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Beitrag  Shion am Mo 28 Mai 2018 - 23:33

Vergangenheitsszenen


Rückblende #1 Treffen sich ein Chariot, eine Shion und zwei Screecher...

Ein tiefes Seufzen war zu vernehmen. Das auf dem Rücken liegende Pinklöckchen starrte resigniert und mit leeren Augen zum Himmel hoch... Als hätte sie sich mit all den schrecklichen Dingen auf der Welt abgefunden und eingesehen, dass das Leben eben doch nicht voller Regenbogen, Glitzer und hüpfenden Einhörner ist. Die Leiden der jungen nicht mehr so jungen Shion oder so. Dabei hatte der Tag so gut angefangen. Zumindest war sie noch voller Zuversicht, als sie mit dem Laserding das Maisfeld-Labyrinth betreten hatte – selbst mit der magiehemmenden Ausrüstung. Screecher. Pfft. Als ob diese Libellenviecher ihr Angst machen könnten. Eigentlich machte sie sich ja nicht gerne die Finger schmutzig, doch sie hatte sich von einer – mehr oder weniger – vertraulichen Quelle sagen lassen, dass es in diesem Maislabyrinth wertvolle Schätze zu finden gab. Warum also nicht? Für so etwas machte die Hexe auch einmal eine Ausnahme.

Kaum zehn Minuten später hatte sie sogar ein Biest erwischt. Nur ist Shion so ohne Magie keine wirklich talentierte Kämpferin. Nicht einmal schnell genug wegrennen konnte sie, als das Riesenvieh – die letzten schrecklichen Sterbensfiepen des Tages von sich gebend –  vom Himmel runterfiel und ihren gesamten Unterkörper unter sich begrub. Die Hexe hatte leider nicht genug Kraft, um das Ding von sich zu schubsen. Das Viech war schwerer, als es aussah und sie hätte schwören können, dass sie ein oder zwei Knacksen in ihrem linken Arm gespürt hatte... Der Arm war gebrochen... jedenfalls war er etwas komisch angewinkelt; vermutlich, weil Shion versucht hatte ihren Fall mit einer Hand abzufangen. Mit ihrer heilen rechten Hand hatte sie alles Erdenkliche versucht, um sich zu befreien – jedoch ohne Erfolg. Danach folgte ein verzweifeltes Fluchen. Als, ob sie mit bösen Worten das Ding wiederbeleben könnte...

Und nun? Nun lag sie also da. Völlig erschöpft und am Ende. So ohne Magie fühlte sie sich... verletzlich, entblösst und nutzlos. Wahrscheinlich verfluchten ihre Zombiekinder sie gerade, weil Shion gerade Höllenqualen litt. Alles in ihrem Körper tat weh und die Zombies spürten genau in diesem Moment wohl die gleichen Schmerzen. Einer der Gründe, warum sie körperliche Anstrengungen und das Risiko, verletzt zu werden, mied (mal davon abgesehen, dass sie einfach nur faul war). Ein weiterer Seufzer rutschte über ihre Lippen und sie schlug kraftlos mit der Laserwaffe weiter auf das Insekt ein – auch wenn sie wusste, dass das ihr nicht weiterhelfen würde. Das monotone und regelmässige bumm, bumm, bumm machte sie etwas schläfrig und in Gedanken folgte sie nun den flauschigen Wolken, die über ihren Kopf am strahlendblauen Himmel vorbeizogen. Irgendjemand würde schon vorbeikommen und sie aus ihrer misslichen Lage befreien – oder?

Das jähe Quietschen eines sich nähernden Screechers riss sie aus der Wolken-Sutra-Trance heraus. Frassen diese Dinger eigentlich auch Arkane... oder waren sie doch Vegetarier? Hätte sie dem Besitzer doch nur etwas genauer zugehört oder besser aufgepasst, als er ihr die Regeln erklärt hatte. Tja, schon doof, wenn die Karma-Polizei zuschlägt. Shion versuchte mit der Waffe auf das Vieh zu zielen, doch irgendwie klappte es nicht. War die Waffe etwa kaputt? Hatte sie einmal zu fest mit dem Ding auf den bewusstlosen Screecher gehauen? Panisch rutschte die Hexe nun herum und erinnerte sich dann an den Panikknopf auf der Armbanduhr. Sie drückte hektisch und mehrere Male drauf, als ob man dadurch schneller auf sie aufmerksam werden und ihr zu Hilfe eilen würde. Durch ihr wildes Gezappel wurde auch der Screecher auf die Hexe aufmerksam und flog nun auf sie zu. In ihrer Verzweiflung warf der Pinkschopf nun aus Reflex die Waffe nach dem Biest. Doch Treffen war eine Kunst, die Shion ebenfalls nicht beherrschte. Denn die zum Wurfgeschoss zweckentfremdete Schusswaffe fiel auf dem halben Weg, Gravitationskraft sei dank, wieder zurück – genau auf das Gesicht der Hexe. Der Schmerz war so überwältigend, dass sie nicht mal aufschreien konnte. Stattdessen bildeten sich Tränen in ihrem Augenwinkel, während sie sich ihre blutende Nase rieb. So wollte sie eigentlich nicht sterben.

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Re: Remember, remember...

Beitrag  Chariot am Di 29 Mai 2018 - 16:36

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SHION & CHARIOT03 - RÜCKBLENDE#1
ON | OFF

Alte Gäste, neue Gäste, mäßig gutes Wetter — kein Grund, wieso das breite Grinsen auf Chariots Lippen verblassen sollte. Sicher, es war etwas langweilig, die ganze Zeit alleine im Eingang zu sitzen und darauf zu warten, dass der nächste Gast kommen würde, doch war der Hybrid ohnehin niemand, der sonderlich schnell Langeweile empfand. Die freie Zeit konnte er immerhin dafür nutzen, ein wenig an einer der ausgemusterten Armbanduhren herumzuschrauben, sie gegebenenfalls zu reparieren oder sogar zu verbessern (ihm geisterte die ein oder andere Idee im Kopf herum), oder sich neue Rätsel auszudenken, was tatsächlich ein wenig nervenaufreibender war — und demnach von ihm lieber ein wenig nach hinten verschoben wurde. Er wollte nicht wieder vor einem Schloss sitzen, dass zwar seiner Idee entsprungen war, allerdings selbst von seinem Schöpfer und Erfinder nicht zu öffnen war. Solche Momente führten meist zu einer eher getrübteren Laune, welche er nicht unbedingt haben wollte. Wütend sein war anstrengend... und kostenspielig. Und ohnehin nicht das, worüber er sich jetzt das halb-existente, eigene Hirn zerbrechen sollte, solange es noch da war. Der Gedankenumschwung brachte ihn dazu, eine leichte Grimasse zu ziehen, die sich leicht wieder legte. Sein Blick klebte nach wie vor an den kleinen Schrauben der Armbanduhr, zumindest bis sich ein anderes Gerät sich zu Wort meldete. Fast hätte Chariot03 das leise Piepen imitiert, unterließ es allerdings doch und legte stattdessen das Werkzeug ab, um dem Ursprung des Piepens die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Dass er diesen Ursprung nun allerdings erst aus dem Labyrinth fischen müsste, war ihm bewusst.

Die meisten betätigten die Panikknöpfe, wenn sie den Ausgang nicht fanden — was recht häufig war, immerhin war das Labyrinth nicht umsonst ein Labyrinth. Und eines, welches direkt wieder endete, wäre doch reizlos. Wieder andere empfanden plötzliche Platzangst, was Chariot zwar nicht sonderlich logisch erschien, doch stellte er keine Fragen — oder nur selten. Niemand, der bezahlt hatte, bekam die Kosten zurückerstattet. Besser gesagt; es konnte ihm egal sein, wie wenig Zeit jemand im Labyrinth verbrachte, solange er in dieser Zeit nichts beschädigte, stahl oder andere Gäste belästigte. Einige wenige drückten den Knopf tatsächlich nur, um zu testen, ob er funktionierte — und das tat er. Auch mehrmals hintereinander. Auch, wenn man ihn drückte, als wolle man Sturm-klingeln. Da hatte es wohl jemand eilig. Das 'Bin gleich wieder da'-Schild befand sich in Windeseile auf dem Tresen, ehe Chariot (nach wie vor grinsend) auch schon durch den Eingang in sein geliebtes Gewirr an Maispflanzen spazierte, zielsicher wie eh und je. Die aktuelle Position des Gasts-in-Not hatte er sich zuvor auf dem Bildschirm seines Computers angesehen (und wirklich weit weg vom Eingang war der Gast nicht), die Punktzahl (30), die Nummer (17) sowie die verbrachte Zeit im Labyrinth (Nur 10 Minuten!) — wieso brach man das Spiel so schnell ab?

Der Grund sollte ihm recht schnell gezeigt werden. Lautes, widerliches Fiepen eines Screechers (vielleicht sollte er die Teile in seiner Nähe stumm schalten, irgendwie ließe sich das sicherlich einfügen), der scheinbar einfache Beute im Visier hatte. Und diese einfache Beute war es gewesen, die wie verrückt den kleinen, roten Knopf gedrückt hatte. Immerhin hatte sie sich von der Position, die ihm angezeigt worden war, keinen Millimeter entfernt. Konnte sie auch überhaupt nicht. Anstatt direkt auf die junge Frau zuzustürmen, hob er nur knapp die Hand als Gruß, das Grinsen schien wohl recht unpassend im Moment (vielleicht hatte sie Schmerzen? Oder Angst? Oder Panik?), ließ sich jedoch gerade nicht so einfach wegwischen. Die andere Hand ließ Chariot in seine Hosentasche gleiten, wo er eine kleine Fernbedienung hervorkramte, damit auf den lebendigen Screecher zielte und diesen mit einem Druck auf den roten Knopf (die tolle Fernbedienung hatte immerhin nur zwei Knöpfe; einen roten und einen grünen, was unfassbar kreativ war) deaktivierte. Unsanft landete das Liebellenvieh auf dem Boden, allerdings nicht auf der Rosahaarigen, wie das andere Insekt, das sie scheinbar nicht mehr von sich entfernen konnte. Etwas unelegant stieg der Hybrid nun über den bewusstlosen Screecher Nummer eins, um zu Nummer zwei und Gast Nummer 17 zu gelangen. Sein Blick haftete auf ihr, erneut hob er die Hand, diesmal mit der Fernbedienung, zwei Finger davon in die Luft streckend. "Hi." begleiteten seine Worte die Geste, seine Augen überflogen derweil die Gesamtsituation — die ihm nicht unbedingt gefiel. Was man auch sehen konnte.

Das Grinsen verschwand endlich von seinen Lippen, wich einem neutralen Blick, der allerdings nicht neutral genug war, um als entspannt gedeutet werden zu können. Mitleid war es allerdings auch nicht, das sein Hirn erfüllte, das immerhin gab es für ihn nicht. Noch nicht. Vielleicht würde er es irgendwann lernen. Blutende Nase, vielleicht ein paar blaue Flecken — und anderes, das ihm auf den ersten Blick nicht auffiel. "K-keine Sorge." erhob der 55-Jährige nun endlich wieder die Stimme, der Pinkhaarigen einen Moment lang in die glänzenden Augen blickend, um dann, ohne weiter zu zögern, den Screecher zu packen und mit unverschämter Leichtigkeit von ihrem Körper zu heben — das geflügelte Ding ließ er anschließend einfach wieder fallen. "Kannst du laufen? M-musst du getragen werden?" redete er weiter, sich neben sie kniend, um ihr eventuell aufzuhelfen oder sie hochzuheben. Mit dem Zeigefinger deutete er derweil auf die Waffe, die neben ihr am Boden lag. "Die Waffen s-sind gegen die Feinde, nicht gegen einen selbst." — sich hier selbst zu beseitigen war ohnehin nicht die feine Art. Immerhin müsste er alles aufräumen, was nicht gerade spaßig war.

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Re: Remember, remember...

Beitrag  Shion am Di 5 Jun 2018 - 17:35

Shion war sich sicher gewesen, dass ihr letztes Stündchen geschlagen hatte. Sie entschuldigte sich in Gedanken bereits bei ihren Zombiekindern, dass sie so fahrlässig gehandelt hatte und hoffte, dass sie im Fegefeuer – sollte es tatsächlich existieren und sie dorthin geschickt werden – wenigstens vom Groll jener verschont bleiben würde. Aber bei ihrem Glück...... Die Hexe wandte ihren Blick ab, indem sie den Kopf zur Seite drehte. Durch ihren Tränenschleier konnte sie in der Ferne eine verschwommene Gestalt ausmachen, die freundlich die Hand zum Gruss hochhielt. Halluzinierte sie bereits? War das eine Art aedaischer Chariot Charon, der sie über den Fluss in die Unterwelt bringen würde? Sh*t und genau in diesem Augenblick hatte sie keine Münzen zur Hand. Leise aufschluchzend machte sie nun fest ihre Augen zu; die gesunde Hand immer noch die blutende Nase haltend. Wenigstens war die hässliche Insektenvisage nicht das Letzte, das vor ihrem Tod gesehen hatte. Shion verabscheute Ungeziefer, das noch lebte. Sie hätte wissen sollen, dass das keine gute Idee war, hierherzukommen – aber nun war es ohnehin zu spät.

Doch es geschah nichts. Zumindest nicht zum erwarteten Zeitpunkt, den die Hexe erwartet hatte... ausser der Tod durch einen Screecher war schmerzlos -? Etwas verwundert öffnete Shion das eine Auge, nur um zu sehen, wie das riesige Libellenvieh leblos vom Himmel fiel. Diesen Anblick kannte sie ja bereits gut. Ein Déjà-vu-Erlebnis sozusagen. Instinktiv versuchte sie dem Rieseninsekt wieder auszuweichen, was eigentlich gar nicht nötig war, da der Screecher, Sekunden später, ein paar Meter neben ihr mit einem lauten Knall auf dem Boden prallte. Für einen Augenblick hatte Shion das Atmen verlernt. Sie wagte es sich nicht zu bewegen. Auch dann nicht, als sie sich einigermassen von ihrem Schock erholt hatte – als würde der leblose Screecher wieder auferstehen, wenn sie eine falsche Bewegung machte. Diesen Viechern war nicht zu trauen. Die Hexe dürfte wohl ein bleibendes Trauma vom heutigen Tagesausflug nach Okahan mitnehmen.

In ihrem Schädel ratterte es und mit etwas Fantasie und ganz fest zugekniffenen Augen, konnte man sehen, wie Rauch von ihrem Kopf aufstieg. Das Rosaköpfchen versuchte nachzuvollziehen, was gerade eben passiert war. Hatte der Screecher zu viel Sonne abbekommen und ist wegen einem Sonnenstich ohnmächtig geworden? Wurden ihre Gebete erhört? Vielleicht ist der Screecher einfach so kaputt gegangen und aus heiterem Himmel... vom Himmel gefallen (ooc: badumtss ja, der war schlecht, aber ich konnte es nicht sein lassen :’D)? Die Antwort auf ihre Fragen kletterte wenige Augenblicke später etwas unelegant über den leblosen Screecher, der vor ihr lag. Der vermeintliche Charon war also doch keine Einbildung gewesen. Immer noch fassungslos rieb sich Shion die Augen und erkannte, da sie nun den Tränenschleier von ihren Augen weggewischt hatte, den Besitzer des Labyrinths. Ah, der Panikknopf hatte also doch funktioniert.

"Hi." Der Blauhaarige hob seine Hand ein zweites Mal zum Gruss. Sonst nichts. Das Pinklöckchen war immer noch zu verdutzt, als dass sie hätte rechtzeitig reagieren können. “Hi...“, wiederholte sie also nur, während sie, immer noch ganz offensichtlich verwirrt, den Bewegungen Chariots folgte. „...und danke, dass du mich... gerettet hast...?“, fügte sie dann nach einer Weile hinzu, wobei es mehr wie eine Frage klang – als ob ihr Hirn noch nicht verarbeitet hatte, dass sie immer noch am leben war. Nun, Chariot verhielt sich auch nicht gerade wie ein Ritter in strahlender Rüstung. Auch das verschwindende Grinsen machte es Shion nicht leichter, die Situation zu verstehen. Wieso hatte er nun ein neutrales Gesicht aufgesetzt? Normalerweise lächelte man doch bei einer Begrüssung... und nicht umgekehrt? Die Hexe wurde nicht wirklich schlau aus ihrem Gegenüber. Sie hatte gerade ihren Mund geöffnet, um ihn etwas zu fragen, als er ihr zuvorkam: Sie solle sich keine Sorgen machen, ob sie getragen werden müsse und dann noch die Bemerkung mit der Waffe. So ganz nebenbei hob er auch den Screecher, der eben noch auf ihr lag, auf und liess ihn wenige Zentimeter neben sich und Shion wieder auf den Boden fallen – als sei es das Normalste auf der Welt. ‚Oh, du hast ein Fussel im Haar. Warte, ich mach’s dir mal schnell weg...’

Shion fehlten schlicht die Worte. Immerhin hatte er sich nach ihrem Wohlergehen erkundet – wobei nein, er hatte nur gefragt, ob sie laufen konnte oder nicht. Die Hexe hatte den Verdacht, dass er sie wahrscheinlich so schnell wie möglich loswerden wollte. Mit ihrer gesunden Hand stützte sie sich nun am Boden ab, um sich in eine sitzende Position hochzustemmen. Nun konnte sie ihrem Gegenüber auch richtig in die Augen sehen. „Mir geht es gut. Danke der Nachfrage“, kam es etwas trocken über ihre Lippen, wobei sie die Mundwinkel dennoch zu einem Lächeln hochgehoben hatte. Sie nahm es ihm nicht übel, dass er sie loswerden wollte. Wahrscheinlich musste er sich öfters mit Leuten wie ihr abgeben. Was sie eher störte, war die fehlende Empathie. Er konnte ja wenigstens so tun, als ob ihm ein Bisschen etwas an ihrem Wohlergehen lag.

Probeweise bewegte Shion abwechselnd ihre zwei Beine und versuchte wieder aufzustehen. Nach einigen unbeholfenen Startversuchen stand sie dann tatsächlich wieder auf ihren beiden Füssen – wenn auch etwas wacklig. „Mit meinen Beinen ist glaub ich, bis auf ein paar blaue Flecken, alles in Ordnung... und meinem Kopf geht es auch gut... Keine Sorge. Ich verwende Waffen normalerweise nur gegen Feinde – wenn sie wenigstens funktionieren würden“, versicherte sie ihm dann und klopfte mit der rechten Hand so gut es ging, den Dreck und Staub von ihrer Kleidung ab. Den Fakt, dass es wahrscheinlich ihr Verdienst war, dass die Waffe kaputtging, überging sie einmal. Stattdessen musterte sie Chariot nun etwas genauer, während sie kurz mit ihrem Ärmel über ihre Nase fuhr und das inzwischen leicht verkrustete Blut abwischte. „Muss ich zuerst raus, damit ich die Ausrüstung abnehmen darf? Geht etwas schneller, wenn ich dieses Problem hier, sie hob den komisch angewinkelten linken Arm hoch, „mit Magie lösen könnte... Ich bräuchte eventuell trotzdem etwas Hilfe von dir, weil ich den Arm zuerst gerade biegen muss...“ Die Hexe verzog kurz das Gesicht bei dem Gedanken an die bevorstehenden Schmerzen. Sie hatte schon oft genug Knochenbrüche geheilt, dass sie dies auch ohne fremde Hilfsmittel tun konnte. Nur für einen Betäubungstrank hätte sie einige Kräuter gebraucht, die nicht unbedingt in einem Maisfeld-Labyrinth zu finden waren. Ein Betäubungszauber war ihr zur riskant und das Glück hatte sie für heute schon oft genug herausgefordert. Fragend richtete die Hexe ihren Blick nun wieder auf den Besitzer des Labyrinths. Dabei hatte sie ihren Kopf etwas schiefgelegt, sodass ein paar rosa Löckchen sich in ihr Gesicht verirrten, während sie auf eine Antwort abwartete.

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Re: Remember, remember...

Beitrag  Chariot am So 10 Jun 2018 - 17:11

Vielleicht sollte er die Reste seines alten Gehirns mit der ergänzenden künstlichen Intelligenz einmal (sinnbildlich gesehen) in einen kleinen Raum sperren und erst wieder hinaus lassen, wenn sie zusammen einen Plan entworfen hatten, wie man Situationen wie der jetzigen entgehen konnte. Tatsächlich war es eher Chariots Überlegung gewesen, andere, schwerere Gegner den Screechern als Gesellschaft zu überlassen. Irgendwelche Wesen, die sich nicht durch die Luft wandten, sondern den Gästen auf allen Vieren hinterherwetzten, schwieriger zu treffen waren, gefährlicher waren, unheimlicher schienen... und so weiter. Wenn allerdings schon die Screecher alleine solche Probleme machten (immerhin war es ganz sicher nicht das erste Mal, dass Chariot von dem Panikknopf gerufen wurde), wäre das vielleicht nicht ideal, würde gegebenenfalls sogar Gäste verscheuchen — vielleicht aber auch andere anziehen, denen es aktuell einfach zu langweilig oder einfach im Labyrinth war. Die Screecher wegen den Unfällen, die passierten, jedoch zu entfernen, kam nicht in Frage. Das Labyrinth ohne die Feinde wäre zu einfach, zu langsam und der Eintrittspreis dafür definitiv zu hoch. Vielleicht sollte er Roboter bauen, die die Gäste im Falle des Falles aus dem Gewirr der Maispflanzen befreien würden, doch genügte Chariot03's Wissenstand dafür eventuell noch nicht. Sowieso; es wäre teuer. Das alles sollte er sich allerdings etwas später durch den Kopf gehen lassen — nicht, dass die Verletzte noch irgendwelche ernsthaften Wunden hatte, die schnellstmöglich versorgt werden müssten.

"Mir geht es gut. Danke der Nachfrage." — Ihre Tonlage völlig ignorierend, nickte Chariot nur stumm, ehe er bewegungslos stehen blieb, als würde er auf weitere Anweisungen warten. Was definitiv nicht der Fall war. Stattdessen erfasste er lediglich die Gesamtsituation, wirkte dabei eher tot als lebendig, doch war das fast schon nichts mehr neues. Sein Blick ruhte stetig in den Augen der Pinkhaarigen, die sich inzwischen in eine sitzende Position aufgerichtet hatte — und Chariot somit auch ihr Arm auffiel, der fast wirkte, als hätte jemand ihn wie ein benutztes Taschentuch zusammengeknüllt und weggeworfen. Mit dem einfachen Unterschied, dass er noch an ihrem Körper befestigt war, was nicht nur ihr, sondern auch sein Glück war. Die Sauerei wollte er sicherlich nicht aufputzen, die Beschwerden wollte er sich nicht anhören und das Labyrinth wollte er auch nicht schließen müssen um herauszufinden, wie zur Hölle die Screecher (oder einer) Grund dafür waren, dass einer jungen Dame der ganze Arm weg flog. "Die Waffen funktionieren normalerweise einwandfrei." gab er zurück, sie weiterhin (und wie immer ohne ein einziges Blinzeln) anstarrend, nur um den Blick dann auf die Waffe zu richten, die am Boden lag. Gepresst ließ er die Luft aus der künstlichen Lunge entweichen, wobei deutlich wurde, dass er sich tatsächlich Mühe gab, keinerlei Wut aufkommen zu lassen. Im schlimmsten Fall und gelenkt von Zorn würde er die Dame mit den lockigen Haaren nur noch mehr verletzen — was ebenfalls schlecht fürs Geschäft wäre.

Seine Augen blieben an der Waffe hängen, huschten desinteressiert wenige Herzschläge lang zu ihrem Arm, kaum dass sie diesen hob, dann zurück zur Waffe. Auch beschrieb er nur eine wirre Geste mit der Hand als Antwort, zuckte, als würde er lieber die Waffe als die Pinkhaarige verarzten, doch zwang er sich selbst mit einem leichten Seufzen zur Vernunft, löste nun endlich den Blick von seinem teuren Eigentum und schenkte der Verletzten volle Aufmerksamkeit. Sogar seine Stimme klang etwas weicher, auch wenn das Grinsen keinesfalls zurückkehren wollte, nicht einmal ein Lächeln schenkte er ihr. "D-du kannst die Ausrüstung ablegen. Brauchst du Hilfe dabei?" Die Klettverschlüsse einhändig zu lösen wäre eventuell ein wenig knifflig — was auch der Grund war, warum Chariot nicht unbedingt auf eine Antwort wartete, sondern stattdessen auf die Kleinere zutrat, um ihr aus der Ausrüstung zu helfen und ihr auch die Armbanduhr Schrägstrich Computer vorsichtig vom Handgelenk zu lösen. Von Magie hatte er tatsächlich nur wenig Ahnung, immerhin hatte er nur wenig damit am Hut und konnte inzwischen gut ohne Zauberei und ähnlichen Schnick-Schnack existieren. Vielleicht mochte es für den ein oder anderen wie Magie erscheinen, wenn er seine eigenen 'Verletzungen' oder Fehlfunktionen reparierte, ohne mit der Wimper zu zucken, oder Rüstungen baute, die wilde Tiere kontrollierte, tatsächlich gab es da jedoch nur wenig magisches. Dass die Welt ohne Magie besser wäre, würde er allerdings nie sagen; immerhin war etwas dergleichen Schuld, dass er überhaupt noch lebte.

Glaubte er zumindest. Genau sagen konnte er es nicht — alles was er über sein früheres Leben wusste, hatte seine Schöpferin ihm binnen weniger Sätze erzählt. Es war nicht viel, jedoch genug, um zu wissen, dass es nicht einfach irgendeine Glückssträhne gewesen war, die ihm vorm verrotten bewahrt hatte. "Ich entschuldige mich für die Unannehmlichkeiten." entwich ihm, als wäre es ein auswendig gelernter Satz, den er jedem Gast vor die Füße warf. (Vielleicht war's ja so?) Die Rüstung legte er sich über die Schulter, die Uhr schob er für den Moment in seine Hosentasche zu der Fernbedienung, damit er beide Hände frei hatte. "W-willst du dich nicht lieber wieder hinsetzen? Bevor du vor Schmerz zusammenklappst und dir den Kopf aufschlägst. Das wäre suboptimal." Seine Augen weiteten sich ein wenig, wobei er seine Sicht erneut auf Wärmebild umschaltete, um auf eventuelle Feinde direkt reagieren zu können. Einen Schwarm Screecher, der einem fast das Trommelfell wegriss, konnten sie jetzt vermutlich nicht gebrauchen.

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