Telefonisches Schäferstündchen ♥

Seite 22 von 34 Zurück  1 ... 12 ... 21, 22, 23 ... 28 ... 34  Weiter

Nach unten

Re: Telefonisches Schäferstündchen ♥

Beitrag  Manja am Do 12 Jul 2018 - 12:35

"Entschuldige.", murmelte ich etwas amüsiert, "Ich sollte vielleicht keine Witze darüber machen." Aber er wirkte nicht, als würde er sich angegriffen fühlen, also machte ihm das vielleicht gar nichts aus. Ich hatte ja eher das Gefühl, als würde er es mit Humor nehmen. Das wir noch immer telefonierten, lag wahrscheinlich daran, dass wir immer ein neues Thema angesprochen hatten, wann immer wir - oder ich? - vor hatten das Telefonat langsam zu beenden. Du bist sehr konsequent, Manja.
"Danke.", entgegnete ich auf seine Bereitschaft sich etwas umzuhören. Er hatte vielleicht auch Recht, dass es helfen würde, wenn ich aktiver suchte. Tatsächlich suchte ich nämlich gar nicht, da ich schlichtweg nicht glaubte, dass man an dem Fluch irgendwas ändern könnte. Ich wusste ja nicht mal, woher ich ursprünglich kam. Vielleicht bin ich nicht einmal aus der Gegend, wie Cederic, der im Kasuka-Gebirge aufgewacht war. Vielleicht kam ich eigentlich aus dem Pitchmoor oder gar aus einem anderen Land. Wer, außer meinen leiblichen Eltern, wusste das schon? "Ich werde mich auch mal etwas umhören und nachfragen, ob jemand jemanden kennt."

__________________________________
avatar
Manja

- optisch 25

- Verfluchte

- Amilawald | Der Waldrand

Anzahl der Beiträge : 976
Anmeldedatum : 06.02.18


Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: Telefonisches Schäferstündchen ♥

Beitrag  Constantine am Do 12 Jul 2018 - 13:23

"Ja, vielleicht", gab er zu, klang aber tatsächlich nicht gekränkt. Man musste das jedoch bei ihm hin und wieder mit Vorsicht genießen, denn nicht in jeder Situation und nicht mit jedem Hintergedanken fand er solche Bemerkungen in Ordnung. Offensichtlich nicht, wenn sie verletzend gemeint waren. Oder seine Blindheit ihn mehr und auf negative Weise beschäftigte. Aber Manja hatte ihn ja nicht beleidigt oder so, also passte das schon.
"Brav", schnurrte er leise ins Telefon, als sie meinte, sich ebenfalls umhören zu wollen, "so wird das sicher viel eher was." Beurteilen konnte er das kaum, doch wenn sie wirklich gar nichts tat, zumindest dann kam wesentlich weniger bei rum. "Und gleich morgen fängst du am besten damit an. Also mach jetzt deine Augen zu und schlaf, damit morgen schneller kommt..." Constantines Tonfall blieb gesenkt und ein wenig rau vom Säuseln. Er übertrieb es absichtlich, damit sie wenigstens mögliche unangenehme Gedanken ablegte. Reichte ja, wenn gleich einer von ihnen noch wach lag und sich sein Schicksal begrübelte.

__________________________________
Every time we lie awake, After every hit we take, Every feeling that I get, But I haven't missed you yet
Kennt/aktuell bei: Artorias, [Mephistopheles], Cassiopeia, Ayumi, Annabelle, Lyra, Rukus, Leona Silberberg, Loki, Andrew, Manja, Cederic, Nagisa
avatar
Constantine

- 122

- Geborener Vampir

Anzahl der Beiträge : 1750
Anmeldedatum : 10.09.16


Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: Telefonisches Schäferstündchen ♥

Beitrag  Manja am Do 12 Jul 2018 - 16:27

Ich bekam eine Gänsehaut, als er ins Handy schnurrte und wieder... auf diese reizende Art und Weise sprach, die mir ganz unanständige Gedanken bescherte. Dann seufzte ich ein weiteres Mal. "Du hast ja Recht." Wir wussten beide, dass es viel zu spät war. "Aber schlaf du dann auch. Du bist sicher auch müde." Ich streckte mich ein wenig, gab dabei unfreiwillig ein wohliges Stöhnen von mir und vergrub mich dann wieder in meinen Kissen. "Träum dann etwas schönes und ruh dich gut aus." Was er mit Sicherheit ohnehin tun würde. Wovon ein blinder Vampir wohl so träumte? Vielleicht sollte ich ihn das mal fragen. Ein andern Mal.

__________________________________
avatar
Manja

- optisch 25

- Verfluchte

- Amilawald | Der Waldrand

Anzahl der Beiträge : 976
Anmeldedatum : 06.02.18


Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: Telefonisches Schäferstündchen ♥

Beitrag  Constantine am Do 12 Jul 2018 - 18:13

"Ich habe grundsätzlich immer recht", behauptete er ganz dreist, obwohl ihm klar war, dass dem nicht so war. Was ihn wohl von vielen anderen Leuten unterschied, die behaupteten, immer recht zu haben... Er schwieg kurz, als sie fortfuhr, und senkte wieder den Blick als ob das irgendetwas ändern würde. Weder sah er dabei etwas, noch konnte sie es sehen.
"Ich träume zum Glück nicht so oft", erwiderte er letztlich, statt nur den Gruß zu erwidern und aufzulegen. "Ich hoffe eher, dass du keinen Alptraum hast. Und ich werde schlafen, ja. Keine Sorge. Wird langsam auch für mich Zeit." Die Zeiten, wo er ein paar Stunden am Tage schlief, waren irgendwie schon seit einigen Monaten vorbei; ständig kam irgendetwas dazwischen, das ihn zwang, tagaktiv zu sein, statt die Nacht nutzen zu können, sich ohne juckende Haut und Kopfschmerzen bei klarem Himmel draußen herumzutreiben. Eigentlich mochte er die Nacht auch lieber, aber nun... Ihn fragte ja niemand.

__________________________________
Every time we lie awake, After every hit we take, Every feeling that I get, But I haven't missed you yet
Kennt/aktuell bei: Artorias, [Mephistopheles], Cassiopeia, Ayumi, Annabelle, Lyra, Rukus, Leona Silberberg, Loki, Andrew, Manja, Cederic, Nagisa
avatar
Constantine

- 122

- Geborener Vampir

Anzahl der Beiträge : 1750
Anmeldedatum : 10.09.16


Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: Telefonisches Schäferstündchen ♥

Beitrag  Manja am Do 12 Jul 2018 - 19:24

Mein Mundwinkel zuckte bei seiner Behauptung, er hätte grundsätzlich immer Recht, aber ich sagte nichts weiter dazu. Ich hielt ihn für intelligent genug zu wissen, dass niemand immer Recht hatte. "Danke.", murmelte ich schließlich, als er sagte, er hoffe, ich hätte keine Albträume. Ich hoffte das auch. Besonders, weil es bedeutete, dass niemand starb. "Gut, dann... Gute Nacht und... bis hoffentlich bald. Viel Erfolg morgen." Bei der Arbeit.
Ich wartete noch ab, ob er etwas erwiderte, legte dann aber auf und schob das Handy beiseite, ehe ich mein Gesicht in eines meiner Kissen schob, tief seufzte und verlegen lächeln musste, weil ich noch immer nur meinen Slip trug. Wenn Ced das wüsste, bekäme er mit Sicherheit einen Herzinfarkt oder so.
Bald darauf schlief ich auch schon tief und fest.

__________________________________
avatar
Manja

- optisch 25

- Verfluchte

- Amilawald | Der Waldrand

Anzahl der Beiträge : 976
Anmeldedatum : 06.02.18


Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: Telefonisches Schäferstündchen ♥

Beitrag  Constantine am Do 12 Jul 2018 - 20:22

Er schmunzelte leicht. "Werde ich schon haben. Und du vergiss nicht, dich zu kümmern", sagte er zu ihr und schob den Kopf noch einmal etwas zurecht. Er hob ihn im Anschluss jedoch an und beugte sich über das Handy, sodass er quasi direkt hineinsprach. "Und wehe, du ziehst dich noch an... Gute Nacht." Und dann tippte er mit dem Zeigefinger auf das Display, was für Grete die Aufforderung war, den Kontakt zu unterbrechen.
Einen Moment lang "blickte" er noch auf das Gerät hinunter, schob es dann aber erst zur Seite, griff es dann und legte es auf dem Nachttisch ab. Und dann rollte er sich richtig auf der Seite zusammen und zog die Decke bis über die Schulter. Im Gegensatz zu Manja würde er noch eine ganze Weile lang so wach liegen und nicht zur Ruhe kommen (obwohl er mittlerweile wirklich müde war).
Und er würde träumen. Wie beim letzten Mal, als er zuletzt ihre Stimme gehört hatte, bevor er sich zum Schlafen zurückgezogen hatte. Und erneut würde es kein besonders schöner Traum werden...

__________________________________
Every time we lie awake, After every hit we take, Every feeling that I get, But I haven't missed you yet
Kennt/aktuell bei: Artorias, [Mephistopheles], Cassiopeia, Ayumi, Annabelle, Lyra, Rukus, Leona Silberberg, Loki, Andrew, Manja, Cederic, Nagisa
avatar
Constantine

- 122

- Geborener Vampir

Anzahl der Beiträge : 1750
Anmeldedatum : 10.09.16


Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: Telefonisches Schäferstündchen ♥

Beitrag  Constantine am Mi 22 Aug 2018 - 11:39

(Ich hoffe, ich verwirr dich nicht xD Ich muss mich hier nur einmal austoben, weil das Gespräch mit der Mutter jetzt sonst nirgends mehr hinpasst ^^" - du darfst es natürlich trotzdem lesen xD)

Es war davon auszugehen, dass das Abbild von Mahynoor in Constantines Traum dem echten Exemplar relativ nahe kam, obwohl er Lady Bloodrain an sich noch nie gesehen hatte. Das einzige, was zu wünschen übrig lassen durfte, war die Intensität der Farben, die an manchen Stellen sehr blass, an anderen viel zu lebhaft und grell war, weil seine Erinnerungen Schwierigkeiten hatten, sie in die richtige Relation zu setzen. Schließlich hatte er seit hundert Jahren keine Farbe mehr gesehen. Mahynoor war in seinem Traum auch etwas größer, ihr Haar etwas länger. Und die Iriden vielleicht etwas blutiger eingefärbt als sie normal gewesen wären.
"Konntest du alles erledigen, was du erledigen wolltest?", fragte sie und erhob sich von dem alten Sofa seiner Eltern, das recht identisch mit dem war, wie es in der Realität auch aussah.
Constantine war gerade ins Wohnzimmer (der Eltern in dem alten Elternhaus) getreten. "Ja."
Mahynoor trug ein rotes, elegantes Kleid ohne Träger und mit tiefem Ausschnitt. Über ihre Schultern und in ihr Dekolleté hinunter wanden sich die roten schlanken Ahornblätter, die normalerweise ihren rechten Oberarm zierten (was Constantine jedoch nicht auffiel, im Traum wirkte alles sehr normal). Um ihren Hals lag eine Goldkette, sie trug Goldohrringe mit Rubinen darin. "Sehr gut. Komm her..."
Es wirkte auch gar nicht unpassend, dass ihre Füße bloß waren. Ein goldener Armreif in Form einer Schlange lag um ihr linkes Handgelenk, als sie die Hand ausstreckte und ihn so aufforderte, näherzutreten. Er ließ zu, dass sie seine Hand nahm, ihn an sich zog und ihn umarmte. Ihr Körper fühlte sich hart und kalt an wie Stein, aber angenehm präsent und aufrichtig. Er legte die Arme um ihre Taille und lehnte die Wange an ihren Kopf, als sie diesen wiederum an ihn lehnte.
"Ist schon gut...", sagte sie leise.
Sein Blick fiel zur Seite auf den Sessel seines Vaters, der mit schwarzem Stoff überspannt war. Eine weiße Lilie lag auf dem bedeckten Polster. Seine Aufmerksamkeit blieb mehrere Sekunden lang an der filigranen Blüte hängen, ehe etwas anderes sie in seinen Bann zog. Ein geöffneter Briefumschlag. Darauf das Logo des Main Hospital (das in der Realität völlig anders aussah). "Was ist das?", fragte er und löste sich von Mahynoor.
Deren Griff um seinen Rücken wurde kurz fester, als wollte sie ihn daran hindern, den Brief näher in Augenschein zu nehmen, doch sie gab ihn letztlich frei. "Deine Ergebnisse."
Er nahm den Umschlag an sich. Er war leer. "Hast du ihn geöffnet?", fragte er sie.
"Oh, nein. Das war Bernadette" - der Zweitname der Mutter - "Sie hatte mich gefragt, ob es wohl in Ordnung sei." Mahynoors Augen funkelten leicht.
"Wo ist sie?"
"Oben?"
Constantine ließ sie stehen und war drei Sekunden später bereits auf der Schwelle zum Schlafzimmer seiner Eltern im oberen Stockwerk stehen geblieben. Seine Mutter saß in einem weißen Kleid und mit angezogenen Beinen mitten auf dem Bett und hob den Kopf, als sie ihn bemerkte. "Wie konntet ihr mir das antun...?", klagte sie. Auf ihrem Gesicht glänzten Tränen. Vor sich hielt sie ein Blatt Papier. Das Kleid war in ihrem Schoß und auf Höhe des Bauches getränkt mit Blut. Blut lief auch an ihren Handgelenken hinab. Und Blut breitete sich über ihrem Herzen aus.
"WIE?!"


Der Traum war Ausschlaggeber dafür gewesen, dass der Anruf ihn nicht so viel Überwindung gekostet hatte wie er es ansonsten getan hätte. Er hatte schon einmal Angst gehabt, dass seine Mutter starb, und da spielte es jetzt gerade auch keine so große Rolle, dass ihm klar war, dass er nur geträumt hatte.
Schon wieder einen visuellen Traum. Die schafften es ja immer besonders einfach, ihn aus der Bahn zu werfen (besonders, weil ihn wieder ewige Dunkelheit umfing, sobald er die Augen öffnete, aber auch, weil sie in der Regel sehr intensiv waren). Es waren nur sehr selten schöne Träume, die er so hatte. Was vielleicht deshalb ganz gut war, weil er so nicht vermisste, was er im Traum gesehen hatte.
"Hallo Constantine."
Er schloss die Augen und atmete langsam aus, als die Stimme seiner Mutter aus dem Lautsprecher des Smartphones zu hören war.
"Ist etwas passiert? Warum rufst du an?" Ein besorgter Unterton war in dem angenehmen weichen Alt zu hören. Und aus irgendeinem Grund gefiel es Constantine nicht so ganz, dass seine Mutter sofort meinen könnte, es gäbe einen negativen Auslöser für seinen Anruf. Dabei... Hatte sie wohl nicht ganz Unrecht; er rief sie quasi nie an, nur um mit ihr zu reden.
"Nein, alles in Ordnung", sagte er und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Er saß noch im Bett. Nur frische Luft von draußen wehte herein, weil er das Fenster geöffnet hatte. Sie strich ihm über das Gesicht und die Haut am Oberkörper. "Ich wollte nur hören, wie es dir geht... Und Vater."
Scheinbar überraschte das Emilia ein wenig, denn sie blieb kurz still. "Es geht uns gut, denke ich. Den Umständen entsprechend. Dein Vater ist seit ein paar Tagen wieder auf den Beinen, aber er ist noch krankgeschrieben."
"Gut...", meinte er leise und senkte den Blick aus den blinden Augen vor sich auf die Bettdecke. Irgendwo dort, wo seine Oberschenkel sich befanden.
"Ja... Aber er wird langsam ein wenig ungeduldig. Du kennst deinen Vater. Er ist der Ansicht, dass er zurecht kommt und sich um das Büro kümmern kann. Gestern wollte er sogar schon losfahren und nach dem Rechten sehen, aber ich konnte ihn zum Glück noch davon abhalten. Wir haben stattdessen einen kleinen Spaziergang im Park gemacht. Es war ganz gut, dass er nicht gefahren ist, viel mehr schafft er noch nicht." Der Tonfall seiner Mutter war nun betont positiv und hell, was ihm sagte, dass sie ein Lächeln aufgesetzt hatte, doch Constantine glaubte nicht, dass sie wirklich so gutgelaunt war, wie sie sich gab.
Es war einfach... Verdammt bitter zu hören, dass für einen Vampir ein kleiner Spaziergang anstrengend war... Auch, wenn es um seinen Vater ging oder... Vielleicht auch gerade deshalb; Jason Thorne war schließlich immer noch sein Vater. Aber auch in Anbetracht der Tatsache, dass Constantine dabei an sein eigenes Schicksal dachte... Wie grauenhaft die Vorstellung einfach war...
"Mein Schatz?"
"Entschuldige, Mutter. Uhm... Wie kommst du zurecht?", fragte er, mit etwas Betonung auf dem Du, damit ihr klar war, dass es auch wirklich um ihr Befinden ging und sie mit der Sprache rausrücken sollte.
Seufzte und er konnte geradezu spüren, wie sie sich durch die langen hellbraunen Haare strich und sie ihr dabei in die Stirn rutschten. "Es geht schon... Es ist... Nur, dass ich mich erst daran gewöhnen muss und dass uns klar werden muss, dass wir in nächster Zeit einige Abstriche machen müssen und..."
Du deinen Ehemann verlieren wirst?
, fragte er sie in Gedanken, aber er wagte es nicht, es laut auszusprechen. Wahrscheinlich wussten sie beide, dass sie das sagen wollte, aber dass es noch zu schwierig war, darüber zu sprechen. Jedenfalls so wie jetzt am Telefon. "Hast du dich mit Freunden getroffen, Mutter?"
"Was meinst du?"
Er biss kurz die Zähne aufeinander. "Hast du dich mit jemandem getroffen. Und darüber geredet? Hast du jemanden, der bei dir sein kann, wenn es zu schwer wird?"
"... du bist lieb..."
Urgh...
"Dein Vater ist für mich da, Constantine."

"Mein Vater ist das Problem", erwiderte er etwas energischer als beabsichtigt. "Sorry. Aber... Wenn du nur mit Vater darüber sprichst, hilft dir das auch nicht weiter."
Sie war wieder kurz still. "Ich weiß, worauf du hinaus willst", sagte sie dann. "Mach dir keine Sorgen, ich habe mit jemandem darüber gesprochen. Aber ... ich brauche noch ein wenig Zeit für mich. Für uns... Außerdem spreche ich doch jetzt gerade mit dir."
Ja, wow. Nur, dass er Teil der Familie und Teil des Problems war, und das wusste Emilia auch. Sie mochte keine Ahnung davon haben, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls und aus demselben Grund wie sein Vater vor ihr abnippeln würde, aber sie wusste sehr wohl, dass die Konflikte zwischen ihnen dazugehörten, weil diese verfluchte Krankheit ihn ja schon irgendwie dazu zwang, sich um seine Familie zu kümmern. Oder... Wenigstens Kontakt zu ihr zu haben.
"Versprich mir, dass du auch mit anderen darüber sprichst und dich ablenken lässt, ja?", fragte er sie leise, statt weiter auf ihre Argumente einzugehen.
"Was ist mit dir? Hast du mit jemandem darüber gesprochen?"
Na Klasse. "Das ist was anderes."
"Ist es das? Es geht um deinen Vater."
Was sollte er dazu sagen? Sie hatte recht, und er wusste, dass sie von ihm erwartete, dass es eine Rolle spielte. Und das tat es ja auch... Nur, dass sie Jason mit Sicherheit so viel mehr ... liebte als er seinen Vater überhaupt mochte. "Du weißt, wie ich das meine. Trotzdem ist es etwas anderes. Du lebst mit ihm zusammen und er bedeutet dir alles." Es tat seltsam weh, das auszusprechen. Er hob die freie Hand und rieb sich damit über die ziehende Stelle an der Brust. Sie war dort, wo das Herz schlug.
Seine Mutter anzurufen, war eigentlich die dümmste Idee gewesen, die er seit langem gehabt hatte. Er machte sich überhaupt nicht gut mit diesem ganzen Gelaber über Befinden und Gefühle und Bedeutung einer Person für einen anderen. Und dann tat es auch noch weh...
"Ich wünschte, es wäre genauso für dich, Constantine...", flüsterte sie (und bohrte damit noch ein wenig tiefer in der Wunde. "Nicht, dass ich dir wünsche, dass es dir so wehtut wie mir. Aber ... dass du mit ihm Frieden schließen kannst. Du bist sein einziger Sohn." Sie seufzte leise. "Komm uns bald besuchen, ja? Ich freue mich darauf, dich wiederzusehen. Mach's gut, ich hab dich lieb."
Und damit legte sie auf. Ihre Stimme hatte zum Schluss gezittert.


- Ein paar Tage später -

Die Tür des Hauses fiel für Constantines Verhältnisse ungewöhnlich laut ins Schloss. Und recht ungewöhnlich war es auch, dass er dabei einen Augenblick später mit der Hüfte an der Kommode links von der Tür aneckte. Er fluchte leise und war in den nächsten Momenten, die sich ziemlich in die Länge zogen, damit beschäftigt, den Flur des Elternhauses entlangzu…wanken und sich dabei gleichzeitig aus seinem Sweatshirt zu schälen (weil er nämlich gerade felsenfest davon überzeugt war, dass es eine Jacke war, die über einen Kleiderhaken gehörte. Nur dass er an der Garderobe längst vorbei war).
Es war unwahrscheinlich, dass er leise genug war, um seine Eltern nicht zu wecken, doch vielleicht glaubten sie mittlerweile zumindest teilweise, dass er alt genug war, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, und waren überzeugt davon, dass sie ihn dazu bringen konnten, selbst sauberzumachen, wenn er sich übergeben musste. Zumindest schaute niemand nach ihm. Er hatte Schwierigkeiten, die Treppe zu erklimmen, weil sein siebter Sinn, geistig einen Raum wahrzunehmen, schon vor zwei Stunden versagt hatte und er tatsächlich ziemlich blind die Stufen nahm. Mit dem Shirt in der einen und dem Geländer in der anderen Hand, quälte er sich hinauf, legte oben eine Verschnaufpause ein und schaffte es dann endlich, endlich in „sein“ Zimmer.
Mit einem tiefen Seufzen ließ er sich bäuchlings auf das Bett fallen, streifte sich mit den Füßen die Schuhe ab und war dann noch ungefähr eine Minute lang damit beschäftigt, sich Grete aus der Hosentasche zu fummeln, was ziemlich schwierig war, weil er nicht bemerkte, dass er gleichzeitig darauf lag. Bedingt dadurch glitten seine Finger mehrfach über das aus Versehen entsperrte Display. Und das dumme Ding fühlte sich dadurch dazu aufgefordert, einen Anruf zu starten.
Auf dem Display stand: Ausgehender Anruf an Manja.
Es war ungefähr vier Uhr in der Früh.

__________________________________
Every time we lie awake, After every hit we take, Every feeling that I get, But I haven't missed you yet
Kennt/aktuell bei: Artorias, [Mephistopheles], Cassiopeia, Ayumi, Annabelle, Lyra, Rukus, Leona Silberberg, Loki, Andrew, Manja, Cederic, Nagisa
avatar
Constantine

- 122

- Geborener Vampir

Anzahl der Beiträge : 1750
Anmeldedatum : 10.09.16


Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: Telefonisches Schäferstündchen ♥

Beitrag  Manja am Mo 27 Aug 2018 - 15:50

Ich wusste nicht genau wie spät es war, als mein seit Jahren erster wirklich normaler Traum von dem furchtbar schrillen Klingeln meines Handys unterbrochen wurde, das irgendwo neben mir auf dem Nachttisch lag. Etwas desorientiert von der ungewohnten Situation murrte ich verschlafen, robbte mich an den Bettrand herüber und griff nach meinem Handy, um ohne Blick auf das Display - das Licht tat viel zu sehr in den Augen weh, weshalb ich sie geschlossen hielt - abzuheben und das kleine Gerät an mein Ohr zu schieben.
"Hallo?", nuschelte ich verpennt und gähnte leicht, während ich hoffte, dass die Person, die angerufen hatte, einen verdammt guten Grund hatte mich zu wecken. Der Traum war echt schön gewesen. Naja, für meine Verhältnisse. Ich war mit Ced am Strand gewesen und irgendwie hatte Constantine sich dorthin gemogelt. In meinem Traum hatte er etwas sehen können und hatte viel gelächelt. Aber auch Uriel war dort und wir hatten gerade eine Wette am Laufen, wer die größte Muschel fand. Alles in allem war es etwas wirr... ungeachtet der Tatsache, dass das Wasser mulmig warm gewesen war, statt so kühl zu sein, wie es in Realität war.

__________________________________
avatar
Manja

- optisch 25

- Verfluchte

- Amilawald | Der Waldrand

Anzahl der Beiträge : 976
Anmeldedatum : 06.02.18


Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: Telefonisches Schäferstündchen ♥

Beitrag  Constantine am Mo 27 Aug 2018 - 17:14

Es war in seinem derzeitigen Zustand doch ein wenig befremdlich, wenn plötzlich eine nicht ganz reale Frauenstimme aus dem Lendenbereich zu hören war (zumal er sich ziemlich sicher war, dass er keine Frau abgeschleppt hatte, nicht in dieses Haus). Das verwaschene Gespräch vorher war ... sogar gänzlich(?) ohne die Anwesenheit einer Frau erfolgt.
Nach ein paar Sekunden der Weiterfummelei flutschte Grete dann aber endlich aus seiner Hosentasche und er vergaß schon wieder so halb, warum er gerade überhaupt kurz Pause gemacht hatte. Stattdessen seufzte er tief und ein wenig kehlig (weil überstreckte Kehle), weil sich kein blödes Handy mehr an seinen Hüftknochen drückte. Das Portmonee störte auf der anderen Seite zwar auch ein wenig, aber es war wesentlich weicher.
Er ließ die Hand, die das Smartphone festhielt, neben den Kopf sinken, den er dabei zur Seite drehte, und atmete noch einmal tiefer aus. Seine Augen schlossen sich.

__________________________________
Every time we lie awake, After every hit we take, Every feeling that I get, But I haven't missed you yet
Kennt/aktuell bei: Artorias, [Mephistopheles], Cassiopeia, Ayumi, Annabelle, Lyra, Rukus, Leona Silberberg, Loki, Andrew, Manja, Cederic, Nagisa
avatar
Constantine

- 122

- Geborener Vampir

Anzahl der Beiträge : 1750
Anmeldedatum : 10.09.16


Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: Telefonisches Schäferstündchen ♥

Beitrag  Manja am Mo 27 Aug 2018 - 17:38

Etwas verwundert zog ich die Brauen zusammen, weil keine Antwort kam und hätte sogar beinahe aufgelegt, wären da nicht die Geräusche, die plötzlich zu hören waren.  Ähm? Überaus verwirrt öffnete ich nun doch die Augen einen winzigen Spalt und blinzelte auf das Display, bemerkte, dass ich das Handy falsch herum hielt, drehte es um und las angestrengt den Namen, der da stand. Was zum- "Hallo? Constantine?", hakte ich nach und schob das Handy wieder ans Ohr. "Geht es dir gut?" Und warum rufst du mich um- Ich warf einen Blick auf die Digitaluhr auf meinem Nachttisch, die in angenehmer Helligkeit vor sich hin glimmte. -4 Uhr morgens an? Nun etwas wacher schob ich mich mit einem Arm in die Senkrechte und rieb mir das Auge, ehe ich ausgiebiger gähnte. Erst dann begriff ich, was für Geräusche ich das eigentlich gehört hatte. Stoffgeraschel, Seufzen, noch mehr Luftaustausch. Er hatte doch nicht etwa gerade eine Frau da und rief mich aus Versehen an, oder? Gott, das wäre furchtbar peinlich. Aber als ich aufmerksam horchte, hörte ich immerhin kein Stöhnen.

__________________________________
avatar
Manja

- optisch 25

- Verfluchte

- Amilawald | Der Waldrand

Anzahl der Beiträge : 976
Anmeldedatum : 06.02.18


Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: Telefonisches Schäferstündchen ♥

Beitrag  Gesponserte Inhalte


Gesponserte Inhalte


Nach oben Nach unten

Seite 22 von 34 Zurück  1 ... 12 ... 21, 22, 23 ... 28 ... 34  Weiter

Nach oben


 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten