"Mit freundlichen Grüßen."

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Re: "Mit freundlichen Grüßen."

Beitrag  Sunday am So 24 Jun 2018 - 16:32

Warum ihn jemand angreifen sollte, wenn er nicht darauf aus war, sein Blut zu trinken, war Sunday schleierhaft — und dass er gegen Vampire oder ähnliches nicht sonderlich viel machen könnte, (außer hoffen, dass sein Blut ungenießbar war) darauf hatten sie sich immerhin schon geeinigt. Bei anderen Angriffen würde er sich wehren... klar. Wie auch immer. "Das nenn ich 'n Sinneswandel." — wäre er so dreist, sie einfach anzutippen, um zu erfahren, wann und wie er gehen würde? Eventuell. Im Moment jedoch nicht. Nachdenklich nahm er einen weiteren Schluck, während sie ihr Frühstück zubereitete. Ein paar hundert Mal. Ein paar Hundert. Mit 70 Jahren. "Ordentliche Sammlung." Dass seine Antworten so kurz ausfielen, lag nicht am Alkohol, mehr an der Tatsache, dass er überlegte, ob er wirklich so vertrauenswürdig und gesittet wirkte, dass sie nicht befürchtete, er könne ihren Fluch einfach seiner Neugierde wegen ausnutzen. Vermutlich wirkte er einfach nicht neugierig genug — vielleicht könnte man auch meinen, einen Tod zu sehen, der noch so weit in der Zukunft lag, könne ihn demotivieren oder gar frustrieren, weshalb er es lieber im Ungewissen ließ. Beides traf irgendwie zu.
"Kannst du nicht jemanden anfassen, den Tod erleben und dann war's das für diese eine Person?" harkte er nochmal nach, sich auf dem Platz, auf dem er saß, wieder zum Couchtisch drehend, den er nun leicht angepisst niederstarrte. "Oder fasst du wirklich nie jemanden an?" — bestimmt war er nicht der erste, der sie mit Fragen durchlöcherte. Bestimmt auch nicht der erste, der diese Fragen stellte. Ob es repetitiv für Manja wurde oder nicht, war ihm jedoch völlig egal. Die 70-Jährige hatte bestimmt auch genug Lebenszeit übrig, um es zu erzählen. Und genug Zeit allgemein... Falls nicht, wüsste er immerhin auch, wo sie wohnte. Auch wenn er kaum glaubte, dass er je wieder einfach so hier auftauchen würde. Nicht als Besuch, nicht zum Scotch-Schnorren, nicht um die Detektei in Anspruch zu nehmen. Höchstens um den Kater wieder zu sehen — nach dem er auch in diesem Moment kurz Ausschau hielt.

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Sunday

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Re: "Mit freundlichen Grüßen."

Beitrag  Manja am So 24 Jun 2018 - 18:24

Sinneswandel - Ja, so könnte man das bezeichnen. Wenn ich mich recht erinnerte, was es ein kleines Mädchen, dass das bei mir ausgelöst hatte. Sie hatte rote Haare, wie ich, nur etwas heller und leuchtender. Ihre Augen waren dunkelbraun, warm und freundlich. Und sie war so aufgeweckt und neugierig. Ich sah ihr beim Spielen auf einem Spielplatz zu. Ihre Mutter saß mit einer Freundin in der Nähe auf einer Bank und unterhielt sich mit ihr. Deren Sohn war ebenfalls auf dem Spielplatz, spielte mit dem Mädchen. Die beiden Mütter spekulierten augenscheinlich über ihre Kinder und als ich ein paar Schritte näher kam, erfuhr ich, wie schön sie es fänden, wenn ihre Kinder Freunde blieben, irgendwann vielleicht ein Pärchen wurden oder gar heirateten.
Ich schob den Gedanken hastig beiseite. "Manchmal muss erst irgendwas schlimmes passieren, ehe man bemerkt, was für ein Glück man eigentlich hat." Die Bemerkung über die Sammlung fand ich fast schon etwas zu passend, weil ich es damals tatsächlich ein bisschen so betrachtet hatte. "Naja, wenn man etwa 5 Jahre lang fast täglich durch die Straßen läuft und alle möglichen Leute anfasst... Ein Jahr hat 365 Tage. Da kommt schon einiges zusammen."
Auf seine Frage hin, sah ich verwundert zu ihm herüber und zog die Brauen zusammen. "Meinst du, ob ich den Tod einer Person nur einmal erlebe?", hakte ich nach, ehe ich den Kopf schüttelte, "So funktioniert das leider nicht. Wenn ich dich berühre, erlebe ich es. Berühre ich dich nochmal, erlebe ich es wieder. Und wenn du dann schließlich stirbst, erlebe ich es auch nochmal in der Folgenacht im Schlaf." Ich machte eine kurze Pause, um das sacken zu lassen. "Ich fasse wirklich nie jemanden direkt an. Wie gesagt, eigentlich trage ich immer Handschuhe."
Constantine II. hatte es sich auf dem Teppich in der Mitte des Raumes gemütlich gemacht und döste augenscheinlich vor sich hin. Wenn man ihn aber genauer betrachtete, würde man sehen, dass er die Augen ein wenig geöffnet hatte und das Treiben im Raum zu beobachten schien.

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Re: "Mit freundlichen Grüßen."

Beitrag  Sunday am So 24 Jun 2018 - 18:51

Ihr war also etwas schlimmes passiert. Noch mehr? Keimte da sogar etwas Empathie in dem Weißhaarigen auf? Wie auch immer; leicht nickte er, ihre Aussage zur Kenntnis nehmend. Glück hatte er selbst zwar eher selten, doch kannte er die 70-Jährige definitiv zu wenig, um ihre Sicht auf die Dinge zu beurteilen. Oder zu wissen, woher der plötzliche Sinneswandel gekommen war. Vielleicht hatte sie die Liebe ihres Lebens getroffen, hatte sich einer religiösen Bewegung angeschlossen, sammelte plötzlich Briefmarken oder hatte irgendeine übermenschliche und abgedrehte Erfahrung gemacht, die das Durchleben hunderter Tode noch toppte. 5 Jahre lang durch die Straßen zu laufen, um Leute anzufassen, klang in seinen Ohren unfreiwillig falsch, weshalb er lediglich mit den Schultern zuckte, nicht einmal darum bemüht, wirklich interessiert zu wirken.
Vielleicht ging ihr das Thema inzwischen sogar auf die Nerven — weshalb sich Sunday mit der Antwort, dass sie tatsächlich nie jemanden direkt anfasste dann doch zufrieden gab. Lediglich ein knappes "Anstrengend." ließ er noch hören, beließ es allerdings dabei. Keine weiteren Fragen, keine weiteren Bemerkungen, keine Blicke, die dazu aufforderten, dass sie von sich aus mehr erzählte. Bestimmt würde ihr weiteres Herumkramen in den eigenen, vermutlich traumatischen Erinnerungen nur den Appetit verderben — und das wäre ziemlich verschwenderisch. Während des kurzen Schweigens kratzte er sich grob über den Handrücken, sah sich wieder um, wobei ihm nun der schlafende Kater auffiel — dem er es gerne gleichtun würde. Vielleicht nicht hier und jetzt, doch in seiner Wohnung und gleich würde ebenso genügen. Auch wenn seine Wohnung nicht ansatzweise so sauber, aufgeräumt und groß war wie die, in der er sich gerade befand. Stattdessen zierten leere Bier- und Whiskeyflaschen seinen Boden, seine (seltsamerweise noch alle perl-)weißen Klamotten hingen über dem Mobiliar und seine Federn und Daunen schienen sowieso überall verstreut zu sein, wo er seine Flügel ausbreitete. Was er in den eigenen vier Wänden eben ständig tat — und somit auch das ein oder andere zu Bruch brachte. Aus dem nichts hob er eine Hand leicht an, damit kurz und nichtssagend in der Luft herumwedelnd. "Geht mich ja auch überhaupt nichts an, wen du wie anfasst, he." Sein Glas war inzwischen wieder geleert, doch hatte er nicht sonderlich viel Lust, es wieder zu füllen — stattdessen stellte er es nur auf den Couchtisch und kramte in seiner Hosentasche, dann in der Brusttasche seines weißen Hemds nach der anderen Lieferung, die er heute noch überbringen müsste.

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Re: "Mit freundlichen Grüßen."

Beitrag  Manja am So 24 Jun 2018 - 20:09

Da er nicht mehr sonderlich viel dazu sagte, ließ ich das Thema fallen und schob mir mein Frühstück auf einen Teller, ehe ich es hinüber zur Couch trug und mich setzte. "Was für eine Art Tierwesen bist du eigentlich?", fragte ich nun und bemerkte verdutzt, dass er etwas in seinen Taschen zu suchen schien. "Hast du etwas verloren?" Dann ging mir durch den Kopf, dass er vielleicht noch etwas zu tun hatte. "I-ich hoffe, ich halte dich nicht davon ab deinen Job zu machen." Da er dauerhaft schlechte Laune zu haben schien, hatte ich das nicht weiter beachtet, aber vielleicht hatte er auch den einen oder anderen Grund schlechte Laune zu haben. Zum Beispiel weil ich ihn aufhielt oder mit Dingen zu Boden quatschte, die er gar nicht hören wollte. Ach Mist... Ich hatte tatsächlich angefangen zu Plappern. Schon wieder. "Tut mir leid, wenn ich zu viel rede."
Es war irgendwie eine schlechte Angewohnheit auf Fragen zu viel zu antworten. Und sollte man der Meinung sein, dass das nicht möglich war, sollte man mich besser nicht fragen, was ich für den schönsten Platz Aedas hielt. Die Antwort würde ziemlich lang ausfallen...

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Re: "Mit freundlichen Grüßen."

Beitrag  Sunday am So 24 Jun 2018 - 20:43

Der Geruch ihres Frühstücks veranlasste ihn dazu, leicht die Mundwinkel zu verziehen, doch verschwand die Reaktion ebenso schnell, wie sie gekommen war. "Meine Familie identifiziert sich mit Adlern."was ein Zufall. "Ich bin ja, wie gesagt, n' Ausnahmfall. Außer meiner halbdämonischen Mutter hatten alle ihre Flügel 24/7. Gute Augen, Jagdtrieb und so'n Zeug." Vielleicht hatte er ja irgendwo auch Glück, zivilisierter zu wirken als sein Vater beispielsweise? Auch wenn dieser schon immer in Städten gelebt hatte — und dementsprechend oft Ausflüge aus der Stadt heraus unternommen hatte. Sunday hatte zwar einen ganz ähnlichen Drang, frei zu sein, doch hing es bei ihm nur wenig mit irgendeinem Jagdtrieb zusammen. Gar nicht, um genau zu sein. Dass sie ihn darauf ansprach, dass er in seinen Taschen herumkramte, brachte ihn dazu, kurz innezuhalten, allerdings nur, um den Kopf zu schütteln — und dann den Umschlag, nach dem er getastet hatte, aus seiner Brusttasche zu ziehen. Ganz klischeehaft war der Umschlag mit einem roten Herz bedruckt, als wäre es mit der verschnörkelten Schrift ('an meine Liebste') nicht schon offensichtlich genug, dass es sich hier nicht um eine Steuererklärung handelte. Kurz wedelte Sunday mit dem Umschlag herum, folgte der eigenen Bewegung mit dem Blick und sah dann zurück zu Manja. "Ich liefere das besser aus, wenn ich nich' mehr wie die Alkoholabteilung im nächsten Supermarke rieche." Neutral betrachtete er den weißen Umschlag zwischen seinen blassen Fingern. "Sowieso, ich wär' nich' hier, würdest du mich aufhalten. So viel Selbstkontrolle hab' ich dann doch." — hieß das nicht insgeheim, dass er hier sein wollte? Kurz rümpfte er die Nase. Irgendeine Beschäftigung brauchte er ja. Verpflegung war hier gleich inklusive — fast. "Uff, mach dir doch nich' so'n Kopf." Vielleicht war Manja tatsächlich nicht klar, dass Sunday aufstehen und gehen würde, würde es ihm den letzten Nerv rauben. Wieder drehte er das gefaltete Papier im Umschlag zwischen den Fingern, stützte den Ellenbogen auf sein Knie und den Kopf auf seine Hand. "Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie viel Liebeskram ich ausliefern soll. Dass sich die Leute noch die Mühe machen, handschriftliche Briefe zu schreiben, is' eigentlich ganz nett."Er könnte es sonst ja nicht wissen. Ihm immerhin schrieb niemand. Auch nicht auf's Handy. Außer es ging um Botengänge oder vergleichbares. Sonderlich traurig war er deswegen allerdings nicht. Oder redete sich das zumindest ein.

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Re: "Mit freundlichen Grüßen."

Beitrag  Manja am So 24 Jun 2018 - 21:50

Mit Adlern also. Das klang irgendwie cool. Adler waren schöne Vögel. Das erklärte nun immerhin die schönen Flügel. Und hübsch war er ja auch, auch wenn ich ihm das nicht so sagen würde. "Also bist du etwas besonderes, wenn du in der Lage bist deine Flügel... zu verwandeln." Also, in Tattoos. Das fand ich noch immer ziemlich erstaunlich. Vor allem, weil beides - Flügel und Tattoo - so ästhetisch waren.
Als er offenbar gefunden hatte, was er suchte, schwenkte er kurz einen weißen Umschlag mit einem roten Herzen, was ziemlich eindeutig machte, was das für ein Brief war. Oh, wie romantisch. Ich wünschte, mir würde mal jemand einen Liebesbrief schreiben. Aber dafür müsste ich nicht nur einen passenden Mann kennen lernen, sondern er musste auch die entsprechenden Gefühle für mich haben. Constantine würde wohl kaum einen Brief schreiben. Geschweige denn einen Liebesbrief. Überhaupt fragte ich mich, ob Constantine handschriftliche Schreiben aufsetzen konnte. Aber den Gedanken schon ich direkt wieder von mich und merkte ihn mir für das nächste Gespräch mit dem Vampir. "Gut. Ich hätte wahrscheinlich ein furchtbar schlechtes Gewissen, wenn ich dich von der Arbeit abhalten würde."
Ich war froh, dass ich ihn offenbar nicht mit meinem Geblubber - also dem vielen Gerede - genervt hatte und lächelte etwas zurückhaltend und kratzte mir leicht über die Nasenspitze. "Da bin ich froh." Zu seiner Bemerkung über den Liebeskram, musste ich dann doch echt lächeln. "Ich glaube, wenn ich verliebt wäre, würde ich auch solche Briefe schreiben." Und Bilder hinein tun. Oder andere kleine Dinge. "Es hat etwas sehr persönliches."

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Re: "Mit freundlichen Grüßen."

Beitrag  Sunday am So 24 Jun 2018 - 22:10

Besonders untalentiert? Ihre Aussage kassierte von ihm einen fast tadelnden Blick — die Diskussion würde er mit ihr nun allerdings nicht nocheinmal anfangen. Im Endeffekt war es sowieso Ansichtssache. Ebenso ein schlechtes Gewissen ; etwas, das Sunday nur sehr selten hatte. Und es noch seltener zugeben würde. Was ihm allerdings Gedanken bereitete war die Tatsache, dass er in dieser Unterhaltung schon viel zu zahm geworden war — was ihn nicht nur nachdenklicher, sondern auch nervöser werden ließ. Manja's Worte ließ er also noch verklingen, den Dialog allerdings nicht sonderlich weiterführend. Besser, er würde sich bald wieder auf den Weg machen.
. . .

Sein Gang glich mehr dem eines einbeinigen Seemanns als dem eines gesunden Stadtbewohners, die leicht mit getrocknetem Blut gezierten Hände stützte er ab und an an der kühlen Häuserfront ab, umklammerte ab und an ein Treppengeländer — eben alles, an dem er sich festhalten konnte, damit das Gewicht seiner Flügel ihn nicht wie einen Käfer auf den Rücken fallen ließ. Die Wunde, die er sich in den linken Flügel gerissen hatte, hatte zwar aufgehört zu bluten, pochte dafür allerdings unangenehm — vermutlich hing noch die ein oder andere Scherbe in dem ehemalig schönen Weiß. Der Schmerz, den er vermutlich spüren sollte, war betäubt von all dem Alkohol, den er intus hatte. Dieser war allerdings auch Schuld daran, dass er weder wusste, wie viel Uhr es war, noch sagen konnte, wieso seine Füße ihn in diese Straße getragen hatten — doch kam ihm eine dieser Haustüren so schrecklich bekannt vor. Noch bevor er sich hätte ernsthafte Gedanken darüber machen können, wer hinter dieser Tür lebte, hatte er die Klingel auch schon (mehrmals, sturmartig) betätigt, seine fast-leere Bierflasche neben seinen Füßen abgestellt und sich mit der Schulter an den Türrahmen gestützt. Den Kopf ließ er nur angesträngt hängen, fasste sich mit einer Hand an die Schläfe, die ebenso unangenehm pochte, während er sogar im Stehen leicht hin und her wankte. Etwas über den Durst hinaus getrunken — war ja nichts neues. Dass er jedoch gerade dann in eine Glasflasche fallen musste, die sich in seinen Flügel gebohrt hatte, zeugte nur wieder von seinen unsäglichen Pech. Fast schlief er ein, im Stehen, vor der Haustür wartend, doch beschränkte er sich darauf, einfach nur die Augen zu schließen und zu warten, dass sich die Haustür öffnete.

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Re: "Mit freundlichen Grüßen."

Beitrag  Manja am So 24 Jun 2018 - 23:17

Ehe Sunday ging, gab ich ihm natürlich das noch versprochene Trinkgeld und drückte ihm ein paar Lién in die Hand, ehe ich ihn zur Tür begleitete und dann auch freundlich verabschiedete. Auch wenn er an sich ein bisschen grob war... so hatte ich doch noch immer den Eindruck, dass er kein schlechter Kerl sei.

*~*~*~*

Der Tag ist erstaunlich ereignislos gewesen - also eigentlich fast wie jeder andere. Es war nun bereits etwas spät und ich hörte gerade leise Musik, während ich etwas nachdenklich auf der Couch saß, Constantine II. streichelte und... Ja, depressiv war. Ich hatte viel zu wenig zu tun gehabt und deshalb viel zu viel nachgedacht, was nicht gerade gut für mein seelisches Wohlbefinden war. Ich spielte sogar mit dem Gedanken Uriel oder Constantine anzurufen, um mich abzulenken, aber ich wollte keinen von beiden mit meiner Heulerei auf die Nerven gehen.
Ich war so in Gedanken, dass ich vor Schreck zusammen zuckte, als es plötzlich und ziemlich oft klingelte, womit ich den armen Streuner erschreckte, der mit einem Satz von der Couch sprang und davon huschte. "Entschuldige, Constantine.", murmelte ich und fühlte mich etwas komisch dabei, das so zu sagen. Ich sollte ihn weiter Streuner nennen... Wie hatte ich nur auf die Idee kommen können den Kater so zu nennen?
Leise seufzend stand ich auf und ging hinaus auf den Hausflur, ehe ich die Tür öffnete und verblüfft stehen blieb. Wer hätte das gedacht? "Sunday.", begrüßte ich ihn überrascht und wedelte etwas mit der Hand vor meiner Nase herum, weil er ziemlich nach... Alkohol roch. "Kommst du gerade aus einer Schnapsbrennerei? Was ist los?" Erst auf den zweiten Blick fiel mir auf, dass er nicht so gut aussah. Er hatte... trockenes Blut an den Händen und er lehnte ziemlich erschöpft an dem Türrahmen. "Bist du verletzt?"

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Re: "Mit freundlichen Grüßen."

Beitrag  Sunday am So 24 Jun 2018 - 23:40

Kaum öffnete sich die Tür, wurde Sunday nicht nur bewusst, bei wem er gerade geklingelt hatte, sondern auch, dass jede falsche Bewegung seinen Mageninhalt an die Freiheit locken könnte — was er eigentlich vermeiden wollte. Zum einen, weil er eine Menge Geld für den Alkohol ausgegeben hatte, zum anderen, weil es nie sonderlich angenehm war, irgendwohin zu kotzen. Die Stimme, die seinen Namen aussprach, brachte ihn dazu, die gelben Augen langsam wieder zu öffnen, heftig blinzelnd, als das Licht aus dem Flur auf ihn traf. Schnapsbrennerei? "Schön wär‘s." Sein Hals kratzte unangenehm bei den zwei Wörtern, seine Wirbel knackten leicht, als er die Schultern anspannte und den Kopf wieder anhob. Manja — ihr Anblick trieb sogar ein leichtes Lächeln auf seine blassen Lippen, das man wohl nur so sehen konnte, wenn er besoffen war. Wie jetzt. "Aahh~ Du also." Zittrig und unkoordiniert hob er einen Arm an, deutete auf die kleinere Rothaarige und zeichnete vor ihren Augen wirre Zeichen in die Luft, sich währenddessen vom Türrahmen abstoßend. Fast könnte man meinen, er würde ihr jeden Moment auf die Stirn tippen, doch konnte er sich noch zurück halten. Ihre Frage, ob er verletzt sei, beantwortete er zunächst mit einem leichten Zischen, in dem ein amüsierter Unterton mitschwang. "Man-jaaa, willst du-" Die Frage blieb zunächst unbeendet im Raum stehen (oder eben im Freien), während Sunday ungalant den Blick senkte und mit dem Arm nach seiner Bierflasche angelte, die er mit etwas Mühe aufheben konnte — und sie gleich der Rothaarigen hinhielt. Die Flügel bewegte er etwas unbeholfen, vor allem mit der verletzten Schwinge schien er nicht viel anfangen zu können. "Hab'ich dir mitgebracht." — als wäre es seine Eintrittskarte, wie das letzte Mal die Blumen. Die ganze Kohlensäure und der unruhige Magen meldeten sich nun, weshalb er den Handrücken der anderen Hand schon auf seinen Mund pressen wollte, dann allerdings innehielt — und stattdessen das getrocknete Blut anstarrte, wobei das Lächeln schlagartig wieder verschwand. "Oh." Direkt versuchte er, das dunkelrot an seinem weißen Oberteil abzuwischen, doch gelang ihm das nicht so recht — weshalb er es schnell wieder aufgab und stattdessen wieder die Rothaarige ansah. "Ich muss dein... Waschbecken benutzen." Seine Aussprache war verwaschen, doch verstand sie ihn hoffentlich noch.

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Re: "Mit freundlichen Grüßen."

Beitrag  Manja am Mo 25 Jun 2018 - 14:02

Ich war mir noch nicht ganz sicher, was ich von seinem Zustand halten sollte, als er mich doch tatsächlich anlächelte, ehe er mit seiner Hand vor mir herum fuchtelte. Einen Moment dachte ich, er würde mich anfassen wollen, doch da ließ er die Hand bereits fallen und setzte zu einer Frage an, die er allerdings nicht beendete. "Möchte ich... was?", fragte ich neugierig und betrachtete skeptisch die fast leere Bierflasche, die er mir danach hinhielt. Hab'ich dir mitgebracht. Wie... "Reizend.", entgegnete ich und nahm sie entgegen. Nicht, weil ich das Zeug trinken wollte oder so, sondern damit er sie nicht vielleicht noch fallen ließ oder unachtsam irgendwo hier hinstellte.
"Vergiss das Waschbecken.", entgegnete ich auf seine Worte und griff nach seinem Handgelenk, um ihn sanft hinein zu ziehen. "Du brauchst eine Dusche." Er roch wirklich ganz fürchterlich. Ich gab mir Mühe ihn nicht zu schnell herein zu ziehen, da er betrunken zu sein schien und ich nicht wollte, dass er sich hier auf dem Boden lang machte oder sogar erbrach. "Ist das dein Blut an den Händen oder das von jemand anderem?", fragte ich weiter, in der Hoffnung, endlich eine Antwort darauf zu bekommen, ob er betrunken war. Sollte er verletzt sein, könnte ich ihn verarzten.

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Re: "Mit freundlichen Grüßen."

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