen füllte und erst wieder hochzublicken, als ein kleiner Münzenberg in ihrer Hand lag. Noch bevor sie kommentieren konnte, dass sie lieber einen Kakao statt Kaugummi hätte und bevor sie die Frage nach der Echtheit der Münzen verneinen konnte, hatte der andere schon seine Hand ausgesteckt, um nach der Illusion zu greifen. Esther hatte keine Berührungsängste. Schon gar nicht bei so einer freundlichen Person, deren Neugier sie sehr gut nachvollziehen konnte. Deshalb und wahrscheinlich auch, weil sie nicht schnell genug reagieren konnte, zog sie ihre Hand nicht zurück. Wenn der Dunkelhaarige auch nicht mitten in seiner Bewegung inne hielt, würde er ihr wohl auf die offene Handfläche patschen, so als würde sich rein gar nichts auf dieser befinden. Einen Wimpernschlag später ließ Esther die Illusion verschwinden. Die Münzen lösten sich auf — bis auf das eine, echte Exemplar in ihrer anderen Hand. Entschuldigend verzog sie die Mundwinkel. „Ne, die sind nicht echt. Ich glaube ich kann nur Sachen machen, die so aussehen, als wären sie echt. Aber die Münzen hab ich gut hinbekommen, oder?“ Die waren auch nicht komplex. Überhaupt nicht. Aber so für den Anfang war sie schon ein bisschen stolz auf sich. Immerhin hatte sie den Fremden hier drangekriegt! Auch wenn das gar nicht ihr Ziel gewesen war. Also, ihn zu veräppeln. Dass Aster nicht begeistert von ihrem unnützen Hokuspokus war, dämpfte ihre Zufriedenheit nur minimal.
Es begann etwas stärker zu regnen und sie sah einige Menschen ihre Schirme aufspannen. Ob sie so einen auch hinbekommen würde?

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Re: Das Mädchen, das vom Himmel fiel

Beitrag  Uriel am So 16 Dez 2018 - 18:01

Die Erwiderung der jungen Frau fiel recht kurz aus, aber ... war ja grad hier auch echt nicht das netteste Plätzchen, um zu fachsimpeln, ne? Also ließ ich das Thema auch schon wieder fallen. Außerdem waren diese ganzen Ein-Dan-Münzen auf ihrer Handfläche eh viel interessanter. Es war ein ganzes kleines Häufchen geworden, ohne dass von den Münzen eine runterfiel. Cool. Aber die leise Ahnung in mir, dass die Münzen nicht echt waren oder wenigstens nur vorübergehend vorhanden, bestätigte sich, als ich die Hand ausstreckte und mit Zeigefinger-, Mittelfinger- und Daumenspitze nur auf Haut und die Kante der eigentlichen Münze stieß. Und gleich darauf ließ das Mädchen ihren Zauber auch wieder fallen.
Ich zog die Hand wieder zurück.
Schade eigentlich... Ich konnte Geld immer gut gebrauchen. Aber so ein Zauber würde mir ja auch nix bringen. "Hmm, eine Illusion also?", fragte und stellte ich halb fest. "Ja, die sahen echt super aus. Oh." Ich kniff die Augen etwas zusammen und schaute hoch in den Himmel, weil es stärker zu regnen anfing. Und da fiel mir auch wieder ein, wie die Kleine hier eigentlich rumlief. Nicht passend für Temperatur und Regen. "Ähm... Wollen wir vielleicht irgendwo hingehen, wo es trocken ist? Also!" Ich wedelte schnell abwehrend mit den Händen. "Nur, weil das Wetter so blöd ist und du siehst ein bisschen verfroren aus und... Ja." Ich wollte nicht so wirken, als wollte ich da jetzt ein Kennenlernen und ein Date draus machen. Ich kam schnell mit Leuten ins Gespräch und das eher selten, weil ich auf der Suche nach 'ner Freundin war. Also, einer Beziehung. Freunde fand ich immer gerne.
"Ich bin übrigens Uriel. Und du?", stellte ich mich jetzt aber doch endlich mal vor und lächelte ihr zu.

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Re: Das Mädchen, das vom Himmel fiel

Beitrag  Esther am Mo 17 Dez 2018 - 15:05

Hoffentlich war er nicht zu enttäuscht darüber, dass die Münzen im Grunde bloß eine optische Täuschung waren. Wenigstens bekräftigte er sie aber darin, dass sie echt ausgesehen haben. Das war ein Kompliment, das sie gern annahm. Auch wenn ihr das letztlich nichts brachte, denn von netten Worten und gefakten Münzen konnte sie sich nichts kaufen. Trotzdem. „Ja, eine Illusion, das ist das Wort. Und—danke!“, lächelte sie, bevor sie seinem Blick gen Himmel folgte. Ihr war auch schon aufgefallen, dass es begann stärker zu regnen und ihre Kleidung sich allmählich voll sog. Ein unangenehmes Gefühl. Esther steckte die reale Münze in die hintere Tasche ihres Overalls und rieb sich ein paar Mal fröstelnd über die Oberarme.
Seinen Vorschlag sich ein wärmeres und trockneres Plätzchen zu suchen, wollte sie schon dankend ablehnen, weil sie ja eigentlich eine wichtige Aufgabe zu erledigen hatte und nicht noch länger herumtrödeln sollte. Andererseits war sie gerade erst angekommen, fror, war hungrig und auf vielen Ebenen verwirrt. So wollte sie auch nicht vor ihrem Schützling auftreten. Das würde keinen guten Eindruck hinterlassen. Und Uriel wirkte so nett und aufrichtig, dass sie gar nicht ablehnen wollte. Verpflichtungen hin oder her. Ein bisschen Zeit könnte sie schon entbehren. „Musst du denn nirgendwohin? Die Leute sehen alle so aus, als hätten sie es eilig. Du nicht?“ Konnte ja sein, dass er das nur aus Höflichkeit anbot und eigentlich zu einem Termin musste. Von etwas Wichtigerem aufhalten, wollte sie ihn auch nicht. Als Uriel sie nach ihrem Namen fragte, überlegte sie wahrscheinlich einen Moment zu lange für so eine simple Frage, weil er ihr kurz entfallen war, bis Aster sie wieder daran erinnerte. „—Esther!“ Sie nickte einmal bestätigend und lächelte ihrer neuen Bekanntschaft ebenfalls zu. „Freut mich dich kennenzulernen. Wirklich. Ich bin froh, dass der erste Mensch, den ich treffe so nett ist“, fügte sie fröhlich hinzu. Etwas ungeduldig wippte sie auf den Füßen vor und zurück, weil sie ja nicht wusste wohin Uriel gehen wollte. Oder wohin man gehen konnte, wenn es regnete und man kein zu Hause hatte.

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Re: Das Mädchen, das vom Himmel fiel

Beitrag  Uriel am Di 18 Dez 2018 - 21:39

"Heh, bitte", erwiderte ich grinsend und zuckte nur leicht die Schultern. Ich vergrub die Hände in den Jackentaschen, weil sie so an der Luft langsam kalt wurden. Aber mein Blick folgte noch mal em Münzchen, als das Mädchen die Hand bewegte, ehe sie aus meinem Blickfeld verschwand, weil sie die Finger darum schloss und sie dann in ihre hintere Tasche schob. Dass sie sich die Oberarme rieb, entfiel mir nicht, aber es war ja auch nicht gerade zu übersehen, dass sie hier zur unpassendsten Jahreszeit im Regen ein T-Shirt trug. Ihr Overall wärmte da bestimmt nicht drüber hinweg.
Bei ihrer Frage schüttelte ich den Kopf. "Nee, ich bin eigentlich auf dem Weg nach Hause, aber ich hab's nicht eilig. Da wartet nix auf mich, also kann ich heim gehen, wann ich will." Auf mich warteten nur Antiquitäten. Aber die waren so alt und standen schon so lange rum, dass sie das auch noch einen Tag länger machen konnten, ohne dass sich wer für sie interessierte. Morgen wurden sie dafür dann doppel übergestreichelt. Nä, Witz!
Ich setzte mich nun langsam in Bewegung, damit wir aus dem Regen rauskamen und hier nicht eingingen wie ein Zuckerberg. Bis zu einem Café war es bestimmt nicht weit, die gab es ja wie Sand am Meer.
Etwas stutzig geworden runzelte ich dann aber die Stirn, weil Esther einen Moment überlegen musste, mir ihren Namen zu sagen. Aber wahrscheinlich sollte mich bei ihr nichts mehr wundern. Sie wusste nicht, dass man mit einem Dan nichts kaufen konnte, hörte Stimmen und lief in viel zu dünner Kleidung rum. Dass sie Ausländerin war, hatte ich ein wenig verworfen, denn das hätte man dann sicher auch noch gehört. Mein Stirnrunzeln war dann aber perfekt, als sie meinte, dass sie froh sei, dass der erste Mensch, den sie traf, nett sei.
Meine Schritte stockten etwas. "Wie, der erste Mensch?", hakte ich nach, weil ich das nicht verstand. "Wie meinst du das? Hast du noch nie ... äh, mit wem gesprochen oder ihn kennengelernt? Das kann ich mir ja gar nicht vorstellen." Ich lachte etwas, immerhin war die Vorstellung ja echt absurd. Sie hatte ja mitten in einer Menschenmenge gestanden und außerdem sah sie auch nicht aus wie frischgeboren. - Komisch verhalten... Tat sie sich ja aber...

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Re: Das Mädchen, das vom Himmel fiel

Beitrag  Esther am Do 20 Dez 2018 - 11:00

Auf dem Heimweg also. Und wenn niemand auf ihn wartete, hatte er wohl auch keine Familie oder Haustiere. Der Engel hinterfragte nicht, ob das traurig, normal oder vielleicht sogar gut für ihn war. Immerhin konnte er so tun, was er wollte, ohne sich vor jemandem rechtfertigen zu müssen. Aber dieser Gedanke kam ihr nur kurz in den Sinn. „Okay“, gab sie schließlich nur zurück und schob die Hände ebenfalls in ihre Taschen, auch wenn diese inzwischen etwas durchnässt waren und ihre kalten Finger nicht wirklich wärmten.
Dann folgte sie Uriel durch den Fußverkehr, hatte dabei fast das Bedürfnis sich an seiner Jacke festzuhalten, weil ihr immer wieder Menschen entgegenkamen, die Esther aus Höflichkeit an ihr vorbeigehen ließ, auch wenn sie dadurch die meiste Zeit eher schräg hinter dem Dunkelhaarigen hertrottete. Als er dann plötzlich kurz langsamer wurde, lief Esther ihm, unachtsam wie sie war, in die Hacke und stolperte etwas gegen seinen Rücken. Rasch zog sie ihre Hände wieder aus ihren Taschen, um nicht komplett das Gleichgewicht zu verlieren und auf der Nase zu landen. „‘tschuldigung…“, nuschelte sie und drängelte sich nun trotz der Passanten neben ihn. Seine Fragen verwirrten sie nun etwas. Nicht die Fragen an sich, aber seine Verwunderung darüber, dass sie noch keinen richtigen Kontakt zu irgendjemandem gehabt hatte. „Ich bin ja gerade erst angekommen und mmh—ich hatte noch gar keine Gelegenheit mit jemandem zu sprechen“, erklärte sie, war sich aber unsicher, ob ihre Worte Licht ins Dunkel brachten oder Uriel noch mehr verwirrten. „Im Himmel gibt es ja keine Menschen, alsooo bist du der erste Mensch!“ Sie lächelte etwas breiter, als wäre das irgendeine tolle Auszeichnung, und in der Hoffnung er verstand nun, was sie meinte. Für sie war es offensichtlich, dass sie ein Engel war. Sie hatte noch keinen Menschen mit leuchtenden, zierlichen Flügeln gesehen. Andererseits… hatte sie allgemein noch nicht so viel von der Welt gesehen. „Wo gehen wir hin?“, warf sie neugierig hinterher. Zu ihm nach Hause?  

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Re: Das Mädchen, das vom Himmel fiel

Beitrag  Uriel am Do 20 Dez 2018 - 12:45

Ich war zwar nicht wirklich breit und kräftig gebaut - eigentlich gar nicht -, aber ich hatte den Größenvorteil, der dafür sorgte, dass die Menschen eher um mich rumflossen wie um eine Litfasssäule statt mich anzurempeln oder im Weg rumzuwursteln. Aber bei Esther schien das offenbar nicht so zu sein. Sie war ja auch eher klein und dünn, und Menschen im Feierabend- oder Einkaufsstress waren sowieso unglaublich rücksichtslos, wie ich fand. Deshalb konnte ich gut nachvollziehen, dass sie eher hinter mir blieb. Ich jedenfalls bekam nicht so recht mit, dass sie das eher machte, um die Leute vorbeizulassen, statt weil sie zurückgedrängelt wurde.
"Nicht schlimm", meinte ich nur, als sie gegen mich stolperte, nachdem sie mir in die Hacke gelatscht war, aber ihr Gleichgewicht musste sie selbst wiederfinden, weil sie so halb hinter mir gelaufen war und ich das ganze weder richtig mitbekam, noch gelenkig genug war, einfach mal nach hinten zu ihr zu grabschen. Danach wühlte sie sich aber zu mir vor, sodass wir jetzt eher nebeneinander weitergingen. Das fand ich wesentlich angenehmer. Ich hätte sie ja an der Hand festgehalten, aber hier dichteten die Leute ja gern schnell was in Gesten rein, was nicht war, und bevor sie am Ende wirklich noch dachte, dass ich sie anmachen wollte, behielt ich meine Patschehändchen lieber in meinen Taschen.
Damit sie aber trotzdem nicht verloren ging, bog ich an der nächsten kleinen Kreuzung nach rechts auf dem Bürgersteig ab, und schon kamen wir ein wenig aus dem Gewusel. Das war auch ganz gut so, denn Esther sagte dann was, das dafür sorgte, dass ich einen Schritt zur Seite trat und wieder stehenblieb. Ich hatte mich dabei jetzt zu ihr gedreht und schaute sie mit großen, großen Knopfaugen an. "Du kommst aus dem Himmel?", fragte ich sie ungläubig, statt ihre Frage zu beantworten. "So richtig aus dem Himmel-Himmel?" Und dann, fast ehrfürchtig: "Bist du ein Engel...?"
Jetzt zog ich doch die Hände aus den Taschen, fasste sie vorsichtig an den Oberarmen und musterte sie einmal aufmerksam auf der Suche nach himmlischen Anzeichen, beugte mich dann vor und so halb um sie herum und begutachtete ihren Rücken - auf der Suche nach Flügeln! Ich stellte mir Engel immer mit großen weißen Taubenflügeln vor, die sie hochherrschaftlich und wundertoll ausbreiten konnten wie Heilige. Aber die wären mir von vorn ja wohl aufgefallen!

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Re: Das Mädchen, das vom Himmel fiel

Beitrag  Esther am Fr 21 Dez 2018 - 22:06

Wenigstens nahm Uriel ihr das in-die-Hacke-Laufen nicht krumm. Es gab ja Leute, die sich schon bei solchen Kleinigkeiten aufregten. Zumindest hatte Esther das beobachtet, als sie vorhin auf dem Bürgersteig herumgesessen hatte. Die grimmigen Gesichter der Personen, die nur einmal kurz und versehentlich angerempelt worden waren, hatten sich aber in den Kopf des Engels gebrannt und sie hoffte fest, dass ihr Schützling nicht so ein grummeliger Kerl war. Mit Uriel hatte sie ja schon mal Riesenglück, auch wenn sie bis jetzt nur einen kleinen, ersten Eindruck von ihm gesammelt hatte. Immer noch planlos, wohin es ging, folgte sie dem Dunkelhaarigen nach rechts in eine Seitenstraße, die zwar immer noch belebt war, aber weniger an eine Sardinenbüchse erinnerte. Esther hatte irgendwie das Gefühl besser atmen zu können, weil es sich nicht mehr so anfühlte, als würden die Mitmenschen ihr die Luft weg atmen und andersherum.
Als Uriel wieder plötzlich stehenblieb, wollte sie ihn schon dafür zurechtweisen, dass er nicht einfach so mir nichts dir nichts anhalten konnte! Sonst rempelte ihn vielleicht jemand anders an, der dann richtig sauer wurde und das wollte Esther nicht. Sie lief einfach ein paar kleine Schritte weiter, da sie davon ausging, dass Uriel auch gleich weitergehen würde, drehte sich dann aber zu ihm um, als es nicht so schien. Als er dann auch noch so vielen Fragen stellte und so überrascht wirkte, tapste sie wieder ein paar Schritte zurück, bis sie neben ihm stand. „Jaa, natürlich komm ich aus dem Himmel-Himmel. Was gibt es denn sonst noch für einen Himmel?“, fragte sie etwas verwirrt, hielt sich aber nicht zu lange mit ihrer Herkunft auf. Über die wusste Esther schließlich auch nicht viel. Um nicht zu sagen, gar nichts. Aber sie verstand wirklich nicht, warum Uriel sie so intensiv untersuchte, als würde er nach einem versteckten Muttermal oder einem grauen Haar suchen. Sie ließ sich zwar von ihm mustern, störte sich auch nicht an seinen Händen an ihren Armen, denn die waren im Vergleich zu ihrer durchgefrorenen Haut angenehm warm! Dann hatte sie aber irgendwann — nach einigen Sekunden — genug und machte eine Halbdrehung. Uriel einen Schulterblick zuwerfend, streckte sie die Brust etwas heraus und ließ ihre Flügel einmal flattern. „Du siehst doch meine Flügel! Und ich bin nicht nur ein Engel. Ich bin sogar ein Schutzengel, um genau zu sein“, erklärte sie schon ein bisschen stolz. Dass er die schmalen, fast schon eher feenartigen Flügel gar nicht sehen konnte, war ihr nicht klar. Und auch, dass es für ihn wohl etwas besonderes war, einen Engel zu treffen, war noch nicht so ganz bei ihr angekommen.

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Re: Das Mädchen, das vom Himmel fiel

Beitrag  Uriel am Sa 22 Dez 2018 - 12:18

Esthers Frage nach einem anderen Himmel als dem Himmel-Himmel ging erst mal an mir vorbei, weil mich ihre Offenbarung ein wenig aus der Bahn geworfen hatte. Ich hatte ja schon immer mal einen Engel treffen wollen, weil... Also wer wollte das schon nicht? Dämonen und Vampire waren cool, aber Engel waren viel seltener und was ganz Besonderes. Sie waren gut und beschützten die Leute und trugen die Verantwortung, das Böse, Dunkle in Schach zu halten - also, es gab ja auch böse Dämonen. Eigentlich war das ja sogar die Regel - und sie hatten Flügel! Ich hatte eine Schwäche für Flügel. Flügel waren toll. Auch wenn mir klar war, dass ein Engel die zum Fliegen bestimmt nicht brauchte, sondern sie einfach so'ne Art Statussymbol waren. Oder so. Und mit 'nem Vogel hatten Engel ja jetzt auch nichts zu tun.
Aber trotzdem!
Außerdem waren Engel schön und sanft und strahlten in meiner Vorstellung immer etwas Friedliches aus und -
Oh. Wenn Esther ein Engel war, dann... Hatte sie allerdings sehr wenig mit meiner Vorstellung über einen Engel gemeinsam. Äh! Also, sie war schon hübsch und so, aber sanft und lieblich und hochherrschaftlich war sie jetzt nicht so, bisher. Und ... na ja, friedlich war sie offenbar schon, aber auch recht quirlig, wie ich das Gefühl hatte. Ob das daran lag, dass sie ein Schutzengel war? Vielleicht waren Schutzengel anders als Engel, die rumliefen, um die Welt in der Waage zu halten?
"Huh?", riss ich mich endlich wieder aus meinen Gedanken und ließ sie los, weil sie mir so halb den Rücken zudrehte. Über den huschte mein Blick, aber egal, wie genau ich hinguckte: "Ich seh keine Flügel..." Das sagte ich ein wenig leiser - nicht direkt enttäuscht, aber auch nicht gerade fröhlich. "Du flunkerst aber nicht, oder?" Mein Augenmerk huschte in ihr Gesicht und ich verengte die Augen etwas - aber nicht böse oder so, nur ein bisschen skeptisch auf der Suche nach einem Schwindelchen.

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Re: Das Mädchen, das vom Himmel fiel

Beitrag  Esther am So 23 Dez 2018 - 16:09

„Wie—Wieso nicht?“ Verwirrt musterte sie den klatschnassen Jeansstoff an ihrem Rücken, aus dem eindeutig zwei halbdurchsichtige Flügel hervorgingen. Die waren vielleicht nicht groß und auch nicht sonderlich prächtig, aber auch nicht so mickrig, dass man sie übersehen würde. Von Weitem möglicherweise, aber doch nicht, wenn man direkt davor stand. Als Uriel ihr unterstellte sie würde lügen, drehte sie sich wieder zu ihm herum und schüttelte leicht, aber bestimmt den Kopf. Warum sollte sie ihn denn anlügen? Warum sollte sie irgendwen anlügen? „Nein! Ich bin wirklich ein Schutzengel“, beteuerte sie. Esther wusste zwar nichts über ihre Herkunft, wie es im Himmel aussah, wie alt sie eigentlich war und warum sie eine Stimme hörte. Aber sie war sich zu hundert Prozent sicher, dass sie ein Engel war. Und sie verstand gerade wirklich nicht, wieso Uriel das anzweifelte. „Wieso denkst du denn, dass ich lüge?“ Vielleicht hatte ihm schon einmal jemand erzählt er wäre ein Engel und es hatte sich hinterher herausgestellt, dass das nicht stimmte? Esther wollte es wirklich gern wissen, weshalb ihre Frage viel eher forsch als vorwurfsvoll klang.
Ohne Uriels Antwort abzuwarten, griff Esther nach seiner Hand und zog leicht an dieser, während sie schon einen halben Schritt nach vorn machte. „Können wir weitergehen?“, fragte sie freundlich und fuhr sich dabei mit der anderen Hand einmal übers Gesicht, um den feuchten Film, der ihr von der Stirn in die Augen lief, abzuwischen. Wohin — das wusste sie immer noch nicht. Aber jeder trockene Ort wäre ihr lieber und reden konnte man schließlich auch im Gehen.

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Re: Das Mädchen, das vom Himmel fiel

Beitrag  Uriel am Mo 24 Dez 2018 - 12:22

"Weiß nicht...", sagte ich, verwirrt über ihre Verwirrung. Sie war ja hier der Engel, woher sollte ich da wissen, warum ich ihre Flügel nicht sehen konnte? Und wenn sie eine Stimme in ihrem Kopf hörte, vielleicht... Bildete sie sich das Engelsein dann auch nur ein...? Nein, ich... War ja wirklich nicht gemein und ich glaubte den Leuten lieber, aber die ganzen Sachen, die da jetzt so zusammenkamen, machten es auch nicht so schwer, zu denken, dass sie einfach einen kleinen Knacks hatte und sich einbildete, ein Engel zu sein.
E-gal! Ich würde ihr erst mal glauben, bis das Gegenteil bewiesen war. Immerhin hatte ich immer mal einen Engel treffen wollen, und jetzt hatte ich die Chance. Doof nur, dass sie jetzt von mir wissen wollte, warum ich dachte, dass sie log... "Na ja, weil ich die Flügel nicht sehe und... Tja... Aber eigentlich sollte das nur'n Scherz sein. Ich glaub dir schon." Das stimmte ja auch. Dass sie nicht flunkern sollte, war nur eine scherzhafte Drohung gewesen. "Vielleicht kann ich deine Flügel ja auch nicht sehen, weil du ein Schutzengel bist und nur dein, äh, Schützling sie sehen kann?"
Dass sie ein Engel war und so erklärte dann aber wirklich, warum sie noch nie wen getroffen hatte und in so unpassenden Klamotten rumlief. Vielleicht hatten die da oben keinen besseren Körper für sie übrig gehabt. Und sie war halt grad erst angekommen.
Etwas überrascht senkte ich den Blick, als sie nach meiner Hand griff. "Klar!", sagte ich, weil sie weitergehen wollte. "Ist auch nicht weit, wir gehen einfach da vorne rein, da isses warm." Ich deutete mit der freien Hand zu einer vor den anderen etwas vorstehenden Hausfassade. In den Fenstern blinkte Licht und ein Schild verriet, dass es sich um ein Café handelte. Meine Hand zog ich nicht zurück, immerhin hatte Esther die jetzt einfach genommen.
Ich drückte die Tür auf und hielt sie für sie offen, damit sie schnell mit ins Warme kommen konnte. "Du kannst dir ja einen Platz aussuchen. Oder willst du vielleicht erst zur Toilette und dir das Wasser ein bisschen abwischen? Da gibt es ja so Handtücher oder Papiertücher." Das durfte sie bestimmt. Nur ihre Klamotten blieben halt leider nass.

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